Das ifo Institut warnt vor einer massiven Kostenexplosion bei öffentlichen Infrastrukturprojekten. Durch das schuldenfinanzierte Sondervermögen könnte die Nachfrage nach Bauleistungen stark steigen – mit drastischen Folgen für Preise, Löhne und Fachkräfte. Experten sehen die Gefahr, dass Milliardeninvestitionen ins Leere laufen, wenn Engpässe und Bürokratie nicht schnell behoben werden. Die Bauwirtschaft fordert deshalb klare Prioritäten und Planungssicherheit, bevor die Kosten außer Kontrolle geraten.
Die Bauwirtschaft steht vor einer neuen Preiswelle. Laut einer aktuellen Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo Institut) drohen massive Kostensteigerungen bei öffentlichen Infrastrukturprojekten, sobald die Investitionen aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen anlaufen. Die Nachfrage nach Bauleistungen werde in den kommenden Jahren deutlich anziehen. Das hat spürbare Folgen für Löhne, Materialkosten und Immobilienpreise. Schon heute kämpft die Branche mit Engpässen bei Fachkräften und steigenden Preisen für Baustoffe. Nun warnt das ifo Institut, dass die geplanten Milliardeninvestitionen die Situation weiter verschärfen könnten.
Sondervermögen droht Bauwirtschaft zu überhitzen
Kürzlich diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beim ifo Wirtschaftsdialog darüber, wie das Sondervermögen tatsächlich zum Wachstumsmotor werden kann. Klar ist: Ohne klare Priorisierung, schnellere Verfahren und gezielte Fachkräftepolitik droht der Milliardenplan im Stau stecken zu bleiben – mit gravierenden Folgen für Bauwirtschaft und Infrastruktur. „Es muss dringend darauf geachtet werden, dass die Mittel effizient eingesetzt werden und nicht durch steigende Preise verpuffen“, erklärt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation, beim ifo Wirtschaftsdialog in München. Der Ökonom betont, dass die starke Nachfrage aus staatlichen Programmen zu Überhitzungen führen könne. Besonders betroffen seien Gewerke, die ohnehin unter Fachkräftemangel leiden. Neben höheren Löhnen drohten auch deutliche Preissteigerungen bei Bau- und Planungsleistungen.
Preisrisiken und Engpässe als Wachstumsbremse für Infrastrukturprojekte
Falck fordert, Investitionen gezielt dort einzusetzen, wo sie die größte Wirkung auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit entfalten. „Investitionen müssen dort ansetzen, wo sie die größte Wirkung für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit entfalten – gleichzeitig muss aber auch berücksichtigt werden, ob ausreichende Kapazitäten für die Umsetzung der Investitionsprojekte vorhanden sind“, so Falck. Ohne entsprechende Fachkräfte könne der staatliche Geldsegen leicht ins Leere laufen. Um Engpässe zu vermeiden, müsse Deutschland verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen und die Ausbildung im Inland ausbauen.
Auch aus der Bauwirtschaft kommen deutliche Warnungen. Tim Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), mahnt zu mehr Planungssicherheit: „Unsere Unternehmen brauchen so schnell wie möglich Klarheit, wann und welche Mittel für Straßen, Brücken, Wasserstraßen definitiv zur Verfügung stehen. Die Branche wartet dringend auf Ausschreibungen, auf konkrete Projekte.“ Viele Bauunternehmen hätten Kapazitäten zurückgefahren und müssten jetzt wissen, welche Projekte tatsächlich kommen, um rechtzeitig Personal und Material einzuplanen.
Wirtschaft fordert schnelle Entscheidungen
Unterstützung erhält die Branche von der Industrie. „Damit die vorgesehenen Mittel aus dem Sondervermögen spürbare gesamtwirtschaftliche Effekte erzeugen können, sind beschleunigte Genehmigungsverfahren, systematischer Bürokratieabbau sowie ein effizienter Ressourceneinsatz erforderlich“, fordert Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

















