Der Bestandsbau entwickelt sich zum zentralen Markt der Bauwirtschaft, doch der Mieterausbau bleibt gleichzeitig eine der größten Baustellen. Dabei verursachen fehlende Standards Verzögerungen und steigende Kosten. Der Verband für Bauen im Bestand (BiB) setzt jetzt ein Signal: Eine neue Schnittstellenliste soll Sanierungen in Gebäudebestand endlich effizienter, kalkulierbarer und konfliktärmer machen. Das ist ein wichtiger Schritt für Zukunftsbau, Klimaziele und wirtschaftliche Sicherheit.
Der Gebäudebestand wird zunehmend zum wichtigsten Rohstoff der Bauwirtschaft. Klimaziele, Kostensteigerungen und Ressourcenknappheit beschleunigen den Trend, bestehende Bausubstanz nicht nur zu erhalten, sondern aktiv weiterzuentwickeln. Damit steht die Bauwirtschaft gleichzeitig auch vor der Aufgabe, den Gebäudebestand effizienter und nachhaltiger zu nutzen. Besonders beim Mieterausbau werden fehlende Standards und komplexe bauliche Ausgangslagen zunehmend zum Bremsklotz. Der Verband für Bauen im Bestand (BiB) hat nun gleich zwei wichtige Impulse für die Branche gesetzt: Bei seiner ersten großen Veranstaltung Anfang November im ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin präsentierte der Verband eine neue standardisierte Schnittstellenliste, die den Ausbau in Bestandsgebäuden einfacher, klarer und schneller machen soll. Im Mittelpunkt der Veranstaltung „BiB x Tempelhof – Bestand erleben. Der Weg in die Zukunft“ stand der Anspruch, praktische Lösungsansätze für reale Herausforderungen zu bieten. Dabei betont der BiB: „nicht nur diskutieren, sondern handeln“. Die Teilnehmer erhielten bei einer interaktiven Tour direkt vor Ort Einblicke, wie Transformation im Bestand umgesetzt wird. Das ist besonders herausfordernd an einem Ort, der wie kaum ein anderer für Nachnutzung und Zukunftsbau steht.
Mehr Klarheit an kritischen Schnittstellen beim Mieterausbau
Schon in der Eröffnung wurde deutlich, warum die Branche auf standardisierte Prozesse angewiesen ist. BiB-Vorstandsvorsitzende Sarah Dungs beschreibt die Ausgangslage: „Ob Eigentümer, Entwickler, Planer oder Nutzer – viele Beteiligte kennen die Frage: ‚Ja, aber wie setzen wir die Schnittstellen mit den Mietern konkret um?‘ Vor allem im Bestand ist die Antwort darauf alles andere als trivial.“ Unterschiedliche bauliche Voraussetzungen treffen auf gewachsene Gebäudestrukturen und klar definierte Nutzeranforderungen. Die neue Schnittstellenliste soll genau hier Abhilfe schaffen. Sie fasst technische, organisatorische und rechtliche Zuständigkeiten zusammen und kann sogar als Vertragsanlage genutzt werden. Der Verband kündigt damit einen Standard an, der Terminverzug, Nachträge und Konflikte reduzieren soll. Gerade für Bauunternehmen und Handwerk bedeutet das: weniger Unsicherheit, bessere Planbarkeit, mehr wirtschaftliche Sicherheit.
Praxisorientierte Branchenlösung zur Transformation im Gebäudebestand
„Mit der neuen Schnittstellenliste reagieren wir als BiB auf diese Problematik und bieten eine praxisnahe Lösung, die in einem intensiven, mehrstufigen Workshop-Prozess gemeinsam mit Expert:innen aus der Branche erarbeitet wurde“, erklärt Michael Stüber, BiB-Fachbeirat für Transformation und Entwicklung. Die Liste schafft eine einheitliche Basis – vom technischen Konzept bis zur Umsetzung vor Ort.
Politik und Zukunftsausblick für Bestandsbau
Auch die Bundespolitik erkannte beim Event die Relevanz des Bestandsbaus für Klimaziele und Wohnraumentwicklung. Ein politischer Impuls von Kassem Taher Saleh, Sprecher für Bau- und Wohnpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, unterstrich die Notwendigkeit verlässlicher Marktstandards für das Bauen im Bestand. Damit ruft der BiB die Branche auf, die Weiterentwicklung aktiv zu begleiten. Die Schnittstellenliste ist bereits kostenlos auf der Website des Verbands zugänglich und soll durch kontinuierliches Feedback zu einem festen Standard in ganz Deutschland werden.

















