Digitalisierung am Bau - zwischen Wunsch und Wirklichkeit

News | Frank Kessler | 29.09.2020
Digitalisierung am Bau - zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Foto: Roland Riethmüller

In der deutschen Wirtschaft gibt es im Bezug auf die Digitalisierung nach wie vor eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Diese Diskrepanz wird in einer aktuellen Datenauswertung als Digitalisierungspotenzial bezeichnet. Besonders hoch ist dieses Potenzial laut der Untersuchung unter anderem im Ausbauhandwerk und bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Eher niedrig ist es dagegen in den Handwerken für den privaten Bedarf.

Auf Basis des Datenmaterials vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk wurde vom Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) eine aktuelle Analyse zur Digitalisierung im Handwerk durchgeführt. Die Untersuchung “Digitalisierungsmuster im Handwerk - Eine regionale und sektorale Analyse des Digitalisierungs-Checks des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk" zeigt deutliche Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Dabei kommt auf einer Skala von 0 (kein Potenzial) bis 1 (größtmögliches Potenzial) das Ausbauhandwerk beim Digitalisierungspotenzial auf einen Wert von über 0,6. Das Bauhauptgewerbe erreicht dagegen knapp 0,5. Tendenziell hoch ist das Potenzial in beiden Handwerkssegmenten im Teilbereich "Mitarbeitende". Er enthält Maßnahmen wie "Mitarbeitende erhalten IT-Schulung" und "Mitarbeitende sind geschult in IT-Sicherheit".

Moderates Digitalisierungspotzenzial im Handwerk

Eher gering ist aus Sicht der Betriebe im Bauhauptgewerbe die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Digitalisierung der Geschäftsmodelle. Zu ihr gehören beispielsweise die Marktbeobachtung auf digitalem Wege sowie ein erweitertes Angebotsspektrum durch Digitalisierung. Die Ausbaubetriebe sehen das geringste Digitalisierungspotenzial bei kundenbezogenen Maßnahmen. Insgesamt gesehen bescheinigen die Studienautoren dem Digitalisierungspotenzial der meisten untersuchten Handwerke eine moderate Größe.

Für den Bau wichtig: digitale Koordination der Arbeitseinsätze

Schaut man auf die untersuchten Einzelmaßnahmen, so sehen Betriebe des Bauhauptgewerbes und des Ausbaus hohe Digitalisierungsbedarfe in folgenden Bereichen: digitale Planung und Koordination von Arbeitseinsätzen, interne Kommunikation über mobile Endgeräte sowie die digitale Verfügbarkeit von Prozessdaten.

Andere Einzelmaßnahmen gelten nur im Bauhauptgewerbe oder im Ausbauhandwerk als Bereiche mit hohem Digitalisierungsbedarf: Für Betriebe des Bauhauptgewerbes ist er bei innovativen Technologien und der digitalen Auswertung von Prozessdaten hoch. Dagegen legt das Ausbauhandwerk Schwerpunkte bei digitaler Prozessdokumentation, der Marktbeobachtung auf digitalem Wege und IT-Schulungen für Mitarbeitende. Zusätzlich ist es dem Aubaugewerbe wichtig, dass Mitarbeitende in IT-Sicherheit geschult sind.

Kleine Unternehmen möchten Kundenbezogenes digitalisieren

Bei der Art erwünschter Digitalisierungsmaßnahmen spielt neben anderen Faktoren die Unternehmensgröße (gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl) eine Rolle. Laut der Studie interessieren sich kleine Unternehmen eher dafür, kundenbezogene Maßnahmen zu digitalisieren. Dagegen interessieren sich anscheinend vor allem größere Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 250.000 Euro und über 20 Mitarbeitenden für die Digitalisierung interner Prozesse.

Unterschiedlich hohe Fortschritte der Digitalisierung zeigen sich beim Bundesländervergleich. Allerdings mahnen die Studienautoren zu einer vorsichtigen Interpretation der Daten, da die untersuchten Fallzahlen in einigen Bundesländern gering sind. Tendenziell scheint die Umsetzung digitaler Maßnahmen in den urbanen und wirtschaftlich starken Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg relativ hoch zu sein. Dagegen gibt es in östlichen Bundesgebieten (ohne Berlin) relativ geringe Werte für Umsetzung und empfundene Relevanz von Digitalisierungsmaßnahmen.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Canan Toylular am 06.10.2020 )

Sehr interessanter Artikel, Herr Kessler. Tatsächlich herrscht eine gewisse Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit mit Bezug auf die Digitalisierung im Baugewerbe. Wenn man Betroffene direkt fragt, wird diese Lücke auch oft als der "innere Schweinehund" bezeichnet. Der Sprung in unbekannte Gewässer ist nunmal eine Hürde.

Aus diesem Grund finden wir als Entwickler von digitalen Lösungen (www.edcontrols.de) es wichtig, nicht dem Kunden ein Produkt zu verkaufen, sondern als erfahrener Partner die Hand zu reichen und eine Lösung zu bieten. Damit der Kunde den Schritt mit gutem Gewissen wagt und sich die Konkurrenzfähigkeit auch in Zukunft sichert.

Langsam aber sicher wird auch Deutschland digitaler werden. Und da unterstützen wir.

 

LG

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