Brücken bedroht - Bauwirtschaft kritisiert Holzschwertransporte

News | Frank Kessler | 15.06.2020
Brücken bedroht - Bauwirtschaft kritisiert Holzschwertransporte
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Die Brücken in Deutschland, besonders in Baden-Württemberg, sind in einem sehr schlechten Zustand. Es wundert daher, dass viele Holzschwertransporte eine pauschale Ausnahmegenehmigung zum Straßentransport erhalten. Die Brückenbelastung bei Schwertransporten ist oftmals zu hoch und führt zu deutlichen Schäden. Überhaupt zeigt der Zustandsbericht von 2018, dass die Hälfte der Brücken nur eine Zustandsnote von ausreichend bis schlecht bekommen haben. Deshalb wird gefordert, Holz anders zu transportieren.

Mit Verwunderung verfolgt die Bauwirtschaft Baden-Württemberg die Diskussion um eine pauschale Ausnahmegenehmigung von Schwertransporten. Bereits seit einiger Zeit nimmt die Zahl der Schwertransporte von Langholz in beängstigendem Maße zu. Dabei werden die Laster oft mit bis zu 44 Tonnen beladen. Ende Mai ist die Ausnahmeregelung ausgelaufen. Beim Schwerlastverkehr sind in der Regel nur bis zu 40 Tonnen Schwerlast zugelassen. Das hat auch seinen Grund, denn in Baden-Württemberg sind diese Übergangswege in einem sehr schlechten Zustand. Allein schon aus diesem Grund dürften sie eigentlich nicht mit überhöhtem Gewicht belastet werden.

Brücken nicht unnötig mit Holzschwertransporten belasten

Der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Thomas Möller, hält dieses Vorgehen für unverantwortlich und verweist auf das hohe Alter vieler Brücken. Der größte Teil wurde in den 70er Jahren gebaut und ist für die heutige Schwerlast überhaupt nicht konstruiert. Bereits die normale Anzahl an Lkws kann zu einem großen Problem werden. Altersschwache Brücken sollten nicht noch zusätzlich belastet werden. In diesem Zusammenhang verweist Möller auf den Zustandsbericht aus dem Jahr 2018 des Verkehrsministeriums. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden nur Zustandsnoten von ausreichend bis schlecht vergeben.

Verantwortungsbewusst handeln und gefährdete Brücken entlasten

Trockenheit, Borkenkäferbefall oder Unwetter fordern eine rasche Lösung für den Abtransport gefällter Bäume. Doch für den notwendigen Transport gäbe es andere Lösungen. "Holz ist teilbar. Deshalb einfach ein paar Holzstämme weniger auf den Tieflader legen, einige Fahrten mehr einplanen und die besonders gefährdeten Brücken möglichst umfahren”, so Möller. “Das entlastet den Wald und zugleich unsere maroden Brückenbauten."

Dringende Sanierung gefordert

Die Investitionen zur Sanierung sind bereits angekündigt. Unabhängig von der jetzigen Diskussion muss deshalb dringend saniert werden. Die Brückenbelastung der Holzschwertransporte ist sonst mit einem hohen Risiko behaftet. Eine pauschale Ausnahmegenehmigung für die Schwertransporte über 40 Tonnen ist deshalb der falsche Weg, denn es besteht die Gefahr, dass die Mehrlasten einfach nicht mehr zu tragen sind. Eine Sanierung ist dringend erforderlich.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Wolfgang Blume am 16.06.2020 )

Was erwarten wir eigentlich von den Bundesministern (BMI + BMVI) aus dem Freistaat Bayern? Vorausschauen ist wohl nicht deren Stärke!? Sollten irgendwann Brücken einstürzen und Menschen dabei zu Schaden kommen werden wohl beide Herren die Schuld nicht bei sich suchen. Oder?? Ein zielgerichtetes Handeln ist gefordert! M.b.G. W.B.

  (Geschrieben von Johannes Brinkrolf am 26.06.2020 )

Hallo,

bei den pauschalen Sondergenehmigungen müsste genau hinterfragt werden, welche Achslasten die Fahrzeuge bei welchem Gesamtgewicht haben.

Ein gut konstruierter der LKW mit 60 Tonnen kann bei entsprechender Anzahl Achsen und Achslasten weniger Straßenschäden verursachen als ein Standard 40 Tonner.

Beim Überrollen einer Brücke entstehen dynamische Schwingungen, und hier ist dann in dem Moment der Überrollung von der Straße auf die Brücke die jeweilige Achslast relevant.

Viele Länder der Welt machen vor, wie man bessere LKW baut als wie sie bei uns in der Bundesrepublik zugelassen sind. Siehe Skandinavien Kanada USA oder Neuseeland aber auch Brasilien.

Ich möchte darauf hinweisen, dass die zuständige EU-Richtlinie ja den grenzüberschreitenden Verkehr regelt. Das heißt aber jedes EU Mitgliedsland kann innerhalb seiner Grenzen sehr wohl verschiedene Maße und Gewichte zulassen, was die meisten Länder mit Ausnahme der Bundesrepublik auch machen. 

Viele Grüße

Johannes Brinkrolf 

 

 

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