Baukonjunktur 2010 - erste Wege aus der Krise

News | Roland Riethmüller | 28.06.2010
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Die Krise ist sicher noch nicht ganz überstanden: Nach einem schwachen Jahr 2009 mit gesunkenem Zementverbrauch als Indikator für die Baubranche, erwarten die Bauwirtschaftlichen Verbände in Deutschland jedoch für 2010 schon stabile Umsatzzahlen im Bauhauptgewerbe und sehen in 2011 nur aufgrund sinkender Subventionen und Konjunkturmaßnahmen noch einen weiteren Rückgang. Ähnliche Aussichten geben auch die Baustoff- und Bauzulieferindustrien bekannt. Doch während dort der Neubaubereich noch aussichtsschwach erscheint, liegen große Erwartungen im Bereich Sanierung, Renovierung und Ausbau. Hier wird bereits im zweiten Halbjahr mit einem Anstieg gerechnet.

Der Zementverbrauch wird oft als Indikator für die Baukonjunktur gesehen. Auch wenn der Einsatz des Baustoffs Zement mit 25,4 Mio. Tonnen im Vergleich zu 27,6 Mio. Tonnen insgesamt rückläufig ist, so ist die Verteilung gleich geblieben: 54,8% werden zur Herstellung von Ortbeton, also als Transportbeton und Baustellenbeton verwendet. Mit 31,6% wurden Betonfertigteile produziert und 5,2% zur Herstellung von bauchemischen Produkten, sowie Putz, Mörtel und Estrich eingesetzt. Der Rest in Höhe von 8,4% entfallen auf verschiene Einsatzzwecke wie z.B. Bodenverfestigung, Spritzbeton oder sonstige Bergbauprodukte. Der deutsche Zementverbrauch verteilte sich mit 22,5% (5,7 Mio. Tonnen) auf den Wohnungsbau, 39,3% (9,9 Mio. Tonnen) Nicht-Wohnungsbau im Hochbau und 38,2% (9,7 Mio. Tonnen) auf den Tiefbau. Das Verhältnis von Hoch- zu Tiefbau lag bei 61,8% und 38,2%, im Vergleich zu 64,6% und 35,4% in 2008.

Die Auswirkungen der globalen Finanzkrise ziehen sich momentan durch den gesamten Baubereich. So ist auch die Baustoff- und Bauzulieferindustrie von der Krise nicht verschont geblieben. In einer Umfrage der Roland Berger Strategy Consultants bemerken 88% der Befragten negative Auswirkungen und sogar 69% spürbare Einbußen im eigenen Unternehmen. Gleichzeitig sehen 50% der Befragten das Erreichen der Talsohle Mitte des Jahres. Eine Erholung wird jedoch dabei von 64% erst 2011 oder später erwartet und rund 90% sehen sogar für mindestens die nächsten zwei Jahre weitere Auswirkungen durch die Krise. Vor einem Jahr hatten 10% weniger diese Erwartungen. Doch während Unternehmen mit dem Schwerpunkt Neubau eher vorsichtlich in die Zukunft schauen und zu 77% erst ab 2011 mit einer Erholung rechnen, sehen die Unternehmen im Bereich Sanierung, Renovierung und Ausbau zu 57% bereits ab Mitte diesen Jahres einen Anstieg der Wirtschaft.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes stellte vergangene Woche eine im Prinzip ähnliche Prognose auf: In den vergangen Monaten lähmte der lange und harte Winter die Bauwirtschaft. Doch während die Umsätze in den ersten drei Monaten noch deutlich unter den Vorjahreswerten lagen, liegen die Auftragseingänge erfreulicherweise im ersten Quartal sogar um 9,4% über denen des Vorjahres. Insgesamt werden damit für 2010 stabile Umsätze, für 2011 jedoch aufgrund wegfallender Subventionen und Konjunkturmaßnahmen weitere Umsatzeinbrüche erwartet. Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, der Präsitent des ZDBs, sieht für 2011 dann einen gesamten Umsatzrückgang um 2% von 81,6 Mrd. auf 80 Mrd. Euro. Gleichzeitig ist auch mit einem Rückgang der Beschäftigungzahlen um rund 10.000 auf 690.000 Beschäftigte zu rechnen.

Für die einzelnen Bausparten bedeutet dies eine leichte Steigerung im Wohnungsbau (2010: +0,5%, 2011: +2%), ein Rückgang im Wirtschaftsbau (-8,3% in 2010 und 2011) und aufgrund der Auswirkungen aus den konjunkturfördernden Maßnahmen in 2010 erstmal eine Steigerung im Öffentlichen Bau von plus 6,8%. Erst in 2011 kehrt sich dies aufgrund des Wegfalls des Konjunkturpakets auf einen Rückgang von minus 7,4% um.
Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsitent des ZDBs, verweist vor allem den positiven Trend der  Baugenehmigungen und der daraus resultierenden Auftragseingänge im Wohnungsbau hin. Trotz aller Sparzwänge fordert er eine Verbesserung der Rahmenbedingungen und sieht dort vor allem Handlungsbedarf, die degressive Abschreibung wieder einzuführen, die CO2-Gebäudesanierungsprogramme und Maßnahmen zum Bestandsschutz zu intensivieren. Auch eine Einführung einer Klimaschutzabschreibung analog der Denkmalschutzabschreibung würde die energetische Sanierung fördern und CO2 reduzieren.

Doch auch wenn keine politische Hilfe kommt, sind die Aussichten nicht schlecht: Der steigende Zuwachs von Ansiedlungen in Ballungsgebieten und die anhaltende Notwendigkeit zur Bestandsanierung lassen hoffen. Auch Umbauten von Wohnraum infolge des Trends zu altersgerechtem Wohnen halten aufgrund des demographischen Wandels in der Gesellschaft weiter an. Meistertipp wird in den kommenden Wochen mit Experten sprechen, um Vorschläge und Tipps zur kreativen Auftragsakquise zu bieten.

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