Baugewerbe erwartet Umsatzsteigerung von fast 5 Prozent

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Foto: Roland Riethmüller

Aktuell läuft die Baukonjunktur besonders rund. So kann sich das Baugewerbe in den einzelnen Segmenten über einen Anstieg im Wohnungsbau in Höhe von sechs Prozent, im Wirtschaftsbau von drei Prozent und im Öffentlichen Bau von 4,5 Prozent freuen. Doch der Erfolg wird durch verschiedenen Rahmenbedingungen getrübt, die langfristig das Wachstum bedrohen können.

Es tut sich was in Deutschland, überallwird gebaut und saniert. Die Baukonjunktur läuft besser denn je. “Wir erwarten ein sehr gutes Baujahr 2016, das zeigen die Konjunkturdaten des ersten Halbjahres”, freut sich Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB). “Wir gehen nunmehr von einem Umsatzwachstum von gut vier Prozent bis hin zu fünf Prozent in 2016 aus. Zu Jahresbeginn hatten wir noch mit plus drei Prozent gerechnet”, so Pakleppa anlässlich der Baufachmesse NordBau in Neumünster vor einer Woche.

Wohnungsbau ist immer noch Treiber der Baukonjunktur

Wesentlicher Treiber der Baukonjunktur ist nach wie vor der Wohnungsbau. Mit circa 17,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr diesen Jahres liegt der Umsatz in diesem Segment um elf Prozent über dem Vorjahreswert. Auch die Auftragseingänge sind um 20 Prozent höher als im Vorjahr und bieten damit einen zweifellosen Indikator für eine Fortsetzung der dynamischen Entwicklung. “Angesichts von mehreren Hunderttausend Wohnungen, die derzeit auf dem Wohnungsmarkt fehlen, ist es kein Wunder, dass viel gebaut wird”, erklärt Pakleppa und verweist auf das enttäuschende Ergebnis von 265.000 Fertigstellungen im vergangenen Jahr. Erfreulich ist daher, dass im ersten Halbjahr 2016 bereits 30 Prozent mehr Wohnungen genehmigt wurden als im Vorjahr. Dies entspricht einem Anstieg um circa 41.000 Wohnungen auf 180.000.

Zurückhaltung durch auf Eis gelegte degressive AfA

Doch auch wenn die Baukonjunktur im Segment Wohnungsbau um voraussichtlich sechs Prozent steigen wird, warnt Pakleppa vor allzu großer Euphorie: “Die Diskussion um eine steuerliche Förderung im Mietwohnungsbau – Erhöhung der linearen AfA von zwei auf vier Prozent oder Einführung der degressiven AfA – führt dazu, dass die Menschen abwarten.” Daher fordert der ZDB vom Bundestag die nötigen Entscheidungen, damit das Gesetz zur Einführung der degressiven AfA endlich verabschiedet werden kann.

Und noch ein weiterer Aspekt trübt die positive Entwicklung. Denn aktuell werden immer noch eine Vielzahl an Wohnungen im hochpreisigen Segment gebaut. Da gerade in Ballungsgebieten vor allem bezahlbarer Wohnraum dringend benötigt wird, hat die Bundesregierung die sogenannten Entflechtungsmittel an die Länder für den sozialen Wohnungsbau von 518 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt. Allerdings wurde versäumt, eine Zweckbindung zum Bau von Wohnungen für junge Familien und Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen zu vereinbaren. “Hier fordern wir die Bundesländer auf, diese Mittel passgenau für neue Wohnungen einzusetzen und gegebenenfalls zusätzliche Mittel freizugeben”, erklärt Pakleppa.

Um das Bauen nicht weiter zu verteuern, lehnt darüber hinaus der ZDB-Hauptgeschäftsführer eine weitere Verschärfung der Energieeinspar-Verordnung (EnEV) ab. “Wir haben mit der EnEV 2014/2016 einen Status erreicht, der den für 2020 geforderten EU-Standard und damit den Niedrigstenergiestandard jetzt schon erreicht, der aber zu einer Kostensteigerung von knapp zehn Prozent geführt hat. Das reicht!”

Wirtschaftsbau auch deutlich im Plus

Auch der Wirtschaftsbau entwickelte sich deutlich besser als gedacht. So liegen die Aufträge um circa 20 Prozent über dem Vorjahreswert. “Die deutsche Wirtschaft scheint robuster und perspektivisch positiver gestimmt zu sein, als dieses in der Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt”, freut sich Pakleppa.

Investitionshochlauf treibt den Öffentlichen Bau

Gleiches gilt auch für den Öffentlichen Bau, der mit Aufträgen von fast 13 Milliarden Euro ein Wachstum von 20 Prozent zeigt. Dazu trägt vor allem der anteilsstarke Tiefbau mit einem Zugewinn von ebenfalls 20 Prozent deutlich bei. “Der im Bundeshaushalt für 2016 eingestellte Investitionshochlauf bei der Straße um circa eine Milliarde Euro zeigt Wirkung”, kommentiert Pakleppa.

Große Sorge hat das Baugewerbe jedoch vor dem Personalengpass bei den Bundesländer. “Denn die Bundesländer haben zu wenig Personal, um die Baumaßnahmen entsprechend zu projektieren und zu planen – und ohne Planung gibt es keine Bauaufträge”, weiß ZDB-Hauptgeschäftsführer Pakleppa. “Der Personalengpass in den öffentlichen Straßenbauverwaltungen darf nämlich nicht dazu führen, dass Infrastrukturprojekte verstärkt als ÖPP-Projekte durchgeführt werden.”

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