Wenn Firmenchefs in den Ruhestand gehen, steht häufig die Zukunft des gesamten Betriebs auf dem Spiel. Gerade im Handwerk fehlen vielerorts geeignete Nachfolger für eine erfolgreiche Betriebsübergabe. Doch eine Unternehmensnachfolge muss nicht innerhalb der Familie stattfinden. Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die Betriebsnachfolge im Handwerk mit einem externen Nachfolger gelingt und warum Vertrauen, gemeinsame Ziele und der Wissenstransfer dabei entscheidende Erfolgsfaktoren sind.
Die Betriebsnachfolge im Handwerk wird für immer mehr Unternehmen zu einer zentralen Herausforderung. Viele Inhaber erreichen das Ruhestandsalter, während geeignete Nachfolger fehlen. Besonders schwierig wird die Suche, wenn eine Übergabe innerhalb der Familie nicht möglich ist. Ein Beispiel aus der Oberpfalz zeigt jedoch, dass die Unternehmensnachfolge im Handwerk auch mit einem externen Käufer erfolgreich gelingen kann. Denn nicht nur Qualifikation und Finanzierung, sondern vor allem Vertrauen und gemeinsame Vorstellungen von der Zukunft des Betriebs sind am Ende entscheidend. Genau das zeigt der Fall des Gas- und Wasserinstallateurmeisters Josef Schauer aus Neunburg vorm Wald. Für seinen Betrieb suchte er längere Zeit einen geeigneten Nachfolger. Zwar meldeten sich über die Betriebsbörse der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz verschiedene Interessenten. Doch teilweise fehlte die erforderliche Qualifikation, teilweise lagen die Vorstellungen über die weitere Entwicklung des Unternehmens zu weit auseinander. Für Schauer stand deshalb nicht allein der Verkauf im Vordergrund. Vielmehr sollte der über Jahrzehnte aufgebaute Betrieb langfristig fortgeführt werden.
Betriebsnachfolge: Betriebsbörse bringt Übergeber und Nachfolger zusammen
Die passende Lösung fand sich schließlich mit Marcel Anzenberger. Der Anlagenmechanikermeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik wollte sich unternehmerisch weiterentwickeln, bevorzugte jedoch die Übernahme eines bestehenden Unternehmens gegenüber einer Neugründung. Über die Betriebsbörse der Handwerkskammer kamen beide Seiten zusammen. Bereits beim ersten längeren Gespräch zeigte sich, dass ihre Vorstellungen bei Kundenorientierung, Mitarbeiterführung und Unternehmertum weitgehend übereinstimmten. „Von Tag eins war bei mir und Josef klar: Wir ticken gleich!“, sagt Anzenberger. Inzwischen führt er den Betrieb als Anzenberger Gebäudetechnik GmbH weiter. Mitarbeiter, Kundenstamm und bestehende Aufträge konnten übernommen werden. Gerade die Fortführung langjähriger Kundenbeziehungen hatte für Schauer große Bedeutung. „Ich kenne diese Leute alle persönlich. Es war auch eine Frage der Ehre, sicherzustellen, dass da alles sauber und verlässlich weiterläuft, allein schon in Bezug auf die Gewährleistung.“
Wissenstransfer erleichtert die Unternehmensnachfolge
Mit dem Eigentümerwechsel endete die Zusammenarbeit nicht. Schauer unterstützt seinen Nachfolger weiterhin auf Minijob-Basis bei Büroarbeiten und im Kundenkontakt. Damit bleibt wertvolles Erfahrungswissen im Unternehmen erhalten. Gleichzeitig erleichtert diese Übergangsphase Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern den Wechsel. Gerade für Handwerksbetriebe mit langjährigen persönlichen Kundenbeziehungen kann ein solcher Wissenstransfer ein wichtiger Erfolgsfaktor bei der Betriebsübergabe sein. Dass Kaufpreis und fachliche Qualifikation allein nicht über eine erfolgreiche Betriebsnachfolge entscheiden, bestätigt auch Andreas Keller, Bereichsleiter Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz: „Wenn es menschlich nicht passt, kann es nicht klappen. Gerade die gute Zusammenarbeit zwischen Übergeber und Übernehmer vor und nach der eigentlichen Übergabe ist essenziell, damit eine Betriebsübernahme gut klappt. Das sehen wir in der Betriebsberatung immer wieder. Josef Schauer und Marcel Anzenberger sind dafür ein Paradebeispiel.“ Der Fall zeigt zugleich ein weiteres Problem für die Unternehmensnachfolge im Handwerk. Schauer nennt den hohen bürokratischen Aufwand als einen Grund für seinen Rückzug aus der Selbstständigkeit. Damit wird deutlich: Neben der Suche nach geeigneten Nachfolgern entscheiden auch die wirtschaftlichen und administrativen Rahmenbedingungen darüber, ob Handwerksbetriebe langfristig erfolgreich weitergeführt werden können.

















