Corona-Schock begünstigt Digitalisierung am Bau

News | Frank Kessler | 06.04.2020
Corona-Schock begünstigt Digitalisierung am Bau
Foto: Roland Riethmüller

Die Baubranche ist immer noch sehr analog. Das rächt sich jetzt, denn in Österreich sind seit einigen Wochen viele Großbaustellen verwaist. Das liegt im wesentlichen daran, dass der Branche die notwendigen Unterlagen nur analog vorliegen. Mobiles arbeiten ist mangels Digitalisierung nicht möglich. In Zukunft wird sich das jedoch ändern. Um nicht noch einmal solch einen Stillstand erleben zu müssen, wird es am Bau demnächst digitaler zugehen.

In Zukunft müssen Bauwerksbücher und Gebäudedokumentationen vom Bau verschwinden. Nur unter diesen Voraussetzungen kann ein Stillstand auf den Baustellen in Krisenzeiten verhindert werden. Liegen alle Unterlagen in digitaler Form vor, kann von jedem Standort aus damit gearbeitet werden. Somit würde quasi auch das Home-Office möglich werden. Digitale Daten können von überall abgerufen werden. Eine Bearbeitung ist dann auch direkt vor Ort möglich. Denn haben die Mitarbeiter auf den Baustellen keinen Zugriff auf die Daten, stehen die Arbeiten still. Sicherheitsrelevante Termine werden nicht wahrgenommen, da Papierdaten nicht über ein Tablet, Smartphone oder PC abgerufen werden können. Bei einem digitalen Haus sieht das anders aus. Alle relevanten Daten können digital abgerufen werden, was Geld und Zeit spart.

Bau wird smart und digital

In Zukunft wird die Bau- und Immobilienbranche smart und digital werden, prognostiziert Thomas Korol, Geschäftsführer der ISHAP Gebäudedokumentation. Durch die Digitalisierung kann ein Gebäude nicht nur für die Bauzeit sondern auch für den kompletten Lebenszyklus digitalisiert und vereinfacht werden. Eine cloudbasierte Software digitalisiert und vernetzt das Verwaltungs-, Facility-, Maintenance- und Aufgabenmanagement. Für die Handwerker und Servicedienstleister bringt das auch enorme Vorteile. Wartungsarbeiten können somit digital und rechtssicher erfüllt werden.

Corona-Schock liefert Argumente für digitales Bauen

Trotz Building Information Modeling (BIM) liegen leider auf den Baustellen immer noch viele Unterlagen in Papierform vor. Somit sind sie für die Mitarbeiter im Home-Office nicht verfügbar. Trotz der Corona-Krise wären die Arbeiten an einem Neubau oder dem digitalen Haus ohne weiteres möglich. Musste es erst einen Corona-Schock geben, um die Vorteile des digitalen Bauens zu erkennen? Wenn die Krise beendet ist, wird sich das sicherlich ändern, denn viele haben erkannt, was durch die digitale Bauweise auch in Krisenzeiten möglich ist. In solchen Zeiten wie jetzt müssen die Arbeiten nicht eingestellt werden sondern können wie gewohnt weiterlaufen. Was jetzt still steht, kostet nicht nur Zeit sondern auch viel Geld. Das hätte man sich sparen können.

Den Betrieb jetzt für die Zukunft fit machen

Und so hat die Krise doch noch etwas Gutes. Denn vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) haben die Digitalisierung bisher immer wieder vor sich hergeschoben. “Ich komme selbst aus dem Mittelstand und kenne daher die Herausforderungen genau: kleines Budget, viel Papierkram und eine schwierige Suche nach Kunden und Mitarbeitern“, weiß Stefan Müller, Geschäftsführer der MittelstandsAgenur. Genau deshalb mahnt der Digitalisierungsexperte dazu, den Betrieb jetzt für die Zukunft fit zu machen. Immerhin gab es schon lange vor der Corona-Krise das Förderprogramm go-digital vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Um am Ende gestärkt aus der Krise hervorgehen, hilft die Digitalisierungsstrategie bei der Mitarbeiter- und Neukundengewinnung, Umsatzsteigerung, Prozessoptimierung und Produktivitätserhöhung.

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