Bungalow im 3D-Betondruck - innovatives Projekt in Eindhoven

News | Frank Kessler | 12.05.2021
Bungalow im 3D-Betondruck - innovatives Projekt in Eindhoven
Foto: TU Eindhoven

Die felsenartige Form des Bauwerks ist ebenso ungewöhnlich wie seine Entstehungsgeschichte. In Eindhoven erhielten Ende April die ersten Mieter ihre Schlüssel für ein im 3D-Betondruck erbautes Gebäude. Dabei wurden die einzelnen Bestandteile des Bauwerks modular vorgefertigt und erst auf der Baustelle zusammengesetzt. Entwickelt wurde es im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts "Milestone", in dessen Verlauf insgesamt fünf innovative Häuser entstehen werden.

Bei dem jetzt im 3D-Betondruck entstandenen Haus handelt es sich um ein einstöckiges und freistehendes Gebäude, das im Eindhovener Landschaftspark Meerhoven steht. Der Bungalow in Form eines großen Felsens bietet seinen Bewohnern ein geräumiges Wohnzimmer sowie zwei Schlafzimmer und hat eine Nettogrundfläche von insgesamt 94 Quadratmetern. Die ersten Mieter des Hauses sind die Künstlerin Elize Lutz und ihr Ehemann Harrie Dekkers. Eine besondere Herausforderung für das Projekt waren die geneigten Flächen des energieeffizienten, komfortablen und unregelmäßig geformten Hauses. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten aus den letzten Jahren haben aber dazu geführt, dass man Beton heute in vielen unterschiedlichen Formen drucken kann. Das bietet viel Raum für eine individuelle Architektur.

3D-Betondruck bietet viele Vorteile

Für den Bau des Bungalows entstanden insgesamt 24 Bauelemente im 3D-Druck-Verfahren mit Beton. Diese Elemente gelangten anschließend auf Lastkraftwagen zur Baustelle und wurden dort auf einem Fundament zusammen mit einem Rahmen und einem Dach zu einer Einheit zusammengefügt. Der 3D-Betondruck bietet den Projektverantwortlichen flexible Möglichkeiten für personalisierte Hausdesigns. Darüber hinaus reduziert er den Betonbedarf und ermöglicht dadurch besonders nachhaltige Bauprojekte. Für die am Projekt beteiligten Akteure soll der 3D-Betondruck zudem einen Beitrag zur Lösung des Wohnungsmangels leisten.

Geplant sind auch zwei- und dreigeschossige Bauwerke

Nach dem ersten realisierten Bauwerk entstehen im Rahmen des Projekts "Milestone" vier weitere. Nicht alle sollen nur einstöckig sein. Gebaut werden auch zwei- und dreigeschossige Häuser im 3D-Betondruck-Verfahren, was nochmals eigene Herausforderungen für die Realisierung birgt. Die treibende Kraft bei der Erforschung und Weiterentwicklung von Modellen für den 3D-Betondruck ist beim Projekt "Milestone" ein Forschungsteam rund um Professor Theo Salet von der TU Eindhoven. An der Entwicklung der Drucktechnologie war zudem das niederländische Unternehmen Saint-Gobain Weber Beamix beteiligt, das zusätzlich die für den 3D-Betondruck erforderlichen Spezialtypen von Betonmörtel produziert hat.

Prototyp für die schnelle Realisierung von bezahlbarem Wohnraum

Das große Ingenieurbüro Witteveen+Bos kümmerte sich um die Gebäudetechnik und strukturelle Aspekte des Projekts. Projektleiter beim Bau des jetzt erstellten Hauses war die Baufirma Van Wijnen. Der Eigentümer ist der Wohnimmobilieninvestor Vesteda, während die Stadt Eindhoven unter anderem als Mitinitiator und Innovationsförderer fungiert hat. Für Yasin Torunoglu, Eindhovens Stadtrat für Wohnungsbau und räumliche Entwicklung, setzt das jetzt entstandene 3D-gedruckte Haus wichtige Akzente für die Zukunft: für eine schnelle Realisierung erschwinglicher Häuser, bei der die künftigen Besitzer weitgehend Kontrolle über die Form ihres eigenen Hauses haben.

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