Nach Ansicht führender Bauforschungsinstitute treiben Baunormen die Baukosten immer weiter nach oben und bremsen damit den Wohnungsbau in Deutschland massiv aus. Deshalb wird zunehmend eine grundlegende Reform der Baunormung gefordert. Mit einfacheren und praxistauglicheren Standards könnten Bauunternehmen und Handwerksbetriebe deutlich günstiger bauen und nach Einschätzung der Experten sogar bis zu ein Drittel mehr Wohnungen realisieren. Gleichzeitig sollen Planungsaufwand und Haftungsrisiken sinken.
Der Wohnungsbau in Deutschland könnte deutlich schneller und günstiger vorankommen. Doch dies wird nach Einschätzung führender Bauforschungsinstitute durch ausufernde Baunormen verhindert. Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) und das Institut für Bauforschung (IFB) sehen in der zunehmenden Regulierung einen wesentlichen Grund für hohe Baukosten, sinkende Neubauzahlen und die anhaltende Wohnungsbaukrise. Nach ihrer Analyse könnten mit einfacheren und praxistauglicheren Standards bis zu ein Drittel mehr Wohnungen entstehen. Daher wollen die Institute nun mit einem sogenannten „Normen-Notruf“ eine grundlegende Reform der Baunormung anstoßen. Nach ihrer Auffassung sind viele technische Vorgaben inzwischen so komplex geworden, dass sie wirtschaftliches Bauen erschweren und Projekte verteuern. Gleichzeitig würden zahlreiche Normen über gesetzliche Regelungen faktisch verpflichtend, obwohl sie ursprünglich lediglich als technische Empfehlungen gedacht waren. Für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Projektentwickler bedeute dies steigende Planungs- und Ausführungskosten sowie ein wachsendes Haftungsrisiko.
Baunormen treiben die Kosten in die Höhe
Nach Berechnungen der Institute sind die Kosten für den Neubau von Wohnungen seit dem Jahr 2000 bundesweit um rund 245 Prozent gestiegen. Rund ein Fünftel dieses Anstiegs führen die Forscher auf immer höhere Normenstandards zurück. Allein dadurch seien Mehrkosten von rund 600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche entstanden. Würden unnötige Vorgaben reduziert, könnten sich die Gesamtkosten nach Einschätzung der Experten sogar um etwa 1.000 Euro pro Quadratmeter senken lassen. „Die Situation ist längst eskaliert“, warnt ARGE-Institutsleiter Dietmar Walberg vor Überregulierung. „Der Normen-Frust in der Bauwirtschaft ist enorm. Die Fülle an Vorschriften ist aus dem Ruder gelaufen.“ Wer mehr Wohnungen bauen wolle, müsse die Normen dringend entschlacken und wieder zu einem Instrument machen, das Baukosten senke. Dafür brauche Deutschland nach Ansicht von Walberg eine schnelle und mit Verstand umgesetzte Radikalkur bei den Normen.
Komplexität im Wohnungsbau führt nicht automatisch zu besserer Qualität
Als Beispiel nennen die Institute die Schallschutzvorschriften. Seit dem Jahr 2015 hätten sich Aufwand und Kosten für die erforderlichen Nachweise verdreifacht. Selbst geringfügige Abweichungen könnten inzwischen erhebliche Mehrkosten verursachen oder dazu führen, dass geplante Bauteile, wie etwa Balkone, gar nicht mehr realisiert werden. Auch bei der Energieeffizienz sehen die Forscher eine Entwicklung hin zu technisch immer aufwendigeren Gebäuden, ohne dass dadurch zwangsläufig langlebigere oder schadensfreiere Bauwerke entstehen. Nach Ansicht des IFB nimmt die Zahl kostspieliger Bauschäden trotz steigender technischer Anforderungen sogar zu. Ursache sei vor allem die wachsende Komplexität moderner Gebäude, die Planung, Ausführung und Wartung erheblich erschwere.
Gebäudetyp E soll einfaches Bauen ermöglichen
Als Ausweg schlagen die Institute einen flächendeckenden Basisstandard nach dem Prinzip des Gebäudetyps E vor. Ziel sei ein robuster, funktionaler und wirtschaftlicher Wohnungsbau mit weniger technischer Überfrachtung. Zusätzliche Ausstattungsmerkmale sollen weiterhin möglich sein, jedoch nur auf ausdrücklichen Wunsch des Bauherrn. Zudem fordern die Experten ein eigenes Gebäudetyp-E-Gesetz, das Bauunternehmen und Projektentwicklern mehr Rechtssicherheit bietet. Solange vereinfachte Bauweisen rechtliche Risiken bergen, werde das Potenzial kostengünstiger Baukonzepte nach Einschätzung der Bauforscher nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig sprechen sich ARGE und IFB dafür aus, die Auswirkungen neuer DIN-Normen künftig vor ihrer Einführung unabhängig auf Baukosten und Praxistauglichkeit prüfen zu lassen.


















Baukosten senken – Potenziale nutzen: ein Drittel Einsparung möglich
Die Initiative kostenreduziertes Bauen (Hamburg) hat in den drei Handlungsfeldern; Kostenreduzierende Baustandards, Optimierte Planung und Prozesse sowie Beschleunigte Verfahren Kosteneinsparpotenziale ermittelt, die es ermöglichen, Baukosten um bis zu 2.000 Euro brutto pro m² Wohnfläche zu senken.
https://www.bezahlbarbauen.hamburg/baukosten-senken-potenziale-nutzen-ein-drittel-einsparung-moeglich-1016028
Aber die Verbesserung bzw. Veränderung der Prozesse im Bauwesen wird schon seit Jahren eingefordert.
Geringe operative Leistungsfähigkeit und Produktivität. (McKinsey)
https://www.mckinsey.de/news/presse/infrastruktur-und-wohnen-deutsche-ausbauziele-in-gefahr
Geringer Wertschöpfungsgrad von ca.30% (Roland Berger)
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Exorbitante Fehlerquote (BauInfoConsult),
https://bauinfoconsult.de/presse-fehlerkosten-am-bau-in-2021-mit-rund-165-milliarden-immer-noch-zu-hoch/
also verbauter Schaden der wieder korrigiert werden muss.
(2020 ca.18,0 Milliarden Euro, 2021 ca.16,5 Milliarden Euro und 2022 ca.13,0 Milliarden Euro),