Blaue Plakette führt zum Berufsverbot im Handwerk

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Foto: Roland Riethmüller

Wenn künftig nur noch Fahrzeuge mit blauer Plakette in die Innenstädte fahren dürfen, wird das Handwerk dort kaum noch seinen Beruf ausüben können. So stoßen die verschärften Grenzwerte für den Stickoxide-Ausstoß auf deutlichen Widerstand, da sie ohne Ausnahmeregelung immense Mehrkosten im Handwerk verursachen. Einhellig warnen die Handwerksverbände daher vor einer überstürzten Einführung.

Die Umweltminister der Länder hatten im April einstimmig die Einführung einer blauen Plakette beschlossen. Demnach dürfen Kommunen künftig die Einfahrt in stark mit Feinstaub belastete Stadteile einschränken. Einen Zugang sollen nur Fahrzeuge erhalten, die der Schadstoffnorm Euro 6 entsprechen. Allerdings erfüllt aktuell kaum ein dieselbetriebenes Fahrzeug die dafür geltenden strengen Grenzwerte.

Mangelnde Mobilität schränkt Berufsausübung ein

Viele Handwerksbetriebe planen ihren Fuhrpark auf acht Jahre und länger. Eine Einführung ohne Ausnahmen komme für viele Handwerker mit dieselbetriebenen Fahrzeugen einem Berufsverbot gleich, bemängelt Rainer Reichhold, Landeshandwerkspräsident vom Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT). Thomas Peckruhn, Landesinnungsmeister des Kfz-Handwerks in Sachsen-Anhalt, vergleicht die neue Regelung sogar mit einer Enteignung: “Alle, die erst jüngst ein Fahrzeug mit Dieselmotor gekauft haben, sollten darauf vertrauen können, dieses Fahrzeug über die übliche Zeit zu nutzen.”

Handwerk fordert Verlässlichkeit und Planbarkeit von der Politik

Das Handwerk warnt daher eindringlich vor einer überstürzten Einführung der blauen Plakette und fordert entsprechende Übergangsfristen zur Berücksichtigung der Investitionszyklen. Gleichzeitig dürfe die Umweltdiskussion nicht auf dem Rücken der Betriebe ausgetragen werden, betont Reichhold. Denn die Bürger und Unternehmer dürfen nicht für die Fehler der Politik verantwortlich gemacht werden. So verweist auch Hans-Jörg Schuster, Präsident des Handwerkstages Sachsen-Anhalt, auf die Widersprüchlichkeit der politischen Regelungen: “Der Dieselmotor trägt durchaus zur Verringerung des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr bei. Wer diesen Antrieb zugunsten eines Benzinmotors zurückdrängt, widerspricht den eigenen Vorgaben.”

Das Handwerk fordert stattdessen mehr Engagement bei der technologischen Entwicklung und bei der Förderung der Infrastruktur für Elektromobilität.

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