Baukonjunktur deutlich besser als deutsche Gesamtkonjunktur

News , 09.01.2020 , Frank Kessler Baukonjunktur deutlich besser als deutsche Gesamtkonjunktur
Foto: Roland Riethmüller

Die Bauwirtschaft ist nach wie vor die Stütze der Konjunktur in Deutschland. Der wichtigste Bereich dabei ist nach wie vor der Wohnungsbau, der auch weiterhin floriert. Von den derzeit günstigen Rahmenbedingungen profitiert jedoch auch der Neubau. Und auch der Bereich Sanierung konnte zulegen. Die Kapazitäten der Bauwirtschaft sind weiterhin sehr hoch, was die gute Baukonjunktur noch begünstigt.

Das Bauvolumen der deutschen Bauwirtschaft ist im Jahr 2019 um 8,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Auch in diesem Jahr sowie im nächsten Jahr dürften die Umsätze im Baugewerbe und der angrenzenden Bereiche weiterhin um 6,5 Prozent beziehungsweise um rund sechs Prozent steigen. Das ergaben Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Dieses Wachstum schlägt sich auch in steigenden Preisen nieder. So wird mit einer Steigerung für dieses und das kommende Jahr mit jeweils rund drei Prozent gerechnet. "Dennoch wird auch das reale Bauvolumen mit 3,3 Prozent in diesem Jahr und 2,7 Prozent im kommenden deutlich dynamischer zulegen als das gesamtwirtschaftliche Wachstum", erwartet DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Dynamischer Wohnungsbau stützt die Baukonjunktur

Für die Bauwirtschaft ist vor allem der Wohnungsbau die entscheidende Stütze. Dabei profitieren der Neubau und die Sanierungen von den günstigen Rahmenbedingungen gleichermaßen. Denn dazu zählen die niedrigen Zinsen, der stabile Arbeitsmarkt und die politischen Maßnahmen wie das Baukindergeld oder Sonderabschreibungen. Insgesamt wird mit einer Steigerung des Wohnungsbauvolumens in diesem Jahr von rund acht Prozent gerechnet. Doch auch für das nächste Jahr wird ein weiteres Wachstum von rund sechs Prozent erwartet. Errechnet wurde ebenfalls, dass sich der Wohnungsneubau besser entwickelt als die Sanierung oder Modernisierung an Bestandsgebäuden.

Konjunkturelle Abschwächung im Wirtschaftsbau

Obwohl der öffentliche Bau nur ein Fünftel so groß ist wie der Wohnungsbau, hat dieser mit einer Steigerung von mehr als zehn Prozent ebenfalls die gute Baukonjunktur der Bauwirtschaft mit beeinflusst. Das soll auch in den nächsten Jahren so bleiben. Schwächer wird jedoch der Wirtschaftsbau. Zurückzuführen ist das auf die konjunkturelle Abschwächung. So wird nur noch mit einem Wachstum in diesem und im nächsten Jahr von jeweils rund vier Prozent gerechnet. Trotzdem ist die Kapazitätenauslastung bei der Bauwirtschaft weiterhin hoch, wenngleich sie sich im letzten Jahr bereits verringert hat. Die Unternehmen haben mehr Personal eingestellt und ihren Maschinenpark ausgebaut. Aufgrund der hohen Nachfrage wird sich der Preisauftrieb auch weiterhin fortsetzen, was der Baukonjunktur jedoch nicht schadet.

Nur langfristiges Investionsprogramm sichert die Bauwirtschaft

Um die Baukapazitäten und damit die Bautätigkeit nachhaltig zu stützen, empfiehlt das DIW statt kurzfristig ausgerichteter Investitionsmaßnahmen eher ein langfristig angelegtes Investitionsprogramm. “Kurzfristig angelegte Investitionsschübe verpuffen vor allem in steigenden Preisen für Bauleistungen”, warnt Martin Gornig, einer der Studienautoren. Zusammen mit Co-Autorin Laura Pagenhardt fordert er auch die Bekämpfung der Planungsengpässen in den kommunalen Bauämtern durch eine Vereinfachung der Verfahren die Vorhaltung der Planungskapazitäten in gemeinsamen Planungseinheiten.