Baumschinen-Zustand über Öldiagnosen erkennen

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Zeppelin / CAT - Öltest

Oft können Maschinenschäden schon im Vorfeld durch eine Öldiagnose ähnlich einem Bluttest beim Menschen verhindert werden. Für jeden ist es normal, sein Blut beim Arzt untersuchen zu lassen. Denn nichts lässt einen besseren Befund über den Zustand des Menschens zu. So können Krankheiten früh erkannt und größere Schäden verhindert werden. Wie das Blut beim Menschen, hat das Öl bei der Baumaschine Zugang zu den „lebenswichtigen“ Stellen des Systems und seine Untersuchung offenbart den oft verborgenen Zustand der Maschine. Durch die Analyse können teure Schäden vorgebeugt und Ausfallzeiten vermieden werden.

Bereits vor 40 Jahren haben Caterpillar und Zeppelin begonnen, die zunächst in der Luftfahrt eingesetzte Öldiagnose auf Baumaschinen anzuwenden. Heute verfügt Zeppelin über ein eigenes, umfangreich ausgestattetes Labor, in dem speziell ausgebildete Chemiker rund 100 000 Öldiagnosen pro Jahr erstellen. Moderne Labortechnik, eine mächtige Datenbank und jahrzehntelange Erfahrung bilden die Grundlage für Analysen mit hoher Aussagekraft. „Es werden die unterschiedlichsten Ursachen für Auffälligkeiten im Öl aufgedeckt. Die daraus entstehenden Maßnahmen oder Hinweise, Maschinenausfälle zu vermeiden oder Schäden zu verhindern, fallen ebenso vielfältig aus“, informiert Winfried Wagner, Leiter Zentrale Öldiagnose (ZOD). Folgende Praxisbeispiele geben einen Einblick:

Beim Motoröl eines Radladers ist nach kurzer Öllaufzeit der Ölzustandswert (Oxidation) enorm angestiegen, was normalerweise auf einen Biodieselbetrieb schließen lässt. Nach Rücksprache mit der Niederlassung und dem Kunden, konnte dieser jedoch ausgeschlossen werden. Unterdessen stellte sich heraus, dass der Kunde zu seinem Bedauern ein falsches Öl aufgefüllt hatte. Daraufhin empfahl ihm die Niederlassung, das Motoröl zu wechseln sowie Öl und Filter nach Herstellervorgaben zu verwenden. In-zwischen verhält sich der Radlader im Analyseintervall der Zentralen Öldiagnose absolut unauffällig. Das entspricht einer Kostenersparnis im Normalfall von rund 700 Euro, bei Totalausfall sogar von 33 000 Euro.

Bei einem kompakten Radlader wurde bei der Ölanalyse des Hydrauliksystems ein hoher Kraftstoffgehalt von zehn Prozent nachgewiesen. Wenn das Öl mit Kraftstoff verdünnt ist, sind die Schmiereigenschaften nicht mehr gewährleistet, zudem sinkt der Flammpunkt dieses Ölkraftstoffgemisches. Es stellte sich heraus, dass der Bediener den Kraftstofftank mit dem Hydrauliköltank verwechselt hatte. Nach einem Ölwechsel und dem Spülen der Anlage fährt der Radlader nun wieder einwandfrei und ein Schaden blieb aus.

Bei einem Mobilbagger mit Bioöl im Hydrauliksystem wurde ein zu hoher Mineralölgehalt in der Bioölfüllung nachgewiesen. Der Fahrer hatte aus Unwissenheit zum Nachfüllen ein Mineralöl verwendet. Eine Vermischung von Bio- und Mineralöl kann zum Aufschäumen des Öles führen, als Folge können Kavitationsschäden in den Hydraulikpumpen entstehen. Zeppelin wechselte daraufhin das Öl aus, ein eventueller Schaden in der Hydraulik wurde somit verhindert.

Dies sind nur einige Beispiele, die Bandbreite ist riesig und beinhaltet zum Beispiel auch Ölproben von Schiffmotoren und anderen Maschinen. Die Öldiagnose ist dabei Teil einer umfassenden Zeppelin Serviceleistung. Jeden Morgen kommen die Ölproben, die über Nacht verschickt werden, aus ganz Deutschland und Österreich im Labor in Garching bei München an. Die Proben werden nach Baugruppen sortiert und für die Analyse vorbereitet. Zuerst wird der Wasser- und Kraftstoffgehalt geprüft. Haben die Ölproben keine auffälligen Werte, kommen sie zu den jeweiligen Analysegeräten. Dort werden unter anderem die Abriebselemente, die Ölzustandswerte, die Ölreinheit, der Ferromagnetische Index und die Viskosität gemessen. Mitunter sind bis zu zehn verschiedene Einzeluntersuchungen pro Ölprobe notwendig. Bei Bedarf wird eine mögliche Vermischung der Ölprobe mit Frostschutzmittel nachgewiesen, was auf ein eventuelles Leck im Kühlsystem hindeutet. Gemessen und ausgewertet werden die eingeschickten Ölproben innerhalb von 24 Stunden. Dann weiß der Kunde bereits, wie es um seine Maschinen bestellt ist. Der Laborbericht wird auf Wunsch noch am Tag der Auswertung per E-Mail versendet. Werden bei der Analyse gravierende Unregelmäßigkeiten festgestellt, wird sofort die zuständige Zeppelin Niederlassung benachrichtigt, die dann weitere Maßnahmen mit dem Kunden vereinbart.

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