Bauwirtschaft startet Modellprojekt gegen Schwarzarbeit

News | Roland Riethmüller | 15.09.2015
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Die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft in Berlin haben sich auf ein einzigartiges Modellprojekt zum Kampf gegen Schwarzarbeit geeinigt. Im „Weißbuch Bau“ werden künftig Betriebe gelistet, die sich vorbildlich an geltende Regeln halten. So können sich Auftraggeber vor der Auftragsvergabe über die Leistungsfähigkeit und Qualität informieren. Gleichzeitig wird damit „schwarzen Schafen“ der Zugang zu Aufträgen erschwert.

Laut der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg entfallen 38 Prozent der Schwarzarbeit in Deutschland auf Leistungen aus dem Baugewerbe. Da rund 12,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts „schwarz“ erbracht werden, sind das folglich rund 129 Milliarden Euro. „Schwarzarbeit ist ein schwerer Verstoß gegen die Grundlagen des Sozialstaats und schädigt zudem die ehrlichen Wettbewerber“, weiß auch Alex Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg.

Daher haben die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft in Berlin ein einzigartiges Modellprojekt zum Kampf gegen die Schwarzarbeit am Bau gestartet. Unter der Initiative der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes (Soka Bau Berlin) zusammen mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), dem Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg und der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg wurde das „Weißbuch Bau“ ins Leben gerufen. „Im Weißbuch Bau sind Betriebe aufgeführt, die von der Sozialkasse des Berliner Baugewerbes aufgrund ihres Melde- und Zahlungsverhaltens als einwandfrei eingestuft werden“, erläutert IG BAU-Regionalleiter und Soka Bau Berlin-Vorstandsvorsitzender Rainer Knerler. „Die Betriebe müssen zudem über eine Facharbeiterquote von mehr als 50 Prozent verfügen und mehr als drei Viertel ihrer gewerblichen Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigen.“

Da die Daten von der Soka Bau kontinuierlich auf ihre Aktualität überprüft werden, dient das „Weißbuch Bau“ dem Auftraggeber als Instrument, um sich vor der Auftragsvergabe ein genaues Bild über die Qualität und Leistungsfähigkeit der Baufirmen zu verschaffen. Die Schirmherrschaft für das Modellprojekt im Kampf gegen Schwarzarbeit hat Dilek Kolat, Berlins Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, übernommen. „Ich erhoffe mir von diesem Projekt eine Signalwirkung auch für andere Branchen, die von Schwarzarbeit und schlechten Arbeitsbedingungen betroffen sind“, erklärt die Senatorin.

Mit dem „Weißbuch Bau“ können endlich auch die ehrlich arbeitenden Betriebe ein Zeichen gegen Schwarzarbeit setzen. „Nun hat jeder Bauunternehmer es durch die Eintragung im Weißbuch selbst in der Hand, sich öffentlich gegenüber potentiellen Auftraggebern als leistungsfähiger Betrieb zu präsentieren“, appelliert Wunschel. Auch Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg sieht eine Vorreiterrolle: „Von den bisher im Weißbuch Bau aufgeführten Betrieben sind überdurchschnittlich viele Verbandsmitglied. Und bereits heute sind knapp ein Fünftel aller gewerblichen Beschäftigten in Berlin bei einem Unternehmen beschäftigt, dass im Weißbuch Bau aufgelistet ist.“ Die Hoffnung aller ist nun, dass sich diese Modellprojekt auch bundesweit durchsetzt.

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