Energetisches Bauen kein Kostentreiber für bezahlbaren Wohnungsbau

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Foto: Roland Riethmüller

Klimafreundliches Bauen muss keine Frage der Kosten sein. Das brachte ein aktuelles Gutachten zutage. Demnach ergibt sich aus dem Gebäudeenergiebericht auch, dass höhere energetische Anforderungen günstig erreicht werden können. Dies setzt allerdings voraus, dass die Heizungstechnik und Gebäudegestaltung intelligent kombiniert werden und auf die Inanspruchnahme von Fördermittel nicht verzichtet wird. Das verhindert Kostentreiber und fördert den bezahlbaren Wohnungsbau.

Ein aktuelles Gutachten des Instituts für technische Gebäudeausrichtung (iTG Dresden), das im Auftrag des Bundesverbands erneuerbare Energien (BEE) herausgegeben wurde, hat ergeben, dass der Anteil an Energieeffizienz nicht die eigentliche Ursache für eine Kostensteigerung im bezahlbaren Wohnungsbau ist. Die hohen Baukosten, die in der Zeit von 2000 bis 2014 um 35 Prozent angestiegen sind, entstanden im Wesentlichen durch andere Anforderungen an die Gebäude. Lediglich sechs Prozent der Baukostensteigerung sind auf energetische Maßnahmen zurückzuführen. Der entscheidende Engpass beim bezahlbaren Wohnungsbau ist demnach nicht auf das Energierecht, sondern auf den Mangel an Flächen und an dem Mangel an der Bebauung von vorhandenen Grundstücken zurückzuführen. So sieht es jedenfalls das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in der Studie. Außerdem hat die ARGE Kiel insgesamt 41 nicht näher erläuterte Faktoren festgestellt, die ebenfalls zum Preisanstieg in der letzten Zeit beigetragen haben sollen.

Günstig einen höheren energetischen Standard erreichen

BEE-Geschäftsführer Dr. Peter Röttgen erklärte dazu weiter, dass ein höherer energetischer Standard kostengünstig erreicht werden könnte, wenn die Gebäudegestaltung und die Heizungstechnik intelligent kombiniert werden. Ebenso sollten Fördermittel in Anspruch genommen werden. Die Praxis habe gezeigt, dass mit unkomplizierten und marktüblichen Technologien ein über die EnEV 2016 hinausgehenden Standard ohne Probleme zu erreichen wäre. Die künftige Bundesregierung sollte zusätzlich zum Bekenntnis zum Klimaschutz 2050 auch dafür sorgen, dass eine konkrete Umsetzung in den Heizungskeller erfolgt. Wie Röttgen weiterhin betonte, gäbe es noch reichlich Spielraum. Die aktuellen energetischen Anforderungen für den Bestand und für den Neubau sollten deshalb angehoben werden, anstatt sie zu verwässern. Wie die Studie zeigte, sind energetische Maßnahmen kein Kostentreiber, sondern auf andere Umstände zurückzuführen. Jetzt ist mal wieder die Politik gefragt. Es gäbe keinen Grund, dass die Anforderungen an das klimafreundliche Bauen mit Hinweis auf die hohen Kosten eingefroren werden. Hohe rechtliche Anforderungen, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit schließen einander nicht aus.

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