Baugewerbe sorgt für Hochkonjunktur im Handwerk

News , 03.03.2016 , Frank Kessler Bild zu: Baugewerbe sorgt für Hochkonjunktur im Handwerk
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Immer mehr Handwerksbetriebe sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage mehr als zufrieden, das ergab eine aktuelle Umfrage. Dabei fällt auf, dass besonders das Bauhandwerk für positive Ergebnisse sorgt. Bedingt durch günstige Zinsen und den anhaltenden Wunsch nach „Betongold“ wachsen Ertrag und Gewinn. Viele Handwerksbetriebe planen daher, ihr Personal aufzustocken und Investitionen zu tätigen.

Die Konjunktur im Handwerk läuft ungebremst, das ergab eine Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung unter 1.272 Handwerksbetrieben. Als wesentlicher Konjunkturtreiber hat sich dabei das Bauhandwerk erwiesen. Demnach bewerten rund 66,0 Prozent der befragten Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage als „sehr gut“, beziehungsweise „gut“. Überdurchschnittlich viele Betriebe sind dabei dem Ausbau- und Bauhauptgewerbe zuzuordnen. Die kontinuierliche Niedrigzinsphase und die anhaltende „Flucht“ der Deutschen in Immobilien und Sachwerte gelten als wesentlicher Ausschlaggeber für die Hochkonjunktur im Handwerk.

Gewinne im Bauhandwerk steigen

Bedingt durch die kräftige Binnennachfrage entwickelten sich die Umsätze entsprechend positiv. 29,6 Prozent der befragten Betriebe erzielten demnach ein Umsatzplus, was einem leichten Anstieg um 0,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wesentlich deutlicher ist die Zahl der Betriebe gesunken, die einen Umsatzrückgang vermuten. Statt 16,1 Prozent rechnen nur noch 12,7 Prozent der Betriebe mit weniger Umsatz. Auch hier spielt das Baugewerbe eine entscheidende Rolle, denn in den übrigen Handwerksbereichen sind die Bewertungen nicht so positiv.

Viele Handwerksbetriebe wollen Personal aufstocken

Die Hochkonjunktur spiegelt sich damit auch beim Beschäftigungsaufbau wider: Mit 23,7 Prozent hat fast ein Viertel der befragten Betriebe im Winterhalbjahr ihren Personalbestand erhöht. Im Vorjahr waren es noch 23,1 Prozent. Mit einem Rückgang von 0,8 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreswert haben 13,2 Prozent Stellen abgebaut.

Hochkonjunktur wird auch 2016 anhalten

Für 2016 erwartet das Handwerk eine Fortsetzung der konjunkturellen Entwicklung. Zumindest bis zum kommenden Herbst rechnen 32,4 Prozent der befragten Handwerksbetriebe mit steigenden Umsätzen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 0,6 Prozentpunkten. Lediglich 8,8 Prozent befürchten ein Umsatzminus. Im Vorjahr waren es noch 9,3 Prozent. Offenbar hat der Fachkräftemangel und die erneut gestiegenen Strompreise die Stimmung der Betriebe nicht getrübt. Dies gilt auch für die Ertragslage, für die 28,8 Prozent einen weiteren Anstieg erwarten. Zwar lag dieser Wert im Vorjahr noch bei 29,0 Prozent, doch sind im gleichen Zeitraum die Erwartungen auf Ertragseinbußen von 12,4 auf 9,8 Prozent gesunken.

Viele Handwerksbetriebe planen Investitionen

Diese guten Aussichten sorgen auch für Kapazitätserweiterungen. 20,5 Prozent der Betriebe möchte die Belegschaft weiter aufstocken, während nur 4,6 Prozent einen Abbau planen. Auch die Investitionsbereitschaft, vor allem für Erweiterungsinvestitionen stieg auf einen neuen Rekordwert von 58,8 Prozent. Auch hier sticht das Bauhauptgewerbe hervor und zeigt eine überdurchschnittlich angestiegene Investitionsbereitschaft um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Außerdem sucht mit 24,3 Prozent immer noch knapp ein Viertel der Befragten neues Personal. Im Vorjahr waren es noch 19,0 Prozent.

Im Schnitt 85.000 Euro Eigenkapital

Entspannt zeigt sich auch die Liquiditätslage im Handwerk, da deutlich weniger Betriebe Forderungen abschreiben mussten. Fast 90 Prozent der befragten Betriebe gaben an, spätestens nach 30 Tagen einen Zahlungseingang von gewerblichen und privaten Kunden verzeichnen zu können. Auch die Eigenkapitalquoten sind angestiegen, so dass ein deutscher Handwerksbetrieb im Schnitt über 85.000 Euro Eigenkapital verfügt. Zwar ist die Zahl der Insolvenzen im Handwerk um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, doch noch immer liegt im Baugewerbe die Insolvenzquote höher als in anderen Bereichen.