Blindgänger - wie sicher ist der Tiefbau?

News | Stephan Gruber | 02.06.2010 Bild zu: Blindgänger - wie sicher ist der Tiefbau?
Thorben Wengert / pixelio.de

Immer wieder verursachen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg für böse Überraschungen bei Grabungsarbeiten. Patronen, Granaten und Bomben aus der Vergangenheit die gar nicht oder nicht vollständig explodiert sind bergen eine große Gefahr im Tiefbau.

Aktuell forderte die Entschärfung einer Fliegerbombe in Göttingen drei Todesopfer. Die Umgebung rund um den Explosionsort wurde großflächig abgesperrt. Einige Stunden später konnten die rund 7000 Bürger, die ihre Häuser auf Grund der geplanten Entschärfung verlassen mussten, in ihre Häuser zurückkehren. Drei Kampfmittelspezialisten sind am Abend des 01.06.2010 ums Leben gekommen. Zudem wurden zwei Personen schwer verletzt und einige leicht. Bereits 24 Stunden später sind alle außer Lebensgefahr. Der Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg detonierte etwa eine Stunde vor einer geplanten Entschärfung. Zu diesem Zeitpunkt hatte keiner der Verunglückten direkt an der Zehn-Zentner- Bombe gearbeitet. Die mit einem Säurezünder ausgestattete Bombe war auf dem Göttinger Schützenplatz in sieben Metern Tiefe entdeckt worden. Als hochgefährlich wurde die Situation von den Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes eingestuft. "Der Blindgänger sollte mit einem neuartigen ferngesteuerten Roboter entschärft werden. Er war vor wenigen Tagen beim Fund einer weiteren Bombe in unmittelbarer Nähe zum ersten Mal in Göttingen im Einsatz. Der Roboter war mit einem Wasserschneidegerät ausgerüstet, das seit Jahresbeginn mehrfach erfolgreich erprobt wurde" so ein Sprecher der Stadt Göttingen.

Im gesamten Bundesgebiet stellen heute noch Blindgänger nach nun mehr als 60 Jahren nach dem zweiten Weltkrieg ein erhebliches Risiko im Tiefbau dar. Gerade in industriellen Ballungsräumen die vorrangig von den alliierten Luftangriffen betroffen waren, finden sich viele Blindgängern im Erdreich. Leider werden die meisten Blindgänger unabhängig von der gezielten Suche bei Baumaßnahmen entdeckt. Es muss davon ausgegangen werden, dass etwa 15 % der von den Alliierten abgeworfenen Fliegerbomben nicht sofort explodiert sind. Mit Bildverarbeitungsprozessen können konkrete Verdachtspunkte von Blindgängern auf historischen Luftbildern für die gezielte Suche auf Baugrundstücken identifiziert werden. Fast alle Bomben und Granaten bestehen aus ferromagnetischem Stahl. Diese besondere Sorte Stahl bewirkt eine Störung des normalerweise homogenen Erdmagnetfeldes an der Oberfläche. Durch die Hilfe von Magnetometern lassen sich diese Störungen sehr genau nachweisen, so dass sich Blindgänger in Abhängigkeit ihrer Größe in bis zu 6 m Tiefe entdecken lassen.

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