Berliner Bauwende: Dachgeschossausbau jetzt genehmigungsfrei

Foto: KostiantynVoitenko / envatoelements

In Berlin braucht die Schaffung von Wohnraum zu viel Zeit. Das liegt zum Teil an den langen Genehmigungsverfahren. Eine Lösung, um Wohnraum zu schaffen, könne der Dachgeschossausbau sein. Bisher musste dafür eine Genehmigung eingeholt werden. Das soll sich jetzt ändern. Ebenfalls attraktiver werden soll die Aufstockung von Gebäuden um bis zu zwei Geschossen. Zudem reduzieren sich die Auflagen zur Barrierefreiheit im Altbau, wenn das Dachgeschoss ausgebaut wird.

Die langfristigen Genehmigungsverfahren in Berlin lassen die Schaffung von neuem Wohnraum nur schleppend in Gang kommen. „Die Gründe dafür sind vielschichtig“, weiß Sven Häberer, Spezialist für Verwaltungsrecht in der Kanzlei Müller Radack Schultz. „Einer ist die Überlastung von Behörden. Am 26. September letzten Jahres hat der Berliner Senat deshalb beschlossen, die Bauordnung für Berlin (BauOBln) zu ändern.“ Dabei begründet die Politik die sechste Änderung unter anderem mit der Notwendigkeit zum Bau neuer Wohnungen, zum Ausbau der Barrierefreiheit und der Förderung des nachhaltigen Klimaschutzes. Doch die größten Auswirkungen dürfte die Genehmigungsfreistellung für den Dachgeschossausbau und für Aufstockungen sein. Dies beschleunigt die Schaffung von Wohnraum und entlastet die Behörden.

Dachgeschossausbau wird erleichtert

Bisher musste der Dachgeschossausbau genehmigt werden, wenn dieser nicht im Gebiet des Bebauungsplans stattfinden sollte. Dies wird jedoch zukünftig genehmigungsfrei gestellt. Die Voraussetzung ist dann nur noch, dass die Erschließung gesichert ist und die Bauaufsichtsbehörde keine Einwände hat. Vor der Umsetzung muss der Bauherr nur die erforderlichen Unterlagen einreichen. Wenn sich die Baubehörde nicht innerhalb von einem Monat meldet, kann der Ausbau beginnen. Die Baubehörde kann die Frist auf einen weiteren Monat verlängern und sogar das Bauvorhaben stoppen, wenn diese Ausnahmen nicht beantragt wurden. Durch diese Reduzierung der Prüfungsprozesse soll der Dachgeschossausbau beschleunigt werden. 

Zusätzliches Dachgeschoss oder Aufstockung reduziert die Auflagen

Die Aufstockung von Gebäuden um bis zu zwei Geschossen wird ebenfalls attraktiver gemacht. Handelt es sich dabei um Gebäude mit mehr als zwei Wohnungen, so muss die Hälfte davon barrierefrei sein. Bei Altbauten hat das oft zu hohen Kosten und einem Mehraufwand geführt, da zum Beispiel Türen verbreitert werden mussten. Diese Verpflichtung ist dann nicht erforderlich, wenn nachträglich ein Dachgeschossausbau oder eine Aufstockung gemacht wird. Das sorgt dafür, dass die Kosten verringert werden und die Schaffung von Wohnraum deshalb attraktiver wird. Es bleibt zu hoffen, dass davon reger Gebrauch gemacht wird.

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Leider fehlt in Ihrem Beitrag der Hinweis, dass für die Planungen einiges zu beachten ist. Die gesetzlichen Auflagen sind dennoch einzuhalten – zumindest für den neuen Teil.
So kann sich durch den Dachausbau die Gebäudeklasse ändern, was höhere Anforderungen an den neuen Teil mit sich bringt (z.B. Statik und Brandschutz).
Bevor die Maßnahme also zum „Schwarzbau“ wird, ggf. mit gravierenden versicherungsrechtlichen Konsequenzen im Schadensfall, sollte ein kundiger Architekt oder Bautechniker mit einbezogen werden. Das ist billiger, als später die Sache wieder nachzuregulieren.

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