Die Zahl der Baugenehmigungen ist auf einem historischen Tiefstand. Umso wichtiger sind daher schnellere Verfahren und der konsequente Abbau der Bürokratie. In einer feierlichen Auszeichnung wurden nun erstmals die fortschrittlichsten Landesbauordnungen Deutschlands prämiert. Berücksichtigt wurden konkrete Maßnahmen, die Bauprojekte vereinfachen, Investitionen erleichtern und die Digitalisierung vorantreiben. Die prämierten Bundesländer setzen neue Maßstäbe und liefern praxisnahe und übertragbare Lösungen mit Vorbildcharakter für die Krise am Bau.
Angesichts des dramatischen Rückgangs der Baugenehmigungen auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren hat der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) im Rahmen des Tags der Immobilienwirtschaft erstmals herausragende gesetzgeberische Lösungen im Bauordnungsrecht ausgezeichnet. Mit dem Wettbewerb „Ausgezeichnet geregelt – Die innovativsten Bauordnungen Deutschlands“ würdigt der ZIA konkrete Reformansätze, die Bauprozesse vereinfachen, Genehmigungsverfahren beschleunigen und Investitionen fördern. In Zeiten wachsender Wohnungsnot sendet der Verband damit ein klares Signal für mehr Modernisierung und Klarheit im föderalen Bauordnungsrecht. „Es ist spannend zu sehen, welche Aufbruchstimmung in einigen Bundesländern entstanden ist, um die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen und so den Wohnungsbau anzukurbeln und den Umbau auch von Gewerbe zu erleichtern“, erklärt ZIA-Präsidentin Iris Schöbel und fordert die praxisorientierte, innovative und zukunftstaugliche Ausgestaltung im Bauordnungsrecht.
Innovative Ansätze für schnellere Baugenehmigungen
Da bereits alle Bundesländer Maßnahmen zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren eingeleitet haben, lohnt der genaue Blick in die Gesetzestexte auf Landesebene. Eine hochkarätige Jury hat dazu die einzelnen Landesbauordnungen detailliert analysiert und bewertet. Im Fokus steht dabei allerdings nicht die Gesamtnote für einzelne Landesbauordnungen, sondern die gezielte Auszeichnung innovativer Einzelmaßnahmen mit Vorbildcharakter. „Gute Gesetzgebung findet die Balance: Sie stellt keine überzogenen Anforderungen, spart Zeit und Kosten und eröffnet gleichzeitig Spielraum für Innovation“, erklärt Juryvorsitzende Barbara Ettinger-Brinckmann (Architektin, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer a.D., Gründerin ANP Architektur- und Planungsgesellschaft). „Entscheidend ist dabei das richtige Maß zwischen behördlicher Kontrolle und der Verantwortung der Bauakteure.“
Die besten Maßnahmen der 16 Landesbauordnungen
Demnach erhält Berlin den Preis in der Kategorie „Bürokratieabbau„. Dort setzt die gesetzlich verankerte Bauantragskommission Maßstäbe, indem sie frühzeitig alle Fachbehörden einbindet und mit einer Genehmigungsfiktion verbindliche Fristen schafft. Die Jury spricht von einer „struktur- und praxiswirksamen Beschleunigung“, die Planbarkeit und Effizienz gleichermaßen verbessert.
Baden-Württemberg wird in der Kategorie „Digitalisierung“ für die flächendeckende Einführung des digitalen Bauantragsverfahrens ausgezeichnet. Der landesweit einheitliche Standard für elektronische Bauanträge gilt als wegweisender Schritt hin zu einer modernen Bauverwaltung. Die Jury sieht darin ein „starkes Signal für nachhaltige Digitalisierung“ und verweist auf die Relevanz für andere Flächenländer.
In der Kategorie „Beschleunigtes Bauen durch effiziente Verfahren“ überzeugt Hamburg mit einem integrierten Genehmigungsverfahren, das durch eine klare Fristensteuerung sowie die Konzentration aller Prüfprozesse einen erheblichen Zeitgewinn bietet. Besonders innovativ: die quartiersbezogene Mobilitätsregelung, die den klassischen Stellplatznachweis ablöst und städtebauliche Konzepte neu denkt.
Niedersachsen erhält den Preis in der Kategorie „Umbau/Bauen im Bestand“. Die dortige Bauordnung hebt sich durch ein flexibles Regelwerk hervor, das Umbauten von den rigiden Anforderungen des Neubaus entkoppelt und so „echte planerische Freiräume“ schafft. Dies bietet einen entscheidenden Beitrag zur ressourcenschonenden Stadtentwicklung.
In der Kategorie „Mut und Innovationsbereitschaft“ ehrt die Jury Bayern für die Einführung des Gebäudetyps E. Dieser erlaubt Abweichungen von nicht sicherheitsrelevanten Normen und eröffnet „neue Freiräume für experimentelles Bauen“. Damit sorgt die Idee bundesweit für Diskussionen.
Einen Sonderpreis für besonderen Praxisbezug erhält Schleswig-Holstein. Reduzierte Anforderungen an Abstandsflächen, Raumhöhen und Brandschutzvorgaben machen die Bauordnung besonders geeignet für Umbauten und Erweiterungen im Bestand. Es handelt sich damit um eine pragmatische Antwort auf die Herausforderungen innerstädtischer Entwicklung.


















Liebe Redaktion,
Die Bundesländer können und sollen nicht bauen!
Unterschiedliche Landesbaordnungen sind keineswegs das grösste Problem.
An der Bürokratie hängen mittlerweile so viele Jobs, dass es nicht zu einem Bürokratieabbau kommen wird.
Ein ganzer Zweig an Beratern (DGBB-LEED-Energie- und ESG,Beratern) lebt davon. Und das nur im Planungsprozess.
Eine ganze Armada von Sonderfachleuten im Zertifikationswahn lebt von Auflagen der Bürokratie, die die Immobilien- und Baubranchen belasten.
Auch wird das Leben/ Bauen nicht dadurch smart, wenn Systeme einbaut werden, die schon überholt dann überholt sind, wenn der Eingangs- und Vollständigkeitsprüfungsstepelbeauftragte zum finalen Stepel greift
Wollen wir versuchen, einen Käsestand auf dem Bonner Wochenmarkt oder die bauartliche Zustimmung einer Holzhybridbauweise zeitgleich zu beantragen?
Ich rate in beiden Fällen zu viel Geduld.
Ich neige zum Käsestand.
Denn zwei geregelte Baustoffen (Holz und Beton) mit einer geregelten Schrauben zu verbinden, das kann schon mal ein paar jährchen dauern.
„Früher“- als die Welt nich in Ordnung war (Scherz) haben das die Architekten, Ingeniuere und der Zimmermann erledigt. Mit der besonderen Haftung und Verantwortung hat man dann dem Bauherrn das Werk übergeben.
Digitalisierung bedeutet für das Gros der Menschen nur eine bessere netflix-verbindung.
Schneller und besser Bauen ist nur möglich, wenn den Fachleuten wieder die Kompetenz und Verantwortung zugeschrieben wird, die sie auch haben.
Mit Lobbyverbänden, Politikern und Beamten, die auf der Grundlage von DIY-Goggle-Youtube-videos gegen besseres Wissen beraten, wird das leider nichts.
Nicht die Bürokratie, sondern das Mittelmaß an Menschen, die unsere Bürokratie verwalten, ist das Problem.
Beste Grüße
Ralf Förderer
PS.man möge mir die vereinfachte Darstellung nachsehen. Ich bleibe optimistisch…