Elektrohandwerk rutscht ins Minus: Energiewende in Gefahr

Foto: duallogic / envatoelements

Nach einer jahrelangen Wachstumsphase trifft die wirtschaftliche Eintrübung nun auch das Elektrohandwerk. Aktuelle Statistiken belegen für das Jahr 2024 erstmals einen Umsatzrückgang in der Branche. Besonders betroffen ist das Elektrotechniker-Handwerk, eines der zentralen Gewerk für die Umsetzung der Energiewende. Der Abschwung zeigt, dass selbst das klimarelevante Handwerk sich nicht länger von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abkoppeln kann.

Der Branchenumsatz im Elektrohandwerk ging im Jahr 2024 um 4,0 Prozent auf 84,3 Milliarden Euro zurück. Im Vergleich zum Vorjahr mit 87,8 Milliarden Euro markiert dies eine spürbare Trendumkehr. Besonders deutlich fiel der Rückgang im größten Segment aus: Das Elektrotechniker-Handwerk verzeichnete ein Minus von 4,8 Prozent. Auch der Bereich „Elektromaschinenbau“ gab mit einem Rückgang von 2,9 Prozent nach. Lediglich die Informationstechniker meldeten ein Umsatzplus von 5,7 Prozent – angesichts der vergleichsweise geringen Marktgröße jedoch ohne nennenswerte Kompensation für die Gesamtbranche. „Es ist klar, dass sich auch ein Klima- und Zukunftshandwerk wie das E-Handwerk nicht dauerhaft gegen die sich verschlechternden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stemmen kann“, verdeutlicht Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). „Wir erwarten von einer neuen Bundesregierung deshalb jetzt schnelles Handeln zur Stabilisierung der Lage, sonst verlieren wir Unternehmen und Arbeitskräfte für die Umsetzung der dringenden Investitionen in Energiewende, Digitalisierung und die gesamte deutsche Infrastruktur.“

Produktivität sinkt, Personalbestand schrumpft

Parallel zum Umsatzrückgang reduzierte sich auch die Produktivität. Der Umsatz pro Kopf sank im Jahr 2024 auf 163.127 Euro – ein Minus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Auftragslage hat sich in vielen Betrieben spürbar eingetrübt, was sich in sinkenden Beschäftigtenzahlen niederschlägt. Mit 516.709 Beschäftigten lag die Zahl 1,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Negativtrend setzt sich damit fort. Auch hier bildet das Segment der Informationstechniker eine Ausnahme mit einem Plus von 2,1 Prozent.

Unternehmensbestand bleibt nahezu konstant

Anders als bei Umsatz und Beschäftigung zeigt sich die Zahl der Betriebe weitgehend stabil. Im Jahr 2024 wurden bundesweit 48.178 Unternehmen im Elektrohandwerk gezählt – nur 47 weniger als im Vorjahr. Damit scheint sich der zuletzt beobachtete Strukturtrend, der Zusammenschluss der Betriebe zu größere Einheiten, vorerst nicht fortzusetzen. Angesichts sinkender Personalzahlen verlieren viele Betriebe an Wachstumsdynamik.

Elektrohandwerk fordert politische Gegenmaßnahmen

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen den Handlungsbedarf. Das Elektrohandwerk warnt vor dauerhaften Schäden für ein zukunftsweisendes Gewerk. Ohne gezielte wirtschaftspolitische Unterstützung droht ein Rückgang der Kapazitäten – mit direkten Auswirkungen auf die Energiewende, die Digitalisierung und die Versorgungssicherheit. Ein stabiler wirtschaftlicher Rahmen sei unerlässlich, um die zentrale Rolle des E-Handwerks in der Transformation der deutschen Infrastruktur weiterhin erfüllen zu können.

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