Baugewerbe sieht Flüchtlinge als Hilfsarbeiter und Auszubildende

News , 15.12.2015 , Roland Riethmüller Bild zu: Baugewerbe sieht Flüchtlinge als Hilfsarbeiter und Auszubildende
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Laut einer aktuellen Studie können sich 59 Prozent der befragten Betriebe vorstellen, Flüchtlinge als Arbeitskräfte zu beschäftigen. Dabei ist der Einsatz vor allem als ungelernte Hilfsarbeiter und Auszubildende naheliegend, im westdeutschen Baugewerbe sogar zu einem Viertel als Fachkräfte. Fehlende Sprachkenntnisse und Fachqualifikation gelten neben den gesetzlichen Hürden wie Mindestlohn und Bürokratie als größter Hinderungsgrund für Einstellungen.

Es ist bekannt, dass es für den deutschen Mittelstand immer schwieriger wird, Fachkräfte und Nachwuchskräfte zu finden. Auf der anderen Seite strömen immer mehr arbeitswillige Menschen aus Kriegsgebieten nach Deutschland. Da liegt die Vermutung nahe, auch Flüchtlinge zur Deckung des Fachkräftemangels einzusetzen. Also hat das ifo Institut Ende Oktober 1.543 Betriebe aus dem Verarbeitenden Gewerbe, 787 Betriebe aus dem Baugewerbe und 818 Handelsunternehmen nach dem Potential zur Einstellung von Flüchtlingen sowie den größten Hindernissen befragt. Allerdings war die Umfrage nicht ganz repräsentativ: Da Kleinstunternehmen nur wenige bis gar keine Mitarbeiter einstellen, dominierten mittlere bis große Unternehmen die Stichprobe.

59 Prozent sehen Flüchtlinge als potentielle Arbeitskräfte

Das Ergebnis war eindeutig: Im Durchschnitt sehen 59 Prozent der befragten Unternehmen großes Potential, Flüchtlinge im Betrieb einzusetzen, vor allem als ungelernte Hilfsarbeiter oder Auszubildende. Dabei ist die Bereitschaft in größeren Betrieben durchaus stärker ausgeprägt. Während die Kleinstbetriebe mit bis zu neun Beschäftigten das Potential nur bei 43 Prozent sehen, liegt der Wert bei Kleinunternehmen mit zehn bis 49 Mitarbeitern bereits bei 59 Prozent. Große Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten und Großunternehmen ab 250 Mitarbeitern sprechen sogar von einem Potential von 61, bzw. 62 Prozent. Auch wird insgesamt das Potential mit 61 Prozent eher im Westen als mit 48 Prozent im Osten gesehen.

63 Prozent im Baugewerbe sehen großes Potential in Flüchtlingen

Vergleicht man die drei Berufsfelder, so zeigt sich deutlich, dass das Baugewerbe das größte Interesse an ausländischen Arbeitskräften zeigt. 63 Prozent sehen ein großes Potential, während sich das verarbeitende Gewerbe mit 60 Prozent und der Handel mit nur 54 Prozent wesentlich verhaltender äußert. Dies macht sich auch bei der Potentialbeurteilung der Flüchtlinge als Fachkräfte bemerkbar. Während im Schnitt nur 22 Prozent ein Potential sehen, liegt der Wert im Baugewerbe im Westen sogar bei überdurchschnittlichen 26 Prozent, jedoch im Osten bei nur 18 Prozent. Auch sind die Betriebe im Baugewerbe am ehesten bereit, Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen. Während im Schnitt 37 Prozent junge Asylbewerber ausbilden würden, könnte sich das Baugewerbe im Westen sogar zu 47 Prozent und im Osten zu 28 Prozent die Ausbildung von Flüchtlingen vorstellen. Ungelernte Hilfsarbeiter würden eher im Verarbeitenden Gewerbe eingesetzt. So sehen im Schnitt 41 Prozent der Betriebe für ausländische Hilfsarbeiter ein großes Potential, im Baugewerbe allerdings nur 39 Prozent im Westen und 28 Prozent im Osten.

Sprachkenntnisse und Fachqualifikation sind größte Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen

Die größten Hindernisse sehen die Betriebe mit 92 Prozent vor allem in den fehlenden Sprachkenntnissen, mit 71 Prozent in unpassenden Qualitätsniveaus sowie zu 32 Prozent im Mindestlohn und 59 Prozent in allgemeinen arbeitsrechtlichen Vorgaben. Vor allem das Baugewerbe sieht mit 40 Prozent im Westen und 55 Prozent im Osten den Mindestlohn als sehr wichtige Hürde an.

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, lohnt sich also eine schnelle Integration der Flüchtlinge. Dabei sollte der Abbau von Sprachbarrieren und der Aufbau von Fachkenntnissen nachhaltig vorangetrieben werden. Wahrscheinlich muss auch das Thema Mindestlohn im Hinblick auf die Einstellung von Flüchtlingen erneut diskutiert werden.