Elektrobranche sorgt sich um Smart Home

News , 23.05.2017 , Frank Kessler Bild zu: Elektrobranche sorgt sich um Smart Home
Foto: Roland Riethmüller

Smart Home soll das Konzept der Zukunft werden. Doch aufgrund der hohen Preise, mangelnden Datenschutzes und der Komplexität des Systems läuft die Verbreitung nicht wie erhofft. Die Konsumenten müssen noch stärker den Mehrwert eines solchen Systems erkennen, sind sich Experten der Elektrobranche einig. Denn viel zu oft werden die Funktionen vor den eigentlichen Bedürfnissen der Kunden in den Vordergrund gestellt.

Um das Thema Smart Home in der Elektrobranche zu diskutieren, lud die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) gemeinsam mit dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und dem Branchenmagazin Elektrowirtschaft zur Veranstaltung „Executive Dialog: Smart Home: Geschäftsmodelle und Kooperationschancen in einem Zukunftsmarkt" ein. Das Ziel war die gemeinsame Suche nach Lösungen, wie das Konzept Smart Home am besten an die Kunden vermittelt werden könnte. Denn nur einzelne Produkte aus dem eigenen Sortiment als Lösung anzubieten, führe zu keinem Ergebnis, so die Warnung von Florian Kaiser, Leiter Bauzulieferindustrie bei W&P.

Gebraucht werden flexible Lösungen für jedermann

"Je offener und flexibler eine Lösung ist, je mehr echten Nutzen sie stiftet und je einfacher sie für den Kunden ist, desto höher ist die Erfolgswahrscheinlichkeit am Markt", erklärte Dr. Johannes Berentzen, Leiter Handel bei W&P. Dabei müsse der Kunde im Mittelpunkt stehen, um Smart Home nachhaltig am Markt zu etablieren. Busch-Jaeger-Geschäftsführer Adalbert Neumann grenzte die Offenheit allerdings etwas ein. So müsse zwar die Kompatibilität zu anderen Systemen gewährleistet werden. jedoch eine Haftung für Partner-Devices und möglicher Fehlfunktionen von vornherein ausgeschlossen sein.

Die Lösung sollte zum Kunden passen und nicht umgekehrt

Neumann wies ausdrücklich darauf hin, dass der Kunde entscheidend sei. Er soll bestimmen, welche Lösungen er benötigt und nicht das System. Findet eine solche Fokussierung auf den Kunden statt, sind die Marktmöglichkeiten vielfältig. Denn viele Kunden verfügen bereits über Smart Home Geräte. Sie benötigen jedoch speziell auf sie zugeschnittene Einzellösungen. “Wir dürfen nicht nur über early adopter Kunden sprechen, sondern vermehrt über die breite Masse von Endkunden, die fälschlicherweise noch oft als ‘digitale Analphabeten’ bezeichnet werden”, bestätigte Dr. Patrick Metzler, Director Commercial Excellence in der Vaillant Group.

Weniger Angst vor Datenschutz bei Smart Home

Datensicherheit sei nach wie vor ein großes Thema für die Kunden, jedoch lasse die Angst vor Cloud & Co. immer mehr nach. Weil viele Online-Systeme autark arbeiten, sei Smart Home oftmals für die Kunden kein wirkliches Problem mehr. “Der Appetit kommt beim Essen, nach dem Einstieg über ein Device”, fand Martin Wild, Chief Digital Officer bei MediaMarktSaturn. “Es geht darum, Lösungen zu verkaufen, die das Leben einfacher und sicherer machen." So dürften nicht irgendwelche Funktionen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Bedürfnisse der Kunden.