Deutschland baut zu langsam - Wohnungsbau braucht mehr Effizienz

News | Frank Kessler | 27.06.2018 Bild zu: Deutschland baut zu langsam - Wohnungsbau braucht mehr Effizienz
Foto: Roland Riethmüller

Noch immer ist bezahlbarer Wohnraum in Großstädten und Ballungsgebieten Mangelware. Die Immobilienwirtschaft äußerte kürzlich Befürchtungen, dass sich dies auch auf absehbare Zeit nicht ändern wird. Stadtentwicklung, Planung und Bau von neuem Wohnraum erfolge demnach schlicht zu langsam. Ein neuer Kommunalrat soll nun die Prozesse verschlanken, schnellere Entscheidungen herbeiführen und die Effizienz beim Planen und Bauen erhöhen.

Als Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss erklärt Dr. Andreas Mattner, dass das Ziel, 1,5 Millionen Wohnungen in 4 Jahren zu errichten, nur erreicht werden könne, wenn schnelle Entscheidungen, schlanke Prozesse und eine gesteigerte Effizienz in den Bereichen Planen und Bauen angestrebt werde. Die Prozess- und Baubeschleunigung solle auch mithilfe des neu gegründeten Kommunalrats erreicht werden. Bei dem Tag der Immobilienwirtschaft stellte er den Kommunalrat erstmals vor. Er hofft, dass die enge Zusammenarbeit von Experten aus der Immobilienwirtschaft, Landräten, Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Stadtentwicklung das gemeinsame Ziel beim Wohnungsbau schneller erreicht. Dr. Eva Lohse ist die Vorsitzende (vormals Präsidentin des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeisterin a. D. von Ludwigshafen), Prof. Dr. Jürgen Bruns-Berentelg ist ihr Stellvertreter, er war Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH. Hinzu kommen 12 Unternehmenslenker und 19 bekannte Spitzen der Kommunen.

Täglich fehlen mehr Wohnungen

Momentan ist die Lage der Städte und Gemeinden in Deutschland schwierig und spitzt sich jeden Tag weiter zu. Möglichkeiten der Nachverdichtung und Aufstockung werden daher beim Wohnungsbau ebenfalls diskutiert. Als erstes Gremium Deutschlands tritt der Kommunalrat der ZIA gemeinsam auf, um die Kommunikation zwischen Kommunalpolitik und Immobilienwirtschaft zu fördern. So können in den nächsten Monaten Vorschläge gemeinsam erarbeitet werden, damit es zu einer Beschleunigung der Prozesse kommt und die Entwicklungen von Städten und Gemeinden nachhaltiger angegangen werden kann. Um die Bedürfnisse der Einwohner effektiv befriedigen zu können, gab die ZIA eine repräsentative Civey-Umfrage in Aufrag. Diese zeigte, dass ältere und sehr junge Einwohner zufrieden mit ihrer Wohnsituation sind. Aber Einwohner in Regionen mit hoher, bis sehr hoher Bevölkerungsdichte sind eher unzufrieden. Häufig seien demnach die Wege zwischen Wohnung und Arbeit zu lang. Mehr als 50 Prozent der Befragten in Ballungsräumen würden daher gerne ihre Wohnung wechseln. Die Nähe zur Innenstadt und zum Arbeitsplatz wird bevorzugt. Dafür wird sogar ein höherer Lärmpegel hingenommen.

Die Stadtentwicklung und Wohnungsbau soll zu kurzen Wegen führen

Kurze Wege stehen auf der Wunschliste der Einwohner an erster Stelle. Daher sieht Mattner das Ziel vor Augen, bei moderner Stadtentwicklung diesem Wunsch der Bevölkerung zu entsprechen. Es muss eine gesunde Durchmischung bei der Stadtplanung berücksichtigt werden. Wohnen, Erholen, Versorgen und Arbeiten sollen nah beieinander und ohne Auto erreichbar sein. Um dieses Ziel erreichen zu können, werden flexiblere Rahmenbedingungen von der Immobilienwirtschaft benötigt. Ein ganzheitliches Wachstum der Städte wird daher notwendig. Einzelne Inselprojekte bringen beim intelligenten Wohnungsbau keine Lösungen. Dazu gehört auch eine Senkung der Reglementierungen. “Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die politischen Auflagen an das Bauen in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben und zu einer mitunter deutlichen Verteuerung geführt haben”, erklärt Mattner. “Während wir 1990 noch etwa 5.000 Normen beachten mussten, sind es heute rund 20.000.” Um die Kostenspirale zu stoppen, müssten daher die politischen Rahmenbedingungen für moderne Ansätze wie serielles Bauen, digitale Baugenehmigungsprozesse und weiterer Genehmigungen für energieeffiziente Innovationen geschaffen werden. Die Harmonisierung der Landesbauordnungen würde demnach helfen, Kosten und Aufwand einzusparen.

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