Bauwirtschaft erholt sich: weniger Umsatzeinbruch als erwartet

News | Frank Kessler | 15.10.2020
Bauwirtschaft erholt sich: weniger Umsatzeinbruch als erwartet
Foto: Roland Riethmüller

Die Deutsche Bauwirtschaft rechnet aktuell für das laufende Jahr 2020 mit einem deutlich geringeren Negativeinfluss der Pandemie auf ihre Umsätze als noch im April. Laut einer aktuellen Untersuchung gingen die befragte Bauunternehmen im April noch mit Umsatzverlusten von minus 20 Prozent aus. In einer aktuelleren Umfrage lag der erwartete Rückgang aber nur noch bei minus 0,9 Prozent.

Auch wenn sich die Baukonjunktur langsam wieder erholt, kann man noch nicht von einer vollständigen Entwarnung sprechen. Denn die aktuelle Auftragslage zeigt, dass die Probleme für die verschiedenen Bausparten unterschiedlich groß sind. Nur wenig getroffen hat es demnach den Wohnungsbau. Das berichtet die Heinze Marktforschung anlässlich ihres 22. Baukonjunktur-Meetings. Der Lockdown im Frühjahr habe zwar kurzzeitig einen Auftragsrückgang verursacht. Im zweiten Halbjahr sei aber wieder mit einem Zuwachs von fünf bis zehn Prozent zu rechnen. Stabilität bescheinigen die Marktforscher dem Eigenheimbau, wo die Zahl erteilter Baugenehmigungen im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent gestiegen ist.

Baukonjunktur erholt sich, Mehrfamilienhausbau erfährt einen Boom

Von einem Boom kann man regelrecht beim Mehrfamilienhausbau sprechen. Hier stieg die Zahl der Genehmigungen im ersten Halbjahr um 10,4 Prozent. Professor Udo Mantau vom Beratungsinstitut "INFRO-Informationssysteme für Rohstoffe" sieht einen Grund für diese Entwicklung in der Sonderabschreibung auf Baukosten. Die aktuelle Wachstumsprognose für das nominale Bauvolumen im Wohnungsbau zwischen den Jahren 2019 und 2021 liegt bei neun Prozent.

Pandemie: Nichtwohnungsbau eher betroffen als Wohnungsbau

Schlimmer als den Wohnungsbau hat es Teile des Wirtschaftsbaus getroffen. Er verzeichnete im ersten Halbjahr einen Auftragsrückgang um 9,1 Prozent. Aufgrund "der schwachen und fragilen Konjunktur" erwarten die Marktforscher für das zweite Halbjahr ebenfalls keine deutlich steigenden Zahlen. Insgesamt würde Professor Mantau bereits einen Rückgang von weniger als minus zehn Prozent für eine gute Nachricht halten. Besser sieht es aus Sicht der Heinze Marktforschung im öffentlichen Bau aus: Hier erwarten sie einen Auftragseingang auf dem Niveau der letzten beiden Jahre.

Eine "eher außergewöhnliche und nicht zu erwartende Entwicklung" hat es mit einem Plus von 21,3 Prozent im ersten Halbjahr (Vergleich zum Vorjahr) bei Genehmigungen für industrielle Betriebsgebäude gegeben. Für Professor Mantau liegt das an einem enormen Zuwachs bei den coronabedingt in den Fokus gerückten Handels- und Lagergebäuden. Weitere Gründe sind aus seiner Sicht der geplante Tesla-Großfabrik in Berlin-Brandenburg sowie administrative Sondereffekte, die die Zahl gemeldeter Genehmigungen beschleunigt haben. Für das Jahr 2021 rechnen die Forscher mit einem Einbruch der Baugenehmigungen für industrielle Betriebsgebäude. Ebenfalls einen Einbruch erwarten sie im zweiten Halbjahr 2020 und für das gesamte Jahr 2021 bei wohnähnlichen Betriebsgebäuden.

Bauwirtschaft in etwa wieder auf Vorjahresniveau

Die Corona-Pandemie hat die Erwartungen an die Entwicklung der Baukonjunktur 2020 nach einem kraftvollen Start zunächst tief stürzen lassen. Mittlerweile hat der Baukonjunktur-Klima-Index aber wieder 15 Prozent erreicht und liegt damit in etwa auf Vorjahresniveau. Von der Pandemie betroffen war übrigens neben der Baubranche auch das Baukonjunktur-Meeting selbst. Es fand in diesem Jahr erstmals ausschließlich online statt.

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