Deutlicher Anstieg im Mehrgeschossbau - Hochhäuser im Trend

News | Roland Riethmüller | 20.01.2022

Hochhäuser genießen in Deutschland keinen guten Ruf und wurden daher in den letzten Jahren kaum neu gebaut. Doch die Zeiten und die Notwendigkeiten ändert sich. Die hohe Wohnungsnachfrage bei knappem Bauland und dem politischen Willen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erfordert ein Umdenken. Aus wirtschaftlichen Gründen kommt man folglich kaum um den Neubau von Hochhäusern drum herum.

In den letzten Dekaden wurden Hochhäuser in Deutschland eher rückgebaut als neu gebaut. So dominiert in der heutigen Zeit in Deutschland flächenmäßig der Eigenheimbau mit ein oder zwei Vollgeschossen. Betrachtet man die genehmigten Gebäude im Wohnungsneubau hinsichtlich ihrer Geschosszahl, sind richtige Hochhäuser bei Baugenehmigungen eher die Ausnahme. Doch dies wird sich in den nächsten drei Jahren deutlich ändern, prognostiziert das Marktforschungsinstitut BauInfoConsult. Schon für das vergangene Jahr 2021 wird mit einem ersten Anstieg der Fertigstellungen im Segment der Gebäude mit acht oder mehr Stockwerken gerechnet. Dieser Trend wird sich bis zum Jahr 2023 weiter verstärken. Die Düsseldorfer Marktforscher gehen sogar von einem kräftigen Wachstum in zweistelliger Höhe aus.

Knappes Bauland zwingt zum Umdenken

Der Grund für den deutlichen Anstieg der Flächen im Hochhaussegment liegt zum einen an der Knappheit von Bauland und den stetig steigenden Bau- und Grundstückspreisen. Gerade in Ballungsgebieten mit hoher Wohnungsnachfrage und geringem Bauflächenangebot haben Immobilienentwickler kaum eine andere Möglichkeit. Soweit die lokale Bauordnung es zulässt, müssen sie den Platz optimal verdichten. Doch der Bau von Hochhäusern hat für Investoren auch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Er bietet genügend Platz, um neben lukrativen Eigentums- oder Mietwohnungen im hochpreisigen Bereich auch eventuelle Auflagen der Kommune zu erfüllen. Dazu zählen neben einer Mindestanzahl an Sozialwohnungen oft auch die Berücksichtigung einer entsprechenden Fläche für eine Kita.

Hochhäuser ermöglichen bezahlbaren Wohnraum

Doch das Segment der Hochhäuser erhält darüber hinaus auch durch den politischen Wind aus Berlin Auftrieb. Mit dem im Koalitionsvertrag angekündigten “Bündnis für bezahlbaren Wohnraum” steigt die Notwendigkeit, die Fertigstellungen im Wohnungsbau schnell zu erhöhen. Dabei sind bereits finanzielle Förderungen im Bereich des sozialen Wohnungsbaus im Gespräch, um den Bau von 100.000 öffentlich geförderten Wohnungen zu bezuschussen. Bei dem knappen Angebot an Bauland in Ballungsgebieten kann dies ohne Hochhäuser kaum effizient gelingen.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 20.01.2022 )

Ist HÖHER >wirklich< der d. Traum „und Beweis“ vom billiger/schneller/besser/... Bauen /  Wohnen u. Leben?

Es fehlt der Hochhaus-Beweis - versus - z.B.:

https://www.1730live.de/bauherren-und-bauunternehmer-unter-kostendruck/

...

Einfamilienhaus mit 100 Quadratmeter Wohnfläche und einem zum Ausbau vorbereiteten Dachgeschoss für damals 115.000 € (PS: 1985-87 – aber … im Dez. 2000 waren es nur noch 890€/m2 Wfl. ...). Da sollten wir uns daran erinnern, das sollten wir wieder angehen. Dann haben wir auch eine Chance, bezahlbaren Wohnraum herzustellen.

+

https://www.zdf.de/politik/kontext/theo-koll-kontext-wohnungsnot-deutschland-100.html

  (Geschrieben von Schmidt Karl am 23.01.2022 )

Solang es schick ist sich gegen jedes neue Bauvorhaben in Form von Unterschriftenaktionen oder Protestmärschen zu wehren und solang die Medien solche Verhinderer bejjubeln - und auch weil oft eh Platz nach oben wäre - solang ist es sinnvoll, aufzustocken wo immer möglich. Das wird zwar auch ein paar Leute stören - aber es dürfte immer noch einfacher sein als irgendwo neu auf der grünen Wiese zu bauen.
Dazu muß wohl auch manchmal der Denkmalschutz ein Auge zudrücken und 5 grade sein lassen. Weil viele aufstockbare Objekte stehen ja unter Denkmalschutz. Wo nicht wirklich ein ganzes Ensemble oder ganze Straßenzüge dadurch gestört werden sollte es halt möglich sein, in die Höhe zu bauen.
Statisch ist das ja mit Holzbauweise oder durch das Verbauen von Hohlkörpern in Betondecken längst möglich. siehe https://www.daliform.com/de/einwegschalung-fur-leichtgewichtige-plattendecke/

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