Endlich “kleine Bauvorlagenberechtigung” im Bauhandwerk

News , 08.10.2015 , Frank Kessler Bild zu: Endlich “kleine Bauvorlagenberechtigung” im Bauhandwerk
Foto: Roland Riethmüller

Was in den Landesbauordnungen der westlichen Bundesländern bereits seit Jahren zulässig ist, wurde jetzt erstmals auch in einem ostdeutschen Landtag gesetzlich festgehalten. Es geht um die sogenannte “kleine Bauvorlagenberechtigung” und damit die Erlaubnis für Handwerksmeister zur Planung und Umsetzung kleinerer Bauvorhaben. Das Bauhandwerk begrüßt die Entscheidung und hofft nun auf eine positive Signalwirkung für alle anderen ostdeutschen Bundesländer.

Ende September hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommern über ein Thema abgestimmt, das in den westlichen Bundesländern bereits seit Jahren eingeführt ist und sich in der Praxis gut bewährt hat. “Es kann nicht sein, dass die Handwerksmeister in den neuen Bundesländern in dieser Hinsicht diskriminiert werden”, ärgert sich Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und freut sich, dass die Abgeordneten in Mecklenburg-Vorpommern nun endlich dem Ergebnis der Beschlussempfehlung des Wirtschaftsausschusses gefolgt sind. So geht es bei der Annahme des Gesetzesentwurfs zur Novellierung der Landesbauordnung im Wesentlichen darum, nicht nur Architekten sondern auch Handwerksmeistern nach entsprechender Weiterqualifizierung die Planung kleinerer Bauvorhaben wie Ein- oder Zweifamilienhäusern zu gestatten. “Unsere Meister des Maurer- und Zimmererhandwerks sind aufgrund ihrer hochqualifizierten Ausbildung in der Lage, entsprechende Objekte aus einer Hand zu planen und auszuführen”, bestätigt Wollseifer und begüßt damit auch die Aufwertung der handwerklichen Tätigkeit. Denn durch die kleine Bauvorlagenberechtigung gibt es schließlich eine verstärkte Motivation zur Meisterausbildung und verbesserte Marktstellung des Handwerksmeisters. Bauherren, die für einen verbesserten Bauprozess und geringere Baukosten die Leistungen aus einer Hand wünschen, sind nicht mehr nur auf Bauträger angewiesen.

Gleichzeitig hofft der ZDH darauf, dass andere ostdeutsche Landtage dieser Entscheidung folgen werden und damit den Handwerksmeistern in den neuen Bundesländern die gleichen Rechte wie ihren Berufskollegen in den alten Bundesländern einräumen. So könnte 25 Jahre nach der Wiedervereinigung in Ost und West auch im Bauhandwerk endlich gleiche Bedingungen geschaffen werden.