Künstliche Intelligenz und autonome Maschinen verändern die etablierte Planung, Prozesse und Baustellenabläufe. Denn die Bauwirtschaft befindet sich im technologischen Wandel. Dabei erwarten Experten tiefgreifende Effizienzgewinne. Doch digitale Defizite in den Bauämtern bremsen den Fortschritt. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen zeigt, warum Real-world AI für Handwerk und Bauunternehmen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird und wie Roboter, BIM und selbstfahrende Baumaschinen den Fachkräftemangel abfedern.
Die Bauwirtschaft steht vor einer Zeitenwende. Das prognostiziert der kürzlich ausgezeichnete Interim-Manager Klaus-Peter Stöppler mit Blick auf die zunehmende Automatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI). „Die Baubranche ist prädestiniert für den Siegeszug der Real-world AI, also der Nutzung Künstlicher Intelligenz in der realen Welt. Allerdings ist die mangelnde Digitalisierung in den Bauämtern derzeit ein Flaschenhals für die gesamte Bauwirtschaft“, warnt der erfahrene Branchenexperte. Während die Baustellen in Deutschland nach wie vor von traditionellem Handwerk geprägt sind, drängen intelligente Maschinen und Systeme in die Betriebe und verändern Prozesse, Planung und Geschäftsmodelle tiefgreifend. Denn KI ist für die Bauwirtschaft längst mehr als eine Vision. Laut Stöppler „werden intelligente Systeme künftig Einzug in nahezu alle Phasen eines Bauprojekts halten: von der Bedarfsplanung über die Bauausführung bis zum Gebäudebetrieb.“ Besonders weit sei man hierzulande bei der Planung, wo rund drei Viertel der Unternehmen bereits auf KI-Lösungen setzen. Auf der Baustelle selbst falle der Anteil zwar noch deutlich niedriger aus, doch neue Technologien wie vorausschauende Analysen, autonome Maschinen und intelligente Robotik könnten das Bild in den kommenden Jahren „drastisch wandeln“.
Roboter und autonome Maschinen auf dem Vormarsch
Inzwischen sind erste Beispiele für Real-world AI in Deutschland im Einsatz. Stöppler nennt etwa den Baubot von Fischer, der monotone Arbeiten wie Bohren und Staubabsaugung übernimmt, sowie den Jaibot von Hilti, einen halbautonomen Bohrroboter mit digitaler Positionserkennung. Auch selbstfahrende Bagger, Radlader und KI-gesteuerte Kräne halten Einzug. Die neuen Systeme navigieren selbstständig, weichen Hindernissen aus und sind vor allem für gefährliche Arbeitsbereiche konzipiert. „Das ist eine direkte Antwort auf den Fachkräftemangel„, betont Stöppler.
BIM mit KI und digitale Defizite in den Bauämtern
Großes Potenzial sieht der Experte zudem in der Kombination von Building Information Modeling (BIM) mit KI-Algorithmen. Diese Verknüpfung könne nicht nur Planungsfehler frühzeitig erkennen, sondern auch automatisch korrigieren. Studien zufolge ließen sich so bis zu 20 Prozent der Projektkosten einsparen. Dennoch bremse vor allem die mangelnde Digitalisierung der Behörden die Entwicklung. „Die meisten Bauämter sind in den 1980ern stehen geblieben, mit einem Unterschied: Dank Home-Office erreicht man heutzutage im Gegensatz zu damals selbst telefonisch kaum noch jemanden im Amt.“ So bleibt die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung für die Branche weiterhin eine zentrale Herausforderung.

















