Digitales Bauen mit verbindlicher Einführung von BIM in 2020

News , 22.12.2015 , Roland Riethmüller Bild zu: Digitales Bauen mit verbindlicher Einführung von BIM in 2020
Foto: Roland Riethmüller

Kostenüberschreitungen von über 200 Prozent und jahrzehntelange Verzögerungen von Großprojekten sollen bald der Vergangenheit angehören. Anlässlich des Zukunftsforums Digitales Planen und Bauen hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt als größter Auftraggeber von öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland einen Stufenplan zur Etablierung von Building Information Modeling (BIM) vorgestellt. So sollen bis 2020 alle am Bau Beteiligten die digitalen Werkzeuge in der gesamten Wertschöpfungskette anwenden. Doch die Digitalisierung am Bau ist auch eine Chance für kleine Bauprojekte.

Building Information Modeling (BIM) ist eine kooperative Arbeitsmethodik, bei der der gesamte Lebenszyklus eines Bauprojektes virtuell abgebildet wird. Dafür werden alle relevanten Informationen von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb und Rückbau zentral in einer “BIM-Cloud” erfasst, verwaltet und im Rahmen einer transparenten Kommunikation zwischen allen am Bau Beteiligten ausgetauscht. Neben den drei Dimensionen Höhe, Breite und Tiefe werden in einem digitalen Modell auch Zeit und Kosten ergänzt. Dieses “5D-Modell” bietet somit Transparenz und Effizienz sowie ein Controlling in Echtzeit. Das Ziel vom digitalen Bauen mit BIM besteht darin, bereits sehr früh Risiken zu erkennen und zu minimieren, sowie Zeit und Kosten dadurch einzusparen. Gleichzeitig bedeutet die Anwendung von BIM auch einen Kulturwechsel, weg von einer Streitkultur hin zu einer Kooperationskultur am Bau. Durch diese neue Kultur können neben Kosten auch Stress und Schäden am Bau vermieden werden.

Offensive zur Digitalisierung der Baubranche

Wie Bundesminister Alexander Dobrindt vergangene Woche auf dem Zukunftsforum Digitales Planen und Bauen ankündigte, sei Deutschland zwar das Land der Qualität, doch gebe es trotzdem eine Notwendigkeit für digitales Bauen. “Wir starten eine Offensive zur Digitalisierung der Baubranche. Mit modernsten digitalen Methoden sollen Bauprojekte effizienter und im Zeit- und Kostenrahmen realisiert werden.” So stellte Dobrindt einen Stufenplan vor, bei dem in einer Vorbereitungsphase bis 2017 vier Großprojekte mit BIM umgesetzt werden. Daraus sollen Standards entwickelt werden, die Aus- und Weiterbildung gefördert, rechtliche Fragen geklärt und ein BIM-Leitfaden mit Mustern und Checklisten für ein effektives Vorgehen beim digitalen Planen und Bauen aufgestellt werden. Unter Berücksichtigung dieser Lerneffekte werden dann ab Mitte 2017 in einer erweiterten Pilotphase weitere Verkehrsinfrastrukturprojekte auf der Straße, der Schiene und den Wasserwegen mit BIM umgesetzt. Ab 2020 soll letztendlich eine breite Implementierung von BIM in der deutschen Bauindustrie erreicht werden. Dabei verpflichtet sich auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) neue Bauvorhaben ausschließlich mit BIM auszuschreiben.

Erst digital, dann real bauen

“Die öffentliche Hand muss dabei als großer Bauherr vorangehen und den Kulturwandel treiben. Deshalb haben wir eine Reformkommission Bau von Großprojekten ins Leben gerufen und den klaren Grundsatz formuliert: Erst digital, dann real bauen“, erläutert Dobrindt Denn die Etablierung von Standards im internationalen Wettbewerb habe entscheidende Vorteile. Schließlich generiert nur der ein höchste Maß an Wertschöpfung, der die Standards setzt, betonte der Bundesminister auf dem Zukunftsforum.

OpenBIM als offener Standard für das digitale Bauen

Wichtigstes Ziel bei der Einführung von BIM sei ebenfalls die Schaffung einer gleichberechtigten Situation auch für kleine und mittelständische Betriebe. So arbeitet die Planen und Bauen 4.0 GmbH auch an einer gemeinsamen Ebene zur Zusammenarbeit und plant die Einführung von OpenBIM als offenen Standard. So sei es eine Grundvoraussetzung für das digitale Bauen, dass es keine Eintrittsbarrieren für alle am Bau Beteiligten gäbe, betonte Dobrindt. Das Ziel sei auch, die Branche nicht zu verändern, so dass jeder an seiner bisherigen Stelle weiterarbeiten kann.

Bauindustrie begrüßt Einführung von BIM

Die Modernisierungsoffensive wird auch von der Bauindustrie positiv bewertet. “Mit der verbindlichen Einführung eines Stufenplans zur Einführung von BIM bei Verkehrsinfrastrukturprojekten in Deutschland halten wir den entscheidenden Schlüssel in der Hand, um in Zukunft Kosten- und Zeitüberschreitungen bei Großprojekten zu vermeiden”, freut sich Rechtsanwalt Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). “Bundesminister Dobrindt setzt damit eine der zentralen Empfehlungen der Reformkommission Großprojekte um, die in ihrem Abschlussbericht den Einsatz von BIM als zentral zur Vermeidung von Kosten- und Zeitüberschreitungen identifiziert hat.”

Auch privates Einfamilienhaus mit BIM umgesetzt

Die Öffentliche Hand übernimmt eine Vorbildfunktion und wird zum Impulsgeber für digitales Bauen. Doch wie der designierte Geschäftsführer der jüngst gegründeten Planen Bauen 4.0 GmbH Dr. Jan Tulke betonte, sei BIM nicht nur auf Großprojekte beschränkt. Er selber habe seinen eigenen privaten Hausbau mit Hilfe von BIM umgesetzt und dabei nur gute Erfahrungen gesammelt. Sicher ist dies bisher noch ein Einzelfall, doch wird aller Voraussicht nach mittelfristig das Potential auch im Bereich kleinerer Bauvorhaben genutzt werden. Denn welcher Bauherr möchte schließlich nicht erhöhte Kosten durch Nachträge vermeiden und die Zeitvorgaben genau einhalten? Damit ist BIM nicht nur ein Thema für die Bauindustrie sondern auch für das Baugewerbe. Es lohnt sich also, die Thematik zu beobachten und frühzeitig darauf vorzubereiten.

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