Die Baukonjunktur sendet erstmals seit Jahren wieder positive Signale: Für die Jahre 2025 und 2026 erwartet die Bauwirtschaft reales Wachstum, steigende Auftragseingänge und eine stabilere Geschäftslage. Getragen wird die Erholung vor allem vom Tiefbau und von öffentlichen Investitionen. Doch auch im Wohnungsbau ist erstmal eine positive Bewegung erkennbar. Damit sieht das Baugewerbe die Talsohle durchschritten, warnt jedoch im gleichen Zug vor falscher Sicherheit.
Nach mehreren schwierigen Jahren zeichnet sich für die Bauwirtschaft eine vorsichtige Trendwende ab. Die aktuellen Baukonjunkturzahlen für das laufende Jahr 2025 und der Ausblick auf das Jahr 2026 deuten erstmals wieder auf reales Wachstum, steigende Auftragseingänge und eine stabilisierende Geschäftslage hin. Getragen wird diese Entwicklung vor allem vom Tiefbau und von öffentlichen Investitionen, während sich im Hoch- und Wohnungsbau erste, noch fragile Erholungstendenzen zeigen. So rechnet der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) für dieses Jahr mit einem Branchenumsatz von 168 Milliarden Euro, was einem realen Plus von 0,6 Prozent entspricht. Für nächstes Jahr wird ein weiterer Anstieg auf 178 Milliarden Euro prognostiziert, real um 2,5 Prozent. „Nach Jahren rückläufiger Zahlen kehrt in der Bauwirtschaft erstmals wieder Zuversicht zurück“, bringt ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab die neue Stimmungslage auf den Punkt. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die jüngste Stabilisierung auf einem deutlich niedrigeren Niveau stattfindet als noch vor wenigen Jahren.
Baukonjunktur 2025: Auftragseingänge und Stimmungslage stabilisieren sich
Ein zentraler Treiber der positiven Entwicklung sind die Auftragseingänge. Bis Ende des dritten Quartals 2025 legten diese sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau nominal um gut zehn Prozent zu, real um nahezu acht Prozent. Besonders große Projekte im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau sorgten für Impulse. Eine Branchenumfrage unter 1.500 Betrieben bestätigt diesen Trend: Rund 56 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Damit ist der Abwärtstrend der vergangenen Jahre vorerst gestoppt. „Die Bauwirtschaft hat die Talsohle durchschritten“, ist sich Schubert-Raab sicher. „Besonders die Infrastrukturinvestitionen können unseren Betrieben wieder eine Perspektive geben.“ Zugleich verweist er auf den realen Einbruch von 17 Prozent zwischen den Jahren 2021 und 2024, der weiterhin nachwirkt.
Wohnungsbau: Erste Bewegung nach langem Stillstand
Auch im Wohnungsbau zeigen sich erstmals wieder Lebenszeichen. Nach drei Jahren Investitionszurückhaltung werden Projekte reaktiviert, auch weil sich Marktteilnehmer an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst haben. Dennoch bleibt das Niveau niedrig. Für das Jahr 2025 wird ein Umsatz von rund 54 Milliarden Euro erwartet, real ein Minus von vier Prozent. Erst im Jahr 2026 könnte wieder leichtes reales Wachstum einsetzen. Ein zentrales Problem bleibt der massive Rückgang bei den Baugenehmigungen. „Investoren scheinen die veränderten Rahmenbedingungen zu akzeptieren – doch für eine echte Wende fehlen uns jährlich mehr als 100.000 Baugenehmigungen“, warnt Schubert-Raab.
Tiefbau und öffentliche Investitionen als Konjunkturanker
Stabilitätsanker der Branche bleibt laut dem ZDB der Tiefbau. Insbesondere Investitionen in Schiene, Energie- und Wärmenetze sowie Großprojekte sorgen für Auslastung. Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) entfaltet dabei spürbare Wirkung. Allein die Bahn erhält in den Jahren 2025 und 2026 jeweils rund 22 Milliarden Euro. Im öffentlichen Bau insgesamt wird für dieses Jahr ein Umsatz von rund 49 Milliarden Euro erwartet. Gleichzeitig warnt der ZDB-Präsident mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen. „Jetzt zählt Konsequenz. Bauen statt Bremsen!“, so Schubert-Raab. Nur mit verlässlichen Investitionen, weniger Bürokratie und klaren Förderbedingungen könne sich die zarte Erholung der Baukonjunktur langfristig verfestigen.

















