Bürokratie kostet Bauwirtschaft Milliarden

Foto: Roland Riethmüller

Die Bauwirtschaft in Deutschland kämpft weiterhin mit wachsender Bürokratie. Statt eines Abbaus sind die administrativen Aufgaben in den letzten sechs Jahren deutlich angestiegen und hindern dadurch die Bauwirtschaft am Wachstum. Laut dem aktuellen Schwarzbuch belasten vor allem die steigende Dokumentationspflichten und ineffiziente Vergabeverfahren. Mit dem 3V-Modell aus Verringerung, Vereinfachung und Vernetzung werden konkrete Maßnahmen gefordert, um die Branche zu entlasten und Kosten in Milliardenhöhe zu senken. 

Auch weiterhin wird die Bauwirtschaft in Deutschland durch zu viel Bürokratie ausgebremst. Das ist das Ergebnis des zweiten Schwarzbuches des Bauindustrieverbandes Ost (BIVO). Die Ausgabe knüpft an die erste Auflage aus dem Jahr 2018 an. Die Basis sind Befragungen von Bauunternehmen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis zeigt, dass seitdem statt eines Abbaus die Bürokratie noch weiter angewachsen ist und die regulatorischen Anforderungen weiter angestiegen sind. Das belastet die Bauwirtschaft zunehmend. „Dokumentations- und Nachweispflichten, lange Bearbeitungszeiten, aufgeblähte Vergabeverfahren sowie uneinheitliche Länderregelungen gehören auch im Jahr 2024 zu den größten bürokratischen Herausforderungen der Bauunternehmen“, erklärt BIVO-Hauptgeschäftsführer Robert Momberg. Weiter betont er, dass der Anstieg des bürokratischen Aufwands an den Mitarbeiterzahlen abzulesen sei. So waren im Jahr 2018 rund fünf Prozent der Angestellten mit Verwaltungsaufgaben betraut. Dieser Anteil ist im Jahr 2024 sogar auf 7,5 Prozent gestiegen. Im Klartext heißt das, dass rund 25.000 Mitarbeiter rein administrative Arbeiten ausführen.

Gestiegene Kosten bei der Umsetzung der Bürokratie

Ein Problem sind die Kosten bei der Umsetzung des bürokratischen Aufwands. Laut Momberg hätten sich demnach der Gesamtbetrag von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 erhöht. Aufgrund dieser Entwicklung hätten 60 Prozent der Bauunternehmen beschlossen, an öffentlichen Ausschreibungen gar nicht mehr teilzunehmen. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, dass hier Handlungsbedarf zur Entlastung der Bauwirtschaft bestehe. 

3V-Modell soll Bürokratie entlasten

Der BIVO bietet konkrete Lösungsvorschläge an. Im Mittelpunkt dieser Lösungsvorschläge steht das „3V-Modell“. Das bedeutet Verringerung, Vereinfachung und Vernetzung. Die Genehmigungsverfahren müssten vereinfacht und beschleunigt werden, damit sie verständlicher und nicht so zeitaufwendig sind. Um die Bürokratie zu reduzieren, sollten laut Momberg die Formulare einheitlich sein, um den Unternehmen Zeit und Kosten zu ersparen. Zudem müssten die Verwaltungsabläufe besser vernetzt werden, was dazu führt, dass Zuständigkeitsprobleme reduziert und die Entscheidungsprozesse deutlich beschleunigt werden.

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