Die Bauwirtschaft digitalisiert sich immer noch recht verhalten. Laut einer aktuellen Studie nutzen immer mehr Unternehmen Building Information Modeling (BIM), doch echte Effizienz bleibt aus. Der Grund: fehlende Standards, Wissenslücken bei den Anwendern und mangelhafter Datenaustausch zwischen CAD und AVA bremsen den Fortschritt. Vor allem kleine Betriebe kämpfen mit Medienbrüchen und ungenutzten Potenzialen. Doch wer jetzt in Know-how, Prozesse und offene Schnittstellen investiert, verschafft sich langfristig klare Wettbewerbsvorteile.
Längst ist Building Information Modeling (BIM) mehr als nur ein Trend: Die Digitalisierung der Bauprozesse schreitet mit großen Schritten voran, wie die aktuelle Orca BIM-Studie 2024 eindrucksvoll beweist. Architekten, Fachplaner und Bauingenieure setzen zunehmend auf modellbasierte Planungsmethoden – doch die flächendeckende Umsetzung ist noch lange nicht erreicht. Während sich erste Standards verfestigen, offenbaren sich im Detail weiter strukturelle Schwächen und Wissenslücken, die den Fortschritt bremsen. So gaben rund 39 Prozent der Befragten an, aktuell ein BIM-Projekt zu realisieren oder konkret zu planen. Das ist ein Anstieg gegenüber den Vorjahren, der das wachsende Interesse in der Branche widerspiegelt. Gleichzeitig bewerteten 62 Prozent ihre bisherigen BIM-Erfahrungen als positiv bis sehr positiv. Doch trotz dieser wachsenden Zustimmung ist das digitale Arbeiten längst kein Selbstläufer. Bei zentralen Werkzeugen wie dem BIM-Abwicklungsplan (BAP), den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) oder der Nutzung gemeinsamer Datenumgebungen (CDE) bleibt die Verbreitung noch zurückhaltend.
Mangelnde Standardisierung bremst Effizienz von BIM
Ein Kernproblem bleibt die Interoperabilität zwischen CAD (Computer Aided Design; zu Deutsch: computergestütztes Erstellen von Zeichnungen) und AVA (Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung). Interoperabilität bezeichnet die Fähigkeit verschiedener Systeme, Anwendungen oder Geräte, nahtlos zusammenzuarbeiten und Informationen auszutauschen, ohne dass besondere Anpassungen nötig sind. Zwar setzen viele Büros auf offene Austauschformate wie IFC4 oder DXF/DWG, doch die uneinheitliche Nutzung und fehlende Modellierungsrichtlinien führen immer wieder zu Medienbrüchen. Nur 47 Prozent arbeiten überhaupt nach den Vorgaben ihrer CAD-Anbieter. Für den reibungslosen Datenaustausch und die Qualitätssicherung ist das eine deutliche Last. Doch auch die modellbasierte Qualitätsprüfung ist längst nicht etabliert: Nur 30 Prozent nutzen bereits spezielle Tools zur Kollisionskontrolle und Modellvalidierung. Werkzeuge wie Solibri, Navisworks oder BIM Vision bleiben Nischenprodukte. Der flächendeckende Einsatz scheitert häufig an fehlendem Know-how oder knappen Ressourcen – vor allem in kleineren Büros.
Nachhaltigkeit bleibt Nebenschauplatz
Beim nachhaltigen Bauen schöpft die Branche das Potenzial der BIM-Methodik ebenfalls noch nicht hinreichend aus. Lediglich 14 Prozent haben bisher ein Projekt mit Nachhaltigkeitszielen über BIM umgesetzt. Dabei bieten digitale Gebäudemodelle enorme Chancen – etwa zur Optimierung des Energiebedarfs, für Ökobilanzen oder die Wiederverwendbarkeit von Materialien. Die Mehrheit sieht hier theoretisch hohes Potenzial, doch die praktische Umsetzung hinkt hinterher.

















