Energieeffizienz im Gebäudebestand - Energiewende gefährdet

News , 05.06.2018 , Frank Kessler Bild zu: Energieeffizienz im Gebäudebestand - Energiewende gefährdet
Foto: Roland Riethmüller

Bekanntermaßen macht die Gebäudeenergie rund 36 Prozent des Gesamtenergieverbrauches aus. Damit bietet sich ein starker Hebel für die Energiewende. Doch ein aktueller Report hat nun ermittelt, dass es im Bereich des Verbrauchs von Endenergie im Gebäudebereich seit dem Jahr 2010 praktisch keine Fortschritte mehr gegeben hat. Obwohl immer noch bedeutende Sparpotentiale im Gebäudebestand schlummern, fehlt es an Motivation zu klimafreundlichem Bauen und Sanieren.

Während im Zeitraum zwischen den Jahren 2002 bis 2010 der Energieverbrauch in Gebäuden noch um 20 Prozent sank, setzte sich dieser Trend nach dem Jahr 2010 nicht mehr fort. Die Folge war, dass der Verbrauch von Endenergie in Wohn- und Nichtwohngebäuden in den darauffolgenden Jahre bis zum Jahr 2016 auf dem bereits im Jahr 2010 erreichten Niveau stagnierte. Dies ist das Ergebnis des Gebäudereports “Energieeffizienz im Gebäudebestand 2018” von der Deutschen Energie-Agentur (dena). So bleibt auch der Ausstoß von Treibhausgasemissionen seit dem Jahr 2014 konstant, nachdem er vorher über 20 Jahre lang kontinuierlich um insgesamt 28 Prozent gesunken war. Mit diesen Zwischenergebnissen zur Entwicklung der Emissionen von Treibhausgasen ist es sehr wahrscheinlich, dass das für das Jahr 2020 von der Bundesregierung angestrebte Klimaschutzziel einer Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent nicht erreicht wird.

Klimaschutzziele bedroht und Energiewende in Gefahr

Doch die dena geht noch einen Schritt weiter und schätzt, dass beim derzeitigen Zwischenstand der Politik nach der Energiewende auch die Klimaziele des Bundes für die Jahre 2030 sowie 2050 in Gefahr sind. "Die derzeitigen Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz sind nicht ausreichend, um die Klimaschutzziele und damit die anvisierte Treibhausgasreduzierung im Gebäudebereich zu erreichen," befürchtet dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann und fordert entsprechende umweltpolitische Konsequenzen nach diesen Analysen.

Hohes Energieeinsparpotential im Gebäudebereich

Die Verfasser des dena-Reports heben hervor, dass die Energietechnik im Gebäudebereich besonders große Potenziale zum Erreichen der Ziele der Energiewende bietet. So haben Wärme und Strom bei Gebäuden einen Anteil von 36 Prozent am deutschen Gesamtenergieverbrauch. Darüber hinaus kann man die Energieeinsparpotenziale von Gebäuden nicht nur erschließen, indem man sie energiesparender konstruiert und ausstattet, sondern zusätzlich kann man Gebäude und Gebäudetechnik auch zur Produktion von Energie nutzen. Dabei sieht der Report die höchsten Einsparpotenziale durch den Einsatz von Effizienztechnologien bei Anwendungen in Nichtwohngebäuden.

Umfassende Wärmewende gefordert

Kuhlmann plädiert deshalb dafür, prioritär im Gebäudebereich zu versuchen, wieder einen positiven Effizienztrend im Rahmen der Energiewende und für den Klimaschutz zu erreichen. In diesem Zusammenhang spricht sich Kuhlmann für eine umfassende "Wärmewende" aus. Diese sei zu erreichen, indem in Zukunft noch energieeffizientere Heizungen, Fassaden, Fenster verwendet sowie zusätzliche innovative Techniken eingesetzt würden. Darüber hinaus könnten auch innovative Geschäftsmodelle wie das serielle Sanieren den Wärmeverbrauch in Gebäuden überproportional senken. Um all diese Maßnahmen durchführen zu können, ist laut Kuhlmann jedoch ein zusätzlicher Motivationsschub zu Gunsten der Energiewende bei weiten Teilen der Gesellschaft notwendig. "Darüber hinaus ist die Energiewende ein gesellschaftspolitisches Projekt, bei dem es darum geht, die Menschen für klimafreundliches Bauen und Sanieren zu begeistern. Mit unserem Gebäudereport wollen wir eine solide Datenbasis schaffen und zu mutigen Entscheidungen anregen", so Kuhlmann.