Bauwirtschaft mahnt: Mantelverordnung hemmt Baustoff-Recycling

News | Frank Kessler | 02.02.2021
Bauwirtschaft mahnt: Mantelverordnung hemmt Baustoff-Recycling
Foto: Roland Riethmüller

Die meisten der in der Mantelverordnung geregelten mineralischen Abfälle kommen aus dem Bau- und Abbruchbereich. Wenn jedoch die kürzlich beschlossene Fassung der Verordnung ohne Änderungen in Kraft tritt, werden mehr Bauabfälle als bisher auf den Deponien landen. Viele Regelungen sind kompliziert und erschweren das Baustoff-Recycling. Dies führt am Ende zu weniger Verwertung. Doch das entspricht nicht den Anforderungen für mehr bezahlbare Wohnungen.

Der Bundesrat hat eine neue Verordnung für die Wiederverwertung von Baustoffen erlassen. Doch diese führt zu einem Anstieg von wertvollen Bauabfällen und hemmt am Ende eher das Recycling von Baustoffen. Rund 80 Prozent der mineralischen Abfälle fallen in der Bau- und Abbruchwirtschaft an. Sollte die vom Bundesrat beschlossene Neufassung der Mantelverordnung tatsächlich in Kraft treten, würde mehr Mineralabfälle auf die Deponien wandern als bisher. Das führt zu weiteren Preissteigerungen, zumal regionaler Deponieraum teuer ist. Gleichzeitig widerspricht es einem umweltbewussten Verhalten und ist wirtschaftlich unsinnig. "Entsorgungs- und Baukosten zahlt zwar der Auftraggeber, sie sind aber mit den Anforderungen, z. B. bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht zu vereinbaren", erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB). "Ökologisch betrachtet sind Transporte von Bodenaushub quer durch Deutschland ohnehin ein Wahnsinn."

Mantelverordnung sorgt für weniger Verwertung und steigende Kosten

Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), sieht durch die neue Mantelverordnung nicht nur eine Erschwerung der auf Boden- und Grundwasserschutz ausgerichteten Regelungen sondern auch eine Reduzierung der Verwertung. Außerdem führe das auch zu einer Erhöhung der Kosten für die Entsorgung. Betroffen davon wäre die Planung, der Bau und die Unterhaltung jeder Straßenbaumaßnahme. Mineralische Ersatzbaustoffe unterliegen einer strengen Qualitätskontrolle und müssen aus dem Abfallregime entlassen werden. Recyclingbaustoffe sollten nicht als Abfall, sondern vielmehr als wertvolle Ressourcen behandelt werden.

Klarer Appell der Bauwirtschaft: Baustoff-Recycling stärken

Sollte die neue Mantelverordnung in der jetzigen Form bestehen bleiben, dann sind weitreichende Probleme vorprogrammiert. Das würde zu einer verstärkten Belieferung von mehr Abbruchabfällen zu den Deponien führen. Vonseiten der Bauwirtschaft wünscht man sich eine bundeseinheitliche Verordnung, die auch die Weichen zur Stärkung des Baustoff-Recycling stellt. Die neue Verordnung lässt dies aber vermissen. Der Appell der Bauwirtschaft an die Bundesregierung lautet deshalb, die berechtigten Bedenken bei den nächsten Beratungen zu berücksichtigen. Nur so können höhere Deponiekosten und höhere Entsorgungskosten vermieden sowie die Materialien wieder der Kreislaufwirtschaft zugeführt werden.

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