Die Baukonjunktur in Deutschland gewinnt überraschend an Fahrt. Während sich die Stimmung in der Bauwirtschaft europaweit verbessert, setzt sich Deutschland an die Spitze der untersuchten Märkte. Vor allem Gewerbebau und Infrastruktur verzeichnen eine deutlich höhere Arbeitsauslastung. Auch die Aussichten für Gewinnmargen hellen sich auf. Doch Materialkosten und Fachkräftemangel könnten den Aufschwung bremsen und bleiben für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe die größten Herausforderungen.
Zwar bleiben nach wie vor Materialkosten und Fachkräftemangel große Belastungsfaktoren, doch hellt sich insgesamt die Stimmung in der Bauwirtschaft zunehmend auf. Besonders Deutschland entwickelt sich im europäischen Vergleich überdurchschnittlich und führt die untersuchten Märkte weiterhin an. Gleichzeitig steigt die Arbeitsauslastung im Wohnungsbau, Gewerbebau und in der Infrastruktur. Der aktuelle RICS Global Construction Monitor für das zweite Quartal 2026 liefert damit neue Hoffnung auf eine Erholung der Baukonjunktur. Demnach ist der weltweite Construction Sentiment Index (CSI) im zweiten Quartal 2026 von +8 auf +13 Punkte gestiegen. In Europa fällt die Verbesserung noch deutlicher aus: Hier erhöhte sich der Index von +7 auf +17 Punkte. Deutschland erreicht sogar einen Wert von +36 nach zuvor +27 und liegt damit knapp vor den Niederlanden mit +35. Auch andere europäische Märkte zeigen Erholungstendenzen. Italien schafft mit +10 Punkten die Rückkehr in den positiven Bereich, während Frankreich trotz einer Verbesserung auf -8 weiterhin Schlusslicht bleibt.
Bauwirtschaft in Deutschland legt zu
Besonders auffällig entwickelt sich die Arbeitsauslastung. Deutschland erreicht über alle Bereiche hinweg einen Nettosaldo von +33 Prozent und zählt damit gemeinsam mit den USA zu den stärkeren untersuchten Märkten. Lediglich Nigeria und Indien liegen mit jeweils +40 Prozent darüber.
Innerhalb Deutschlands zeigt sich die Verbesserung in sämtlichen betrachteten Bausegmenten. Im privaten Wohnungsbau steigt der Wert von +20 auf +22 Prozent. Wesentlich dynamischer entwickelt sich der private Gewerbebau mit einem Sprung von +13 auf +33 Prozent. Noch stärker fällt die Entwicklung in der Infrastruktur aus: Dort steigt der Nettosaldo von +29 auf +44 Prozent. Damit bleibt der Infrastrukturbau ein wesentlicher Treiber der Baukonjunktur.
Fachkräftemangel bremst die Erholung
Trotz der besseren Stimmung bleiben erhebliche Belastungen bestehen. In Deutschland nennen jeweils 56 Prozent der Befragten die Materialkosten und den Fachkräftemangel als wichtigste Einschränkungen für die Bautätigkeit. Europaweit hat sich die Personalfrage sogar deutlich verschärft. Der Anteil der Befragten, die einen Arbeitskräftemangel beklagen, ist von 28 auf 58 Prozent gestiegen. Beim Fachkräftemangel erhöhte sich der Wert von 52 auf 61 Prozent. Gleichzeitig verliert die fehlende Nachfrage als Hindernis an Bedeutung.
Baukonjunktur mit besseren Aussichten
Für die kommenden zwölf Monate verbessert sich der Ausblick ebenfalls. Europaweit steigen die Erwartungen für die Arbeitsauslastung im privaten Wohnungsbau von +14 auf +23 Prozent und im Gewerbebau von +18 auf +31 Prozent. Die Infrastruktur bleibt mit +33 Prozent auf hohem Niveau. Gleichzeitig drehen die Erwartungen an die Gewinnmargen von -19 auf +13 Prozent deutlich ins Plus. „In Europa bleibt Deutschland Spitzenreiter, aber auch Italien kehrt in den positiven Bereich zurück und Frankreich zeigt sich weniger negativ“, erklärt Susanne Eickermann-Riepe, Senior-Vizepräsident der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), dem weltweit führenden Berufsverband für Immobilien- und Baufachleute. Gleichzeitig verweist sie auf die anhaltenden Herausforderungen: „Die Materialkosten bleiben das am häufigsten genannte Problem, aber Arbeits- und Fachkräftemangel treten stärker in den Vordergrund.“ Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe deutet der Report damit auf bessere Marktchancen hin, allerdings bei weiterhin hohem Kosten- und Personalrisiko.

















