Baugewerbe startet digital durch - neue Studie zur Digitalisierung

News , 28.02.2019 , Frank Kessler Baugewerbe startet digital durch - neue Studie zur Digitalisierung
Foto: Roland Riethmüller

Die Digitalisierung beeinflusst mittlerweile unterschiedlichste Bereiche im Handwerk und Baugewerbe. Sie verändert dort Arbeitsprozesse und Geschäftsmodelle - und das teilweise deutlich. So bieten schon heute etwa Internetplattformen für den Vertrieb handwerklicher Dienstleistungen neue Chancen, aber auch diverse Risiken für Handwerksbetriebe. Das sind nur einige Ergebnisse einer aktuellen Metastudie über Veränderungen durch digitale Prozesse im Bauhauptgewerbe.

Im Baugewerbe werden heute bereits eine ganze Reihe an Arbeiten digital unterstützt, heißt es in der aktuellen Metastudie "Das Handwerk wird digital" von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Autoren Wolfgang Dürig und Jörg Weingarten nahmen für ihre Metastudie diverse Studien zum Thema Digitalisierung genauer unter die Lupe und haben Expertengespräche durchgeführt. So unterstützen beispielsweise Visualisierungstools das Planen und Entwerfen auszuführender Handwerksarbeiten. Bauentwürfe und technische Zeichnungen werden mithilfe von Building Information Modeling (BIM) umgesetzt. In der Auftragsabwicklung gibt es digitale Baustellen-Akten, für konkrete Bauarbeiten beispielsweise CNC-Sägen und für die betriebliche Ressourcensteuerung neue mobile Möglichkeiten der Kommunikation.

Die Digitalisierung berührt viele Bereiche im Handwerk

Die Digitalisierung kann Arbeitsprozesse vieler Bereiche für Handwerksbetriebe unterstützen. Die Bandbreite reicht von der Akquise über Personalmanagement, Kundenservice und Produktion bis zur kompletten Unternehmenssteuerung. Der Grad der Digitalisierung ist in den verschiedenen Aufgabenbereichen von Handwerksbetrieben aber sehr unterschiedlich. Während EDV-Programme in Bereichen wie Finanzierung und Controlling vielfach eingesetzt werden, wird die Unternehmensführung und -steuerung bisher nur in Ausnahmefällen digital unterstützt. Bei der Digitalisierung im Personalmanagement und bei Vertrieb und Kundenbetreuung herrscht laut Studie ebenfalls Nachholbedarf. Allerdings sind laut Angaben der Studienautoren nicht alle "propagierten digitalen Möglichkeiten" für alle Handwerksbetriebe geeignet.

Auftragsplattformen bergen Chancen und Risiken

Ein Thema der Metastudie waren auch Internetplattformen, die beispielsweise zur Auftragsakquise dienen. Als Vorteile der Onlineplattformen nennen die Autoren einen vergrößerten Absatzradius sowie eine bessere Chance, Kooperationspartner zu finden. Auf der anderen Seite können sie den Wettbewerbsdruck für Betriebe immens erhöhen. Auch kann darüber hinaus eine Digital-Plattform ihren direkten Kontakt zum Kunden schwächen. Problematisch ist das, weil das traditionelle Handwerksgeschäft "vielfach auf dem persönlichen Kontakt, auf Vertrauen und direkter intensiver Beratung" beruht, urteilen die Studienautoren.

Thematisiert wurden in der Metastudie nicht zuletzt auch die Hürden für die Digitalisierung. Jeweils 50 Prozent der in der Metastudie berücksichtigten Studien sahen den Investitionsbedarf und mögliche IT-Sicherheitsrisiken als Digitalisierungshemmnisse für mittelständische Betriebe. 44,7 Prozent nannten mangelndes Know-how, 28,9 Prozent fehlende Standards und Schnittstellen und 26,3 Prozent Probleme mit der Breitbandverfügbarkeit.

Viele Pauschalangaben zur Digitalisierung sind irreführend

Generell halten die Studienautoren pauschale Bewertungen zur Digitalisierung im Handwerk in vielen Bereichen für irreführend. Oft ist es aus ihrer Sicht passender, die Auswirkungen auf der Ebene einzelner Handwerksgruppen und spezifischer Tätigkeiten (Task-Ansatz) im Handwerk zu analysieren.

Weitere Informationen:
kostenloser Download der Metastudie "Das Handwerk wird digital" von der Friedrich-Ebert-Stiftung