Bauwirtschaft in Rezession - Coronavirus verstärkt Abschwung

News | Frank Kessler | 02.04.2020
Bauwirtschaft in Rezession - Coronavirus verstärkt Abschwung
Foto: Roland Riethmüller

Die Rezession durch den Coronavirus wird Bauvorhaben im Nichtwohnungsbau deutlich stärker treffen als im Wohnungsbau. Das prognostizieren Marktforscher im Baubereich auf Basis des aktuellen Baumarktberichts. Beim Bau von Mehrfamilienhäusern halten die Spezialisten bereits im kommenden Jahr sogar einen erneuten Aufschwung für möglich. Dagegen verstärkt die virenbedingte Rezession im Nichtwohnungsbau einen zyklischen Abschwung, der wohl erst im Jahr 2022 ausläuft.

Ohne die Rezession durch den Coronavirus wäre der Mehrfamilienhausbau im Jahr 2020 um über zehn Prozentpunkte gestiegen, schreiben die Marktforscher von der Heinze Marktforschung. Indiz dafür sind aus ihrer Sicht die zweistelligen Zuwächse der Genehmigungen zum Jahreswechsel. Aufgrund der Pandemie werden die Zahlen jedoch zur Jahresmitte deutlich einbrechen und sich erst in der zweiten Jahreshälfte erholen.

Als Ursachen dafür, dass der Aufschwung des Mehrfamilienhausbaus im Grunde intakt bleibt, sieht Heinze Marktforschung die weiterhin vorhandene Nachfrage. Der Förderrahmen sei geklärt und werde von den Akteuren angenommen, heißt es. Zudem seien bessere Möglichkeiten einer Geldanlage derzeit Mangelware. Als den Aufschwung verlangsamende Faktoren sehen die Marktforscher bremsende Effekte im Genehmigungs- und Bauprozess. Für Genehmigungen im Eigenheimbau geben die Marktforscher ebenfalls eine Prognose. Sie erwarten nicht allzu schwere Folgen durch die Pandemie. Der Eigenheimbau komme mit einer Delle davon, heißt es.

Wohnähnliche Betriebsgebäude trifft die Rezession besonders

Für den Nichtwohnungsbau hatte Heinze Marktforschung bereits im Herbst 2019 einen zyklischen Abschwung prognostiziert. Für das Unternehmen bleibt jetzt die Frage, wie sehr die Auswirkungen des Coronavirus diesen Abschwung verstärken. Demnach wird es bei den wohnähnlichen Betriebsgebäuden die größten Probleme geben. Hier gab es in den letzten fünf Jahren Zuwächse um durchschnittlich zehn Prozent. Die Fallhöhe ist deshalb relativ hoch. Vergleichsweise wenig betroffen wird dagegen der landwirtschaftliche Bau sein. Er war bereits "im Keller" und die Nahrungsmittelindustrie ist von den Quarantänen noch am wenigsten betroffen, urteilt Heinze Marktforschung.

Im Bauprozess und bei Fertigstellungen sind Folgen spürbarer

Bei den Fertigstellungen im Wohnungsbau sieht der Baumarktbericht keine Chance auf einen Aufschwung im Jahr 2020. Erst im darauffolgenden Jahr 2021 rechnen die Analysten zumindest im Mehrfamilienhausbau wieder mit Zuwächsen. Die Zahl der erstellten absoluten Wohneinheiten werde jedoch auch dann deutlich unter Werten bleiben, die ohne die Rezession durch das Coronavirus möglich gewesen wären.

Für die Gesamtwirtschaft in Deutschland rechnen die das Wirtschaftswachstum prognostizierenden deutschen Institute mittlerweile mit einem Einbruch zwischen minus 4,5 und minus 8,7 Prozent. Aus Sicht der Heinze Marktforschung erleidet der Außenhandel - wie in der Finanzkrise - auch in der jetzigen Rezession durch den Coronavirus die größten Verluste. Allerdings wird es durch die Pandemie im Gegensatz zur Finanzkrise auch im privaten Verbrauch und bei Investitionen zu erheblichen Einbußen kommen, prognostiziert das Unternehmen.

Zwar werde die Bauwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen "mit einem dunkelblauen Auge davonkommen". Real gesehen seien die Auswirkungen vor allem im Bauprozess aber deutlich schmerzhafter als in der Finanzkrise.

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