Trotz schwacher Baukonjunktur zeigt sich das Dachdeckerhandwerk erstaunlich robust. Der Umsatz bleibt mit 13,5 Milliarden Euro stabil, während die Insolvenzquote niedrig ist. Besonders auffällig entwickelt sich die Ausbildung: Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse erreicht den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Damit setzt die Branche trotz Fachkräftemangel und rückläufiger Beschäftigung ein wichtiges Signal für die Zukunft und stemmt sich gegen den allgemeinen Abwärtstrend am Bau.
Das Dachdeckerhandwerk behauptet sich trotz der anhaltenden Schwäche am Bau vergleichsweise stabil, meldet der Online-Verlag Provimedia. Während der Umsatz des Jahres 2025 auf Vorjahresniveau blieb und die Zahl der Beschäftigten leicht zurückging, setzt die Branche ein deutliches Signal beim Nachwuchs. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse erreichte den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Gleichzeitig blieb die Insolvenzquote niedrig. Damit zeigt sich das Dachdeckerhandwerk robuster als die schwierige Baukonjunktur vermuten lässt. Denn nach vorläufigen Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 13,5 Milliarden Euro. Damit stagnierte der Umsatz gegenüber dem Jahr 2024. Zum Jahresende waren 15.241 Dachdeckerbetriebe in der tariflichen Sozialkasse registriert. Die Branche ist dabei weiterhin stark mittelständisch geprägt: Rund 78 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als zehn Personen.
Dachdeckerhandwerk setzt verstärkt auf Ausbildung
Bei der Beschäftigung macht sich die schwache Baukonjunktur dennoch bemerkbar. Die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer sank im Jahr 2025 um ein Prozent auf 61.723. Gleichzeitig entwickelte sich die Ausbildung deutlich positiver. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse erreichte den höchsten Stand seit dem Jahr 2003. Besonders kräftig fiel der Zuwachs bei den neuen Nachwuchskräften aus: Im ersten Lehrjahr gab es 10,8 Prozent mehr Auszubildende. Damit könnte sich im Dachdeckerhandwerk ein Generationenwechsel abzeichnen. Trotz stagnierender Erlöse investieren die Betriebe in Fachkräfte, die erst in einigen Jahren vollständig zur Verfügung stehen. „Ein Handwerk, das bei stagnierendem Umsatz mehr Lehrlinge einstellt, wettet auf die nächsten Jahre“, erklärt Provimedia-Geschäftsführer Alexander Weipprecht. „Das ist die belastbarere Aussage als jede Umsatzzahl.“
Niedrige Insolvenzquote zeigt robuste Betriebe
Auch bei den Unternehmensinsolvenzen präsentiert sich das Dachdeckerhandwerk stabil. Im vergangenen Jahr wurden 105 Insolvenzeröffnungen registriert. Bezogen auf die Zahl der Betriebe entspricht das einer Quote von lediglich 0,7 Prozent. Damit kamen rechnerisch 99,3 Prozent der Unternehmen durch das Jahr. Ein Grund für die Widerstandsfähigkeit könnte die kleinteilige Betriebsstruktur sein. Kleine Unternehmen verfügen häufig über geringere Fixkosten und können ihre Kapazitäten schneller an eine veränderte Auftragslage anpassen. Gerade in einem stagnierenden Markt kann diese Flexibilität zum Vorteil werden.
Sanierung gewinnt gegenüber Neubau an Bedeutung
Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der Aufträge. Die Branchenzahlen unterscheiden zwar nicht zwischen Neubau, Sanierung und zusätzlichen Arbeiten wie der Montage von Photovoltaikanlagen. Allerdings gewinnt das Bauen im Bestand angesichts des schwachen Neubaus an Gewicht. Für Dachdecker bedeutet das zunehmend Arbeiten an vorhandenen Gebäuden, von der klassischen Dachsanierung bis zur Installation von Halterungssystemen für Solarmodule. Wie nachhaltig diese positive Entwicklung beim Nachwuchs ist, dürften die nächsten Branchenzahlen zeigen. Bleibt die Ausbildungsbereitschaft hoch, könnte sich das Dachdeckerhandwerk trotz schwieriger Baukonjunktur eine wichtige Grundlage für die kommenden Jahre schaffen.

















