Digitalisierungsgrad entscheidet über Zukunft im Handwerk

News | Frank Kessler | 23.06.2020
Digitalisierungsgrad entscheidet über Zukunft im Handwerk
Foto: Roland Riethmüller

Im Handwerk besteht laut einer aktuellen Umfrage ein deutliches Digitalisierungsdefizit. Das macht sich ganz besonders im Zuge der Corona-Krise bemerkbar. Denn der Digitalisierungsgrad beeinflusst die wirtschaftliche Belastung der Betriebe. So zeigt sich beispielsweise, dass hochdigitalisierte Soloselbstständige krisensicherer sind als solche, die wenig bis gar nicht digitalisiert sind. Daher sind nun handwerkliche Kreativität und Mut zur Digitalisierung gefragt.

Hinsichtlich der Digitalisierung besteht tatsächlich ein dringender Handlungsbedarf im Handwerk. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Umfrage vom Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD), dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim und dem Forschungszentrum Mittelstand an der Universität Trier im Bezug auf die wirtschaftlichen Situation der Selbständigen in Deutschland. Der Software-Hersteller Lexware hat die Studie als Distributionspartner begleitet. So wurden über 27.000 Selbstständige und Unternehmer befragt, darunter auch 628 Handwerksbetriebe. Generell kann man sagen, dass die Lage der befragten Betriebe durch die Corona-Pandemie recht angespannt ist. Im Einzelnen gibt es jedoch innerhalb der Branchen teils beträchtliche Unterschiede.

Bei jedem fünften Handwerksbetrieb herrschen Existenzängste

Demnach sehen in den kommenden Monaten 17,1 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Selbstständigkeit ernsthaft bedroht. Viele davon befürchten sogar, ihre Tätigkeit ganz aufgeben zu müssen. Schuld daran sind die Auswirkungen der Pandemie auf das Auftragsgeschäft. Denn bei rund 26,8 Prozent der Betriebe wurden Aufträge ersatzlos storniert. Fast ein Viertel der Befragten leidet unter Zahlungsverzögerungen, und jeder fünfte Betrieb beklagt sogar massive Zahlungsausfälle. Die Hälfte der Betriebe hat deshalb Soforthilfen in Anspruch genommen. Kurzarbeitergeld haben 12,1 Prozent beantragt oder haben es vor.

Die Schwere der Situation wird vom Grad der Digitalisierung bestimmt

Eine entscheidende Rolle im Bezug auf die wirtschaftliche Situation spielt vor allem der Digitalisierungsgrad. Das Problem ist jedoch, dass im Gegensatz zu anderen Branchen der Digitalisierungsgrad im Handwerk eher gering ist. Im Bereich Produkt gaben 51,6 Prozent an, dass ihr Digitalaisierungsgrad eher gering bis sehr gering sei. Noch geringere Werte gab es bei den Geschäftsprozessen mit 35,4 Prozent und bei der Kundenberatung mit 42,2 Prozent. Lediglich die Kundenberatung im Handwerk hat in Sachen Digitalisierung während der Krise profitiert. So gaben rund 9,7 Prozent an, dass sich in dem Bereich der Digitalisierungsgrad erhöht habe.

Hochdigitalisierte Soloselbständige erfolgreicher als Handwerker mit Digitalisierungsdefizit

Beleuchtet wurde auch die Situation bei den 16.000 Soloselbstständigen. Demzufolge sind hochdigitalisierte Soloselbstständige weit weniger von der Corona-Krise betroffen als die Handwerksbetriebe mit einem Digitalisierungsdefizit. Dabei könnten gerade letztere von der Digitalisierung besonders profitieren. “Handwerksbetriebe, die ihre Prozesse und Abläufe digitalisieren, können ihre Effizienz und ihren Erfolg enorm steigern: etwa durch den Einsatz intelligenter Tracking-Systeme für Maschinen und Werkstoffe, smarter Business-Software, digitaler Kundenakten oder Technologien wie 3D-Scan oder -Druck zur Vermessung oder Anfertigung von Ersatzteilen”, erklärt Lexware-Geschäftsführer Jörg Frey. “Die Digitalisierung ist für das Handwerk eine enorme Chance und sollte dringend vorangetrieben werden."

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