Die Sorgen vor einer Eintrübung der Baukonjunktur wachsen. Hohe Materialpreise, steigende Energiekosten und geopolitische Spannungen belasten die Bauwirtschaft in ganz Europa und erschweren die Planung vieler Bauprojekte. Dennoch zeigt eine aktuelle Analyse, dass die Branche bislang deutlich widerstandsfähiger bleibt als erwartet. Viele Auftragsbücher sind weiterhin gut gefüllt, Projekte werden häufiger verschoben als gestrichen, und bereits für das kommende Jahr rechnen Experten wieder mit einer spürbaren Belebung des Marktes.
Steigende Energiepreise, geopolitische Spannungen und anhaltende Unsicherheiten im Welthandel sorgen in Europa für wachsenden Druck auf die Bauwirtschaft. Dennoch zeigt sich der europäische Bausektor bislang widerstandsfähiger als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Eine aktuelle Analyse des Europäischen Architekturbarometers (EAB) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Stimmung zwar eingetrübt hat, die Auftragslage vieler Unternehmen jedoch weiterhin stabil bleibt. Projekte werden häufiger verschoben als gestrichen, während die Erwartungen für das Jahr 2027 bereits wieder deutlich optimistischer ausfallen. Die Untersuchung basiert auf Befragungen von Architekturbüros in mehreren europäischen Ländern. Demnach rechnen 71 Prozent der befragten Architekten damit, dass geopolitische Instabilität und steigende Energiekosten die Bautätigkeit in den kommenden zwölf Monaten negativ beeinflussen werden. Während 49 Prozent lediglich eine leichte Abschwächung erwarten, gehen weitere 22 Prozent von einem stärkeren Rückgang aus. Gleichzeitig bleiben die Auftragsbücher vieler Marktteilnehmer überraschend gut gefüllt. Auch die Zahl abgesagter Projekte ist bislang nicht deutlich gestiegen.
Materialpreise werden zur größten Herausforderung
Besonders deutlich spürbar sind die Auswirkungen geopolitischer Krisen bei den Baukosten. Nach den Ergebnissen der Studie sehen 70 Prozent der europäischen Architekten steigende Materialpreise als die wichtigste Folge der aktuellen Unsicherheiten. Damit entwickelt sich die Kosteninflation zum zentralen Risikofaktor für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Projektentwickler. Zusätzlich erschweren volatile Energiepreise, Lieferkettenprobleme und schwankende Logistikkosten die Kalkulation vieler Bauprojekte. Gerade im Wohnungsbau geraten Margen dadurch zunehmend unter Druck. Die Unsicherheit betrifft dabei nicht nur die tatsächlichen Kosten, sondern auch die Frage, wie belastbar Angebote und Budgets über längere Projektlaufzeiten hinweg bleiben.
Projekte werden verschoben statt gestrichen
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zeichnet die Studie kein Krisenszenario. Vielmehr zeigt sich, dass Investoren, öffentliche Auftraggeber und Projektentwickler Entscheidungen häufig vertagen, anstatt Vorhaben komplett aufzugeben. Das sorgt zwar für Verzögerungen, verhindert aber einen massiven Einbruch der Bautätigkeit. Stabilisierend wirken dabei mehrere langfristige Faktoren. Dazu zählen der anhaltende Wohnungsmangel in vielen europäischen Ländern, die hohe Nachfrage nach Sanierungen, Investitionen in die Infrastruktur sowie strengere Anforderungen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Diese Trends sorgen weiterhin für Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bauens.
Deutschland bleibt 2026 unter Druck
Für Deutschland prognostiziert das Architekturbarometer im Jahr 2026 einen leichten Rückgang der Bauproduktion um 0,9 Prozent. Andere europäische Märkte entwickeln sich dagegen etwas positiver. Spanien, die Niederlande und Großbritannien werden voraussichtlich moderat wachsen. Insgesamt rechnen die Analysten jedoch eher mit einer Phase der Stagnation als mit einem starken Abschwung.
Hoffnungsschimmer für 2027
Deutlich freundlicher fällt der Ausblick für das Jahr 2027 aus. Für alle acht untersuchten europäischen Märkte wird wieder Wachstum erwartet. Auch Deutschland soll dann wieder um rund ein Prozent zulegen. Hintergrund sind die weiterhin hohe Nachfrage nach Wohnraum, der wachsende Sanierungsbedarf und die Erwartung, dass aufgeschobene Investitionen nach einer Beruhigung der geopolitischen Lage schrittweise zurückkehren werden. Die zentrale Botschaft der Studie lautet daher: Die europäische Bauwirtschaft steht unter Druck, verfügt jedoch über deutlich mehr Widerstandskraft als in früheren Krisenzeiten.

















