Baugewerbe unter Druck - endlich Entlastung schaffen

News , 25.09.2018 , Roland Riethmüller Bild zu: Baugewerbe unter Druck - endlich Entlastung schaffen
Foto: Roland Riethmüller

Trotz der florierenden Baukonjunktur stehen vor allem kleine und mittlere Baubetriebe aktuell ziemlich unter Druck. So sind es einige Rahmenbedingungen, die das Baugewerbe zunehmend belasten. Kammern und Verbände machen sich aktuell stark, die Bedingungen für die Betriebe zu verbessern. Doch solange die Politik die Bedeutung nicht erkannt hat, wird es schwierig, bessere Voraussetzungen für das Baugewerbe zu schaffen.

Auch wenn man es aktuell kaum glauben kann: Nicht überall am Bau herrscht Zufriedenheit. Denn allen Berichte über die boomende Baukonjunktur zu trotz, gerade Kleinstbetriebe und das mittelständische Baugewerbe werden durch diverse Rahmenbedingungen belastet und stehen unter immensem Druck. Dies bestätigten kürzlich Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE) und dem Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen nach einem gemeinsamen Gespräch in Kassel.

Schwarzarbeit effizienter bekämpfen

Übereinstimmend sprachen sich die Vertreter für eine Entlastung und Verbesserung bürokratischer Anforderungen sowie einer Intensivierung der Maßnahmen im Kampf gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung aus. Dazu muss auf der einen Seite die Attraktivität von Schwarzarbeit sinken und auf der anderen Seite das rechtskonforme Verhalten gefördert werden. "Die Kontrollen der Kreise und kreisfreien Städte und die letztlich verhängten Bußgelder haben eine zu geringe abschreckende Wirkung", erklärt ARGE-Präsident Heinrich Gringel enttäuscht.

Bei BIM dürfen kleinere Betriebe nicht die Verlierer sein

Auch wenn die Digitalisierung von vielen im Baugewerbe eher als Chance denn als Risiko gesehen wird, so wächst der Druck bei den baugewerblichen Handwerksbetrieben. Denn eine Beteiligung beim digitalen Planen und Bauen mit Building Information Modeling (BIM) setzt voraus, dass gerade für die kleinen und mittleren Betriebe offene und preisgünstige Schnittstellen geschaffen werden. "Unsere Betriebe dürfen nicht in die Rolle des Subunternehmers von Generalüber- und unternehmern verdrängt werden" warnt Verbandspräsident Frank Dittmar.

Anhaltende Probleme mit Entsorgung von Erdaushub

Durchaus kurzsichtig wird auch immer noch der Mangel an Deponien zur Entsorgung von Erdaushub in Hessen und dem Rhein-Main-Gebiet behandelt. So hat die Politik immer noch nicht verstanden, dass dieser Engpass Bauvorhaben unnötig verteuert und zu überflüssigen Belastungen der Umwelt führt, wenn Erdaushub und Bauschutt über viele hundert Kilometer auf weit entfernte Deponien in die Niederlanden gebracht werden muss. Obwohl diese dramatische Entwicklung oft genug thematisiert wurde, werden jedoch keine oder zu wenige Endlagerstätten für Erdaushub bereitgestellt. "Die Politik klagt über steigende Baukosten, ist aber an dieser Stelle selbst Kostentreiber", klagt Präsident Dittmar.

Hessen braucht eine Niederlassung der neuen Infrastrukturgesellschaft

Auch die geplante Umstrukturierung der Bundesfernstraßenverwaltung wird vom Baugewerbe bemängelt. Schließlich sei gerade Hessen als internationales Verkehrsdrehkreuz mit einer hohen Dichte an Autobahnen und einer Vielzahl an Ausbauprojekten besonders betroffen. Da sei es “ein Unding”, dass nicht einmal eine Niederlassung der neuen Infrastrukturgesellschaft vor Ort geplant sein. "Die Betriebe brauchen unbedingt einen Ansprechpartner vor Ort, mit regionaler Kenntnis und Kompetenz bei den ohnehin schon zu aufwendigen und komplexen Planfeststellungsverfahren", urteilt Kammerpräsident Gringel. Diese Nähe sei jedoch auch der Landespolitik von hoher Bedeutung.

Überhaupt brauche das Bauen in Hessen wieder mehr Gewicht. So fordert das Baugewerbe die Einrichtung eines eigenständigen Ministeriums für Planen und Bauen, Stadtentwicklung und Infrastruktur. "Die derzeitige Verteilung der Zuständigkeiten auf verschiedene Abteilungen und Referate in mehreren Ministerien wird der zentralen und wachsenden Bedeutung der Wohnungsbaupolitik in Hessen nicht gerecht.“