Baugewerbe hat ein Nachwuchsproblem

News | Frank Kessler | 17.12.2019
Baugewerbe hat ein Nachwuchsproblem
Foto: Roland Riethmüller

Eine aktuelle Umfrage zur Ausbildungssituation im Baugewerbe brachte ein erschreckendes Ergebnis zutage. Rund die Hälfte aller Betriebe haben demnach enorme Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden. Dabei wird auch deutlich, dass sich der Fachkräftemangel in der Baubranche immer stärker als Konjunkturbremse darstellt. Viele Ausbildungsplätze werden über einen langen Zeitraum hinaus gar nicht besetzt. Hinzu kommt, dass nur die Hälfte der Gesellen nach ihrer Ausbildung in der Baubranche bleiben.

Alle reden darüber, keiner spricht es aus: Das Baugewerbe hat ein Nachwuchsproblem. So sind es rund 50 Prozent der befragten Betriebe, die ernsthafte Schwierigkeiten damit haben, Lehrlinge zu finden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-Bau). Über 70 Prozent bieten sogar Ausbildungsplätze für Geflüchtete an. Rund 60 Prozent der Betriebe würden auch lernbeeinträchtigte Jugendliche einstellen. Die Ergebnisse haben aber auch gezeigt, dass sich Integrationsmaßnahmen durchaus bezahlt machen. Das Programm Berufsstart Bau erleichtert Flüchtlingen und lernbeeinträchtigte Jugendliche den Start in eine Ausbildung. Das Programm wurde im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Es zielt darauf aus, Jugendlichen den Einstieg in eine Tätigkeit am Bau zu erleichtern. Seit dem Jahr 2015 nehmen auch Flüchtlinge an diesem Programm teil.

Fachkräftemangel - Die Konjunkturbremse

Die Befragung zeigt aber auch, dass sich der Fachkräftemangel negativ auf die Konjunktur auswirkt. Viele freie Lehrstellen bleiben demnach lange unbesetzt. Mittlerweile geben 15 und 20 Prozent der Betriebe an, dass der Mangel an Arbeitskräften die Produktion behindern würde. Ein weiteres Problem ist die Abwanderung von Fachkräften in andere Bereiche. Wie bereits frühere Berechnungen durch SOKA-Bau ergaben, verlassen viele ehemalige Lehrlinge nach ihrer Ausbildung den Betrieb und wechseln sogar in andere Branchen. Nur 50 Prozent bleibt noch in der Baubranche. Als Grund nannte die Hälfte der befragten Unternehmen den ausgeprägten Weiterbildungswunsch der Auszubildenden. Die andere Hälfte gab an, dass sich die Lehrlinge doch für eine andere Branche oder einen anderen Beruf entschieden hätten.

Nachwuchskräfte sichern - Ausbildungsabbrüche verhindern

Die Befragung hat aber auch gezeigt, dass Ausbildungsabbrüche in jedem zweiten Fall darin liegen würden, dass die schulischen und betrieblichen Leistungen der Azubis nicht ausreichend genug wäre. Dies könne man allerdings dadurch verhindern, dass in den Betrieben Ausbildungsbetreuer vorhanden wären. So könnten die Lehrverhältnisse stabilisiert werden und somit Lehrabbrüche verhindert werden. Entsprechende Projekte dafür stehen schon bereit. "Vermeidung von Lehrabbrüchen und Sicherung des Ausbildungserfolgs" ist eines davon, das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und zum Teil auch durch Landesmittel gefördert wird. Ziel ist, wieder mehr Auszubildende am Bau zu gewinnen und vor allen Dingen zu halten.

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