Bauwirtschaft schlägt Alarm: Energieeffizienz vernachlässigt

Foto: RossHelen / envatoelements

Ein aktueller Monitoring-Bericht der Bundesregierung sorgt für Kritik: Die zentrale Rolle der Energieeffizienz in der Energiewende bleibt weitgehend unbeachtet. Dabei zeigen Studien, dass ohne Gebäudesanierungen und Effizienzmaßnahmen hunderte neue Gaskraftwerke nötig wären. Die Bauwirtschaft sieht enormes Potenzial, doch politische Impulse fehlen. Fachverbände fordern daher ein Umdenken, um Versorgungssicherheit und Klimaziele zu erreichen. Dabei könnten Handwerksbetriebe und Bauunternehmen massiv profitieren, doch ohne klare politische Weichenstellungen droht ein zentraler Wachstumsmotor ungenutzt zu bleiben.

Die Energiewende ist ohne Zweifel eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte der Gegenwart. Doch ein neuer Monitoring-Bericht der Bundesregierung zeigt erhebliche Defizite bei der strategischen Planung: Während der Strombedarf und der Ausbau erneuerbarer Energien detailliert analysiert werden, bleibt ein zentraler Faktor weitgehend außen vor – die Energieeffizienz. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) schlägt deshalb Alarm und warnt vor gravierenden Folgen für Versorgungssicherheit, Kostenentwicklung und Klimaschutzziele. Zwar wird im Bericht anerkannt, dass Maßnahmen wie Gebäudesanierungen und Effizienzsteigerungen maßgeblich zur Reduktion des Stromverbrauchs beitragen könnten. Dennoch bleibe das Thema Energieeffizienz weitgehend unbehandelt. Das Energieeffizienzgesetz wird nicht berücksichtigt, Potenziale bleiben unbeziffert und konkrete Empfehlungen fehlen. „Solange Energieeffizienz im Monitoring nur als Black Box behandelt wird, fehlt ein zentrales Puzzlestück“, kritisiert Henning Ellermann, geschäftsführender Vorstand der Deneff. „Das Leitprinzip Efficiency First ist entscheidend, weil es die Erneuerbaren-Ziele schneller, günstiger und sicherer erreichbar macht.“

Potenziale für mehr Energieeffizienz bleiben zunehmend ungenutzt

Besonders aus Sicht der Bauwirtschaft ist diese Entwicklung alarmierend. Denn gerade in Gebäuden schlummert eines der größten Einsparpotenziale. Studien belegen, dass ohne umfassende Sanierungen im Gebäudebestand der steigende Strombedarf mit dem Bau von rund 200 zusätzlichen Gaskraftwerken kompensiert werden müsste. Das ist allerdings ein Szenario, das weder wirtschaftlich noch ökologisch tragbar ist. Auch in der Industrie zeigen Erhebungen, dass Effizienzmaßnahmen den Energiebedarf massiv senken und so die Notwendigkeit für neue fossile Großkraftwerke deutlich reduzieren können. Dabei verpasst es jedoch die Bundesregierung, diese Potenziale systematisch in die Szenarien einzuarbeiten. Stattdessen bleibt Effizienz eine rechnerische Lücke. Das ist eine riskante Strategie in einer Zeit, in der jede Kilowattstunde zählt. Besonders problematisch: Der Bericht suggeriert stellenweise sogar, dass Energieeffizienz den Ausbau der Erneuerbaren bremsen könne. Doch diese Behauptung wird laut Umweltbundesamt durch die Datenlage klar widerlegt.

Energiewende: Bauwirtschaft steht in den Startlöchern

Für Bauunternehmen und Handwerksbetriebe bedeutet die aktuelle Lage eine verpasste Chance. Der Markt für energetische Sanierungen und effiziente Gebäudetechnik könnte enorme Impulse erfahren, wenn politische Rahmenbedingungen klarer auf Effizienz ausgerichtet wären. Doch ohne verbindliche Zielvorgaben und Förderstrategien fehlt die nötige Planungssicherheit für langfristige Investitionen. Die Deneff fordert daher ein klares Umdenken. „Nur wenn Energieeffizienz, wie im Koalitionsvertrag ausdrücklich angekündigt, tragende Säule der Energiewende ist, gelingt es, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz in Einklang zu bringen“, betont Ellermann. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung ihre eigene Analyse ernst nimmt und den blinden Fleck Energieeffizienz endlich schließt.

Verkommt Energieeffizienz zur Nebensache der Energiewende?

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