Baustoff-Fachhandel leidet unter Bau-Pleiten

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Foto: Roland Riethmüller

Der Baustoff-Fachhandel wird sich wohl in Zukunft weniger kulant zeigen und auf Teilzahlungsvereinbarungen und Zahlungsaufschübe verzichten. Zu groß ist die Gefahr, von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit Kenntnis zu erhalten und dadurch im Anschluss bei Bau-Pleiten großer Bauunternehmer und Handwerksbetriebe leer auszugehen. Denn laut dem neuen Insolvenzrecht können Insolvenzverwalter unter bestimmten Umständen sogar Geschäfte der letzten zehn Jahre anfechten und bereits gezahlte Gelder zurückfordern.

Früher hat der Baustoff-Fachhandel bei einem kleineren Liquiditäts-Engpass seiner Kunden gerne mal einen Zahlungsaufschub gewährt oder ist eine Teilzahlungsvereinbarung eingegangen. Doch durch das neue Insolvenzrecht wird im Falle von Bau-Pleiten damit Wissen und Vorsatz unterstellt. „Der Insolvenzverwalter, der einen später insolvent werdenden Kunden betreut, wertet die gezeigte Kulanz als Indiz dafür, dass der Fachhändler von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit gewusst habe. Und dann hält der Konkursverwalter die Hand auf, um Geld zurückzufordern“, weiß Prof. Dr. Rödl von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Damit muss der Baustoff-Fachhändler bei Bau-Pleiten nicht nur Gelder durch Zahlungsausfall abschreiben. Dass der Insolvenzverwalter nun auch Beträge zurückverlangen kann, die der Kunde Jahre vor der Insolvenz geleistet hat, trifft den Baustoff-Fachhandel besonders hart. „Für die Baustoff-Branche ist diese Entwicklung fatal“, warnt Stefan Thurn, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB). Laut einer Studie vom Verband der Insolvenzverwalter (VID) kommt es bei jeder achten Insolvenz zur Anfechtung und Rückzahlung von durchschnittlich 38.700 Euro.

Auch wenn im Vergleich zum letzten Jahr die Anzahl der Insolvenzen um 8,9 Prozent auf 23.800 zurückgegangen ist und damit den geringsten Wert seit 15 Jahren darstellen, das neue Insolvenzrecht bedroht diese Insolvenzentwicklung. Denn während früher der Baustoff-Fachhandel zum Beispiel in langen Wintern den Bauunternehmern und Handwerkern mit Warenkrediten in der Refinanzierung entgegen gekommen ist, werden viele Händler wohl in Zukunft auf diese Kulanz verzichten. In Verbindung mit der allgemein schlechten Zahlungsmoral könnten in einem solchen Falle die Bauunternehmer und Handwerker noch schneller in die Zahlungsunfähigkeit geraten. Denn nur 8,2 Prozent der privaten Auftraggeber zahlen innerhalb der üblichen Monatsfrist. Auch der Staat selbst zeigt kein besonders vorbildliches Zahlungsverhalten. So zahlen zwar zwei Drittel der öffentlichen Aufttaggeber innerhalb eines Monats, doch immerhin 32 Prozent verzögern die Zahlung.

Um den Mittelstand nicht noch stärker zu bedrohen, fordert der BDB vom Staat eine bessere Zahlungsmoral und eine Korrektur beim Insolvenzrecht.

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