Ende vom Bauboom im Wohnungsneubau

News , 22.01.2018 , Frank Kessler Bild zu: Ende vom Bauboom im Wohnungsneubau
Foto: Roland Riethmüller

Das Wohnungsbauvolumen unterliegt auch in den kommenden Jahren weiter einem positiven Wachstum. Trotzdem werden dem Wohnungsneubau statt dem Bauboom der letzten Jahre eher sinkende Wachstumsraten vorhergesagt. Laut einer aktuellen Prognose wird demnach die Bauwirtschaft die gewohnt hohen Zuwachsraten nicht mehr erreichen. Statt dessen werden strukturellen Veränderungen bei der Nachfrage nach Bauleistungen erwartet und steigende Modernisierungen künftig das Wohnungsbauvolumen stützen.

Einen wesentlichen Grund für ein Ende des Baubooms im Wohnungsneubau sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in den steigenden Preisen für Bauleistungen, welche die Nachfrage dämpfen. Dabei macht die DIW-Jahresprognose vor allem Zuwächse bei Löhnen und Gehältern, höhere Preise für Energie, Rohstoffe und nicht zuletzt steigende Grundstückspreise für die Preissteigerungen verantwortlich. Darüber hinaus werden öffentlich-rechtliche Auftraggeber und die gewerblichen Wirtschaft voraussichtlich nur wenig mehr investieren als bisher. In Zahlen ausgedrückt soll das nominale Bauvolumen von 373 Mrd. Euro 2017 im aktuellen Jahr 2018 auf 392 und dann 2019 auf 414 Mrd. Euro steigen. Diesen nominalen Steigerungen des Bauvolumens dürften deutlich schwächere reale Zuwächse gegenüberstehen. Real soll die Wachstumsrate des Bauvolumens 2018 1,8 Prozent und 2,4 Prozent im Jahre 2019 betragen. Die Vorhersage für das Ende des Baubooms ist das Ergebnis der jährliche Prognose des Berliner DIW, die in diesem Jahr von den DIW-Ökonomen Martin Gornig und Claus Michelsen vorgelegt wurde. Auftraggeber für die Untersuchung ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Stagnation bei Aufträgen für öffentliche und gewerbliche Bauten

Anders als im Wohnungsbau erwartet man für das laufende und das nachfolgende Jahr einen realen Rückgang der Bautätigkeit öffentlicher Auftraggeber. Konkret soll dieses Segment 2018 einen Rückgang von 1,7 Prozent real verzeichnen, um 2019 real leicht um 0,6 Prozent zu wachsen. Für den gewerblichen Bau bedeuten die für 2018 von der DIW-Prognose erwarteten 0,2 Prozent reales Wachstum praktisch Stagnation. Erst 2019 soll das Bauvolumen im Gewerbebau wieder real um zwei Prozent steigen.

Zuwachsraten im Wohnungsbau können Zurückhaltung bei öffentlichen und gewerblichen Baumaßnahmen kompensieren

Für den Wohnungsbau sieht das DIW in seiner aktuellen Jahresprognose noch 3,5 Prozent Wachstumspotential im Jahre 2018 und drei Prozent für 2019. Als Wachstumsbremse macht das Berliner Institut unter anderem die schon seit Sommer 2016 und auch weiterhin stagnierende Zahl der Baugenehmigung für Wohnungsneubauten aus. Darüber hinaus wird der Wohnungsbau insgesamt stärker unter einer weiteren Verknappung des Baulandangebotes in Ballungszentren leiden. Diese Faktoren führten zu höheren Kosten des Grundstückskaufs, der Bauleistungen sowie der Baufinanzierung. Diese wachstumshemmenden Faktoren werden sowohl Einfluss auf den Eigenheimbau, als auch auf den Geschosswohnungsbau haben. Allerdings erwartet das DIW in seiner Jahresprognose für das Jahr 2018 für den Geschosswohnungsbau noch einmal ein kräftiges Wachstum von acht Prozent, während dort spätestens im Jahr 2019 nur noch mit vier Prozent nominalem, entsprechend einem Prozent realem Wachstum zu rechnen ist.