Bauwirtschaft beklagt hohen Zusatzaufwand für Infektionsschutz

News | Frank Kessler | 03.12.2020
Bauwirtschaft beklagt hohen Zusatzaufwand für Infektionsschutz
Foto: DGUV

Die Corona-Regeln sind auch auf den Baustellen gültig. Die Umsetzung ist jedoch nicht leicht. Viele Präventionsmaßnahmen müssen geplant und umgesetzt werden. Dabei sind die einzelnen Bauunternehmen gefordert, das Krisenmanagement auf den Baustellen zu steuern und zu überwachen. Das erfordert einen hohen Zusatzaufwand. Besonders zeitintensiv ist die Umorganisation der Arbeiten, denn jede Baustelle ist anders. Kommt es dennoch zu einer Erkrankung, müssen die Kontakte nachverfolgt werden.

Die Beachtung der Hygiene und des Abstands sowie das Erfassen der Kontakte, das ist auch auf den Baustellen erforderlich. Die Umsetzung ist jedoch nicht so einfach. "Die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Kunden und Baupartner hat ganz klar oberste Priorität. Deshalb haben wir für unsere Projekte umfangreiche Handlungsanweisungen und -empfehlungen entwickelt”, betont Harald Guhl. Er leitet im Bauunternehmen Wolff & Müller den Lenkungskreis Baupartner, der das Krisenmanagement auf Baustellen steuert und überwacht. So werden auf jeder Baustelle die erforderlichen Maßnahmen mit Hilfe von Checklisten durch die jeweils zuständige Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) überprüft und dokumentiert. Im Lenkungskreis werden alle Protokolle ausgewertet. Außerdem ist der Lenkungskreis für die Aktualisierungen zuständig. Die gesetzlichen Vorgaben werden streng beachtet und um eigene Erfahrungen ergänzt.

Infektionsschutz auf der Baustelle ist aufwendig

Die Anweisungen umfassen mehrere Bereiche. Dazu gehören Abstand, Hygiene, Arbeitsorganisation und Arbeitsmittel. Das bezieht sich nicht nur auf die eigenen Mitarbeiter, sondern schließt auch die Baupartner mit ein. Die Informationen gehen mehrsprachig an die Baustellen. Am Aufwendigsten ist allerdings die Umorganisation der Arbeiten. Tätigkeiten an Hotspots müssen entzerrt und die Abläufe im Vorfeld genau geplant werden. Dazu wird ein rollierendes Schichtsystem genutzt. Erfordern die Aufgaben einen engeren Kontakt, dann dürfen sie nur mit FFP-Masken, Augen- und Handschutz durchgeführt werden. Müssen Arbeiten in Schächten durchgeführt werden, dann wird darauf geachtet, dass diese nur von einer Person ausgeführt werden. Es wird jedoch viel versucht, die Arbeiten im Freien zu erledigen. Ebenfalls kommen technische Hilfsmittel zum Einsatz. Außerdem gilt auch hier der Mindestabstand von 1,5 Metern. Ist dies nicht möglich, besteht Maskenpflicht. Besprechungen finden möglichst draußen statt. Darüber hinaus müssen ausreichend Wasch- und Desinfektionsmittel vorhanden sein. Bei der An- und Abfahrt dürfen nur zwei Personen im Auto sitzen. Im Kleinbus ist die Anzahl auf drei Personen beschränkt. Risikogruppen werden besonders abgefragt. Für besorgte Rückfragen steht sogar ein Sorgentelefon zur Verfügung.

Erfassung der Kontakte zur Eindämmung der Infektionskette

Diese Corona-Maßnahmen bedeuten einen erheblichen Zusatzaufwand. Kommt es tatsächlich zu einer Erkrankung an Covid-19, müssen alle Kontakte nachverfolgbar sein. Wolff & Müller erfasst aus diesem Grund alle Daten von Personen, die sich für mehr als 15 Minuten auf einer Baustelle aufgehalten haben. Auf einer Baustelle im Rohbau ist das einfach, aber bei einem Schlüsselfertigbau wird das schwieriger. Jeder Bauleiter muss für seine Baustelle eine Gefährdungsbeurteilung abgeben. Gemeinsam wird dann ein Konzept zur Datenerfassung und Zugangskontrolle erstellt. Die Größe der Baustelle ist dabei nicht von Belang.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Klaus Dippel am 04.12.2020 )

Wie halten Sie es mit den von der BG vorgeschriebenen Tragepausen? Bei mittelschwerer Arbeit dürfen MNB und MNS nur 2 Std am Stück getragen werden und dann muss eine 30Minuten Tragepause folgen. (Keine Arbeitspause)

Falls der Kunde auf "Makenpflicht auf der ganzen Baustelle besteht" müßte man somit die Arbeitszeit tatsächlich verkürzen.

beste Grüße aus Hanau

KLaus Dippel

  (Geschrieben von Anne-Kathrin Pöhls am 04.12.2020 )

Fragt auch noch mal jemand, ob diese Maßnahmen irgendeinen Effekt haben oder wird nur noch ausgeführt. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass diese Maßnahmen in erster Linie dazu führen sollen, alle Beteiligten zu zermürben. War es vorher schon aufwendig, alle Vorgaben und Bürokratie einzuhalten, so wird das Ganze jetzt geradezu aberwitzig. Insb. Auf dem Bau, wo häufig draußen oder in luftigen Baustellen gearbeitet wird, ist doch eine Ansteckung eher selten. Und selbst bei Besprechungen muss erstmal jemand nachweisen, dass sich dort soviele Menschen wirklich anstecken. Ich habe den Eindruck, dass hier mittlerweile absichtlich die Leute so zermürbt werden sollen, dass man sich auf die Arbeit an sich gar nicht mehr konzentrieren kann. Unmenschlich empfinde ich das. Und alle Berufsverbände machen wieder einfach so mit....oder etwa doch nicht? 

  (Geschrieben von Ralf Kohlbecke… am 04.12.2020 )

ich möchte mich Frau Pöhls Worten anschließen und darauf verweisen, dass die geforderten Massnahmen fast ausschließlich willkürlich festgelegt wurden und am wenigsten der Gesundheit und einer gesicherten Arbeit dienen. Im Gegenteil. Ist es nicht sonderbar, dass sich niemand über die immensen Kollateralschäden und wirtschaftlich nicht zumutbaren Folgen auslässt? Die Bauwirtschaft trifft es wohl etwas später als andere Wirtschaftszweige, aber offensichtlich müssen wir erst in freiem Fall in die Grube stürzen, um aus dem Wahnsinn zu erwachen und Gesicht zu zeigen. Ich weiß, wovon ich rede. Jegliche Beeinträchtigung durch blödsinnigen Maskenzwang erhöht die Unfallgefahr durch eingeschränkten Sichtbereich, Treppen, Leitern, Maschinen etc.) und eingeschränkter Sauerstoffversorgung (Co2-Rückatmung...> s. ASR). Und - wer trägt die Verantwortung im Falle eines Unfalls? Jedenfalls nicht die, welche sich hinter den Verordnungen verstecken! Auch das ist bekannt.

Wie lange wollen wir uns noch belügen und einschränken lassen? Und einfach wegsehen? Dass die Maskerade andere Gründe hat, ist offensichtlich und belegt. 

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