Bauwirtschaft nimmt Absturzsicherung oft nicht ernst

News , 23.07.2019 , Frank Kessler bauwirtschaft-nimmt-absturzsicherung-nicht-ernst
Foto: Roland Riethmüller

Die Absturzsicherung auf Baustellen ist nur mit der richtigen Schutzausrüstung und einer reibungslosen Zusammenarbeit der Verantwortlichen möglich. Denn nur durch eine korrekte Installation und durch die Verwendung eines Absturzsicherungssystems können tödliche Unfälle vermieden werden. Das wird in der Bauwirtschaft aus Kostengründen leider oft missachtet. Zwar sind die Todesfälle in Deutschland auf einem niedrigen Stand, dafür hat das Land die fünfthöchste Verletzungsrate.

Obwohl es in Deutschland sehr gute Arbeitsschutzgesetze gibt, kann die Anwendung bei der Durchführung von Aufgaben auf erhöhten Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft noch verbessert werden. Die Einhaltung vorgegebener Spezifikationen gehört ebenso dazu, wie die richtige Risikobewertung, die Qualität der Schutzausrüstung und die richtige Schulung zur Entwicklung der Nutzerkompetenz. Von den Unternehmensleitungen wird die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften erwartet, weiß auch Simon Platzer, Leiter der Geschäftsentwicklung für Absturzsicherung (Mittel- und Osteuropa) bei MSA – The Safety Company, einem der führenden Absturzsicherungsunternehmen. Doch die rechtlichen Mittel sind bei Verstößen nur eingegrenzt. In Ländern wie Großbritannien sieht das anders aus. Laut der HSA-Krankheits- und Todesfallstatistik für die Jahre 2016-2017 hat Deutschland mit 0,97 Todesfällen pro 100.000 Arbeitnehmer eine der niedrigsten Todesfallraten in der EU15-Zone, nur geringfügig höher als Großbritannien mit 0,83. Allerdings erlitten 2.091 von 100.000 Arbeitern mehr als vier Verletzungen. Damit steht Deutschland an fünfthöchster Stelle. Anlass zur Beunruhigung ergibt auch eine Umfrage bei den deutschen Arbeitnehmern. Rund 18 Prozent gaben an, dass ihre Arbeit ihre Gesundheit und Sicherheit gefährden würde. Rund 66 Prozent berichten von regelmäßigen Sicherheits- und Gesundheitskontrollen.

Für die Sicherheit auf Baustellen müssen neue Maßstäbe gesetzt werden

Es ist eine komplexe Aufgabe, ein geeignetes Absturzsicherungssystem oder die beste persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu finden. Eine sorgfältige Bewertung der vorhandenen Strukturen ist dafür notwendig. Die Planer berechnen alle Faktoren und empfehlen entsprechende Herstellerprodukte. Um Kosten zu sparen, lassen die Bauunternehmer oft Teile weg oder ändern diese. Dieses Vorgehen ist sehr riskant. Nicht selten werden die Hersteller aufgefordert, die Eignung von Befestigungen und Systemen zu klären. Hier ist besonders die Zusammenarbeit wichtig, denn jede Fehlinformation kann schwerwiegende Folgen haben. Mit einer technischen Vorgabe erhält der Bauunternehmer eine zweckmäßige Absturzsicherung.

Ersatzprodukte erhöhen das Absturzrisiko

Wenn diese Absturzsicherungen fachkundig konzipiert, hochwertig und streng geprüft sind, bleiben die Sicherheitseinrichtungen für vier Jahre funktionstüchtig und sind vorschriftsmäßig. Werden jedoch Ersatzprodukte eingesetzt, birgt das Risiken. Die Bauteile können schneller verschleißen, sich abnutzen und sogar versagen. Das würde einen vorzeitigen Austausch erfordern, der die Betriebskosten erhöht. Hochwertige Produkte sind einfacher und robuster. Das Risiko von menschlichem und technischem Versagen wird dadurch verringert. Das sollte jeder Bauunternehmer wissen.

Richtige Absturzsicherung nur bei korrekter Montage

Es kommt aber auch auf die professionelle Montage an. Hier ist die Auswahl des Unternehmens von großer Bedeutung. Bekannte Unternehmen sind mit den Systemen der führenden Hersteller bestens bekannt. Somit wird gewährleistet, dass die Systeme gemäß den Herstellerrichtlinien montiert werden. Die Sicherheitsausrüstung kann nur dann Unfälle vermeiden, wenn sie auch richtig eingesetzt wird. Deshalb ist eine gründliche Schulung genauso wichtig, wie die Schutzausrüstung selbst. Trotz der besten Planung kann immer etwas passieren. Es sollte deshalb vorher ein Rettungsplan ausgearbeitet werden.