Drohen Einbrüche bei Solar? EEG-Novelle streicht Vergütung

Foto: kckate16 / envatoelements

Die geplante EEG-Novelle sorgt für massive Verunsicherung im Bau- und Ausbaugewerbe: Ein Referentenentwurf sieht das Aus der EEG-Vergütung und neue Pflichten zur Direktvermarktung für Photovoltaik-Anlagen vor. Branchenvertreter warnen vor einem Einbruch beim Solarausbau, sinkenden Aufträgen für Dachdecker und Elektrounternehmen sowie erheblichen Risiken für Investitionen und Arbeitsplätze. Besonders betroffen wären private Dachanlagen, die bislang zu einem wichtigen Geschäftsfeld für viele Handwerksbetriebe geworden sind.

Die Solarbranche schlägt Alarm: Ein durchgesickerter Referentenentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sieht massive Einschnitte für neue Photovoltaik-Anlagen vor. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) drohen bei Umsetzung der Pläne ein Einbruch beim Solarausbau, der Verlust zahlreicher Arbeitsplätze und erhebliche Rückschläge für die Energiewende. Besonders betroffen wären private Dachanlagen. Das ist ein Marktsegment, das für viele Bauunternehmen und Handwerksbetriebe in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standbein geworden ist. So geht aus dem Entwurf konkret hervor, dass die Förderung neuer privater Solaranlagen vollständig gestrichen werden soll. Zudem sollen Betreiber kleiner Photovoltaik-Anlagen verpflichtet werden, ihren eingespeisten Strom direkt an der Strombörse zu vermarkten. Damit stünde das bisherige Modell der festen EEG-Einspeisevergütung faktisch vor dem Aus. Branchenvertreter warnen vor gravierenden Folgen für Investitionen, Planungssicherheit und Auftragslage im Bau- und Ausbaugewerbe. 

EEG-Novelle: Förderung und Einspeisevergütung vor dem Aus?

Die geplante Streichung der EEG-Vergütung trifft nach Einschätzung des Verbandes den Kern des dezentralen Solarmarktes. „Die Abschaffung der EEG-Vergütung und der Zwang zur Direktvermarktung würden die Bürger-Energiewende zum Erliegen bringen“, befürchtet Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Die Einspeisevergütung sei für die Mehrzahl neuer Anlagen weiterhin notwendig, um eine wirtschaftliche Basis sicherzustellen. Denn für Bauunternehmen, Dachdecker, Elektrohandwerker und Projektentwickler hätte ein Wegfall der Förderung unmittelbare Konsequenzen. Schon jetzt ist die Nachfrage im Heimsegment rückläufig. Wurden im Jahr 2023 noch PV-Dachanlagen mit einer Leistung von rund acht Gigawatt neu installiert, waren es im Jahr 2025 nur noch etwa fünf Gigawatt. Weitere Einschnitte könnten diesen Trend deutlich verschärfen. 

Direktvermarktung als Risiko für kleine PV-Anlagen

Besonders kritisch bewertet die Branche die vorgesehene Pflicht zur Direktvermarktung für alle neuen Solaranlagen. Die dafür notwendigen Marktkommunikationsprozesse seien bislang nicht massengeschäftstauglich, zudem fehle es an intelligenten Messsystemen für kleinere Anlagen. Eine kurzfristige Umstellung würde vor allem Eigenheimbesitzer und kleinere Betriebe überfordern. Unterstützung erhält diese Einschätzung aus der Wissenschaft. „Unsere Studie zeigt, dass die Prozesse in der Direktvermarktung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht reif für eine großskalige Nutzung im PV-Eigenheimsegment sind“, betont Verena Fluri vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme. „Ein Wechsel in die Direktvermarktung würde die Wirtschaftlichkeit von PV-Kleinanlagen deutlich verschlechtern und viele neue Anlagen unwirtschaftlich machen.“ Sollten die regulatorischen und technischen Voraussetzungen erst in einigen Jahren geschaffen werden, käme eine sofortige Verpflichtung laut Verband faktisch einem Ausbaustopp gleich. Für das Baugewerbe würde dies bedeuten: weniger Dachsanierungen mit integrierter Photovoltaik, geringere Investitionen in Speicherlösungen und sinkende Auftragsvolumina im Bereich erneuerbare Energien.

Statt Solarausbau: negative Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Klimaziele

Neben der wirtschaftlichen Dimension verweist der BSW-Solar auf die klimapolitischen Folgen. Zehntausende Arbeitsplätze in der Solarwirtschaft stünden auf dem Spiel, gleichzeitig gerieten die Ausbauziele für erneuerbare Energien in weite Ferne. Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung spreche sich laut Umfragen für eine Beschleunigung oder zumindest Fortführung des bisherigen Ausbautempos aus. Damit steht für die Bauwirtschaft mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Förderinstrument. Die EEG-Novelle könnte zu einem Wendepunkt für den Solarausbau in Deutschland werden. Das könnte direkte Auswirkungen auf Investitionen, Beschäftigung und die strategische Ausrichtung zahlreicher Handwerksbetriebe.

Gefährdet die EEG-Novelle den Solarausbau im Handwerk?

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