Erhöhter Mindestlohn im Baugewerbe gefährdet Tarifautonomie

News | Frank Kessler | 31.01.2022
Erhöhter Mindestlohn im Baugewerbe gefährdet Tarifautonomie
Foto: Roland Riethmüller

Der von der Koalition geplante Mindestlohn von zwölf Euro untergräbt die Tarifautonomie und führt zu höheren Baukosten. Eine aktuelle Umfrage unter 15 Verbänden der Bauwirtschaft ergab, dass sich die Mindestlohnerhöhung auf das Tarifgefüge für die einfachen Bautätigkeiten auswirke. Nicht betroffen seien dagegen die höher liegenden Tariflöhne der Facharbeiter. Die Erhöhung des Mindestlohns soll ab Herbst 2022 umgesetzt werden.

"Die von der Ampelkoalition geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12,- EUR wird aller Voraussicht nach auch zu einer Erhöhung der Baukosten in Deutschland führen." Darauf verweist der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Marcus Nachbauer. Das aus 15 Verbänden bestehende Bündnis repräsentiert 360.000 Betriebe mit rund 3,4 Millionen Beschäftigten und 200.000 Auszubildenden. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass sich die geplante Anhebung des Mindestlohns auch auf die einfachsten Bautätigkeiten auswirken würde. Auf die Tariflöhne der Facharbeiter habe dies jedoch keinen Einfluss, da deren Tariflohn ohnehin höher liege. "Die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ignoriert also bestehende tarifliche Regelungen, die mit den Gewerkschaften abgeschlossen worden sind", so Nachbauer. Gründe gäbe es dafür nicht, denn nach dem Öffentlichen Dienst ist die Bauwirtschaft ein Wirtschaftssektor mit der höchsten Tarifbindung. Neubauer befürchtet, dass der Gesetzgeber mit dieser Erhöhung ins Tarif-Handwerk pfuschen würde.

Auch Handwerkskammern kritisieren die Erhöhung vom Mindestlohn

Die Handwerkskammer Halle übt ebenfalls Kritik an der geplanten Erhöhung der Mindestlöhne. "Nicht die verordnete Lohnhöhe ist in Kritik, sondern die Art und Weise, wie die Bundesregierung in die Tarifautonomie, die im Handwerk von der Innung und der zuständigen Gewerkschaft wahrgenommen wird, eingreift", stellt Dirk Neumann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle fest. Seit Jahrzehnten ist es Praxis, dass sich die Tarifparteien in den Regionen verständigen und die Rahmenbedingungen für Betriebe und Beschäftigte festlegen. Darauf nimmt auch die Expertenkommission Rücksicht. Kritisch sieht die Handwerkskammer Magdeburg, dass der Mindestlohn bereits in diesem Jahr angehoben werden soll. "Die Politik hat der Mindestlohnkommission eine gesetzliche Aufgabe gegeben”, erinnert Handwerkskammerpräsident Hagen Mauer. “Und diese Kommission wird jetzt von der Politik vorgeführt. Die Politik bricht so nicht nur ihre Versprechen, sondern sie hält sogar ihre eigene Gesetzgebung nicht mehr ein". Weiter betont er, dass die Bundesregierung damit in den Mindestlohn eingreife. Zusätzlich würde die Erhöhung auf zwölf Euro die ohnehin schon durch Corona angespannte Lage der Betriebe überfordern. Nicht jeder Betrieb würde das verkraften.

Aktuelle Kommentare zum Beitrag.
  (Geschrieben von Martin Biermann am 31.01.2022 )

Bau-Forschungsstudien berichten, dass nur etwa 33 % der Bauarbeiter-Arbeitszeit für wert-schöpfende Aufgaben verwendet werden; folglich werden bei Bauprozessen in der Regel zwei Drittel der Zeit für nicht wert-schöpfende Tätigkeiten verschwendet (= bezahlt). All diese nicht wert-schöpfenden Vorgänge benötigen Energie und stoßen somit unnötig CO2 aus .

Folglich ist die heutige stillschweigende Akzeptanz von Zeit und Kostenüberschreitungen im Bauwesen - im Grunde dasselbe wie die Tatsache, dass die Branche unnötig hohe CO2 Emissionen "vertuscht". In diesem Zusammenhang ist die Baueffizienz, genauer gesagt die Arbeitsproduktivität im Baugewerbe (CLP) der Katalysator für die - ehrgeizigen Ziele der EU (Baukosten zu senken und die Löhne der Arbeiter und Margen der Firmen zu steigern um) die Renovierungswelle / klimagerechte Stadt bis Dorf / Neubau zu erreichen.

  (Geschrieben von Gerd Wachter am 01.02.2022 )

Was es doch alles gibt! "Bau-Forschungsstudien" tolle Sache!? Die wenigsten tatsächlichen Bauarbeiter werden davon etwas wissen. Denn die arbeiten auf dem Bau. Und den Bauarbeitern kann man richtig zusehen wie sie arbeiten und kann sich darüber aufregen. In den Ämtern und Behörden geht das nicht. Wenn da nicht effektiv gearbeitet wird, ist einfach die Tür zu und keiner darf sich trauen einen so überlasteten Mitarbeiter zu stören. Schließlich gibt es Öffnungszeiten und dazwischen noch gewerkschaftlich gesicherte Pausen. Und wieviel dann wert-schöpfend gearbeitet wird....? Jedenfalls habe ich darüber noch von keiner Studie gehört. Wenn fast neue sehr effiziente Kraftwerke stillgelegt werden, oder Beleuchtungen auf LED umgestellt werden nur weil es politisch korrekt ist aber wirtschaftlich totaler Unfug. Wer rechnet den da aus wieviel CO² da umsonst verpulvert wird und wen kann man da einen Vorwurf machen. Den Bauarbeitern die das Ausführen müssen doch sicher nicht. Ich glaube auch das die politische CO² Diskussion viel schädlicher ist als das CO² selber. Aber dann würde ja der Politik und den Medien ein wichtiges Thema fehlen worüber man so viel palavern kann, aber keiner so richtig weis was eigentlich ist.   

  (Geschrieben von Jo Vetter am 01.02.2022 )

Herr Biermann, Sie haben keine nähere Beziehung zum Bau, stimmt’s?

Sonst wüßten Sie, wie angespannt die Terminsituation und damit der Arbeitsdruck auf den Baustellen ist. 

Dass Ihren Worten zufolge zwei (!) Drittel der Arbeitszeit „unproduktiv“ ist, zeigt einmal mehr, welche schwachsinnigen und weltfremden Studien es gibt. Wer hat den solche Studien in Auftrag gegeben und bezahlt? Ich ahne, wer es sein könnte….

Und übrigens: weil es leider immer mehr junge Leute gibt, die lieber „Bau-Forschungsstudien“ erstellen, als eine wertschöpfende Tätigkeit (z.B. als Bauingenieur) auszuüben und diese nutzlosen Geisteswissenschaftler auch noch staatlich und medial gefördert werden, deshalb wird es bald kaum noch jemanden geben, der die 60 baufälligen Brücken (allein auf der A 45) in den nächsten Jahren wieder repariert bzw. neu baut.

An Nachwuchs für Bau-Forschungsstudien- Erstellern wird es dagegen nicht fehlen…

Also immer schön woke bleiben.

 

  (Geschrieben von D. Feigenspan am 01.02.2022 )

Zur Erinnerung: Der Mindestlohn am Bau wurde als Schutz der gelernten und ungelernten Arbeiter vor gierigen Unternehmen eingeführt. Weil sich eine Vielzahl von Unternehmen aus den einzelnen Tarifverträgen verabschiedet hatten. Zahlt doch einfach allen Bauhandwerkern, gelernt und ungelernt, die Tariflöhne für ihre Gewerke. Dann interessiert der Mindestlohn nicht. 

Jeden Arbeitgeber, der nur den Mindestlohn am Bau zahlt, würde ich mal einen Monat lang unter seinen eigenen Anforderungen arbeiten lassen. 

  (Geschrieben von René Polte am 01.02.2022 )

Der zukünftige Mindestlohn wird sich sehr wohl auf die höheren Facharbeiterlöhne auswirken. Wenn die Differenz nämlich zu gering wird, wird die Forderung nach mehr Geld lauter und somit werden auch die höheren Facharbeiterlöhne erneut ansteigen und den Bau zunehmend verteuern

  (Geschrieben von M. Rank am 01.02.2022 )

De einzige Sinn und Zweck dieses Berichtes ist es Unsicherheit zu schüren. Es könnte ja jemand seine Yacht  eventuelle nicht mehr jedes Wochenende aufsuchen!

  (Geschrieben von Armin Bühler am 01.02.2022 )

Mit Staunen lese ich, dass wegen dem Mindestlohn am Bau die Kosten explodieren.
Wenn 45% der Kosten Löhne sind und hier bei uns der durchschnittliche qm Wohnfläche für
3.000 € (ohne Grundstück) gebaut wird, zudem die Mindestlohn-Hilfsarbeiter kaum bei den technischen Berufen wie Heizung, MSR, Sanitär, Elektro usw. zu finden sind (dafür alle Handwerker mind. Gesellen sind und 70€/h nehmen, Meister auch mal gut 80€/h) können wir von einem Mittellohn mit max 60€/h ausgehen. Damit kommen wir auf ca. 20 Arbeitsstunden je qm Wohnfläche. Davon sind maximal 20% Menschen mit Mindestlohn. Mag sein dass der Meister den Tipp ausgibt 50% Hilfsarbeitereinzusetzen statt Kran und Technik. Dann wären es 10h. Selbst bei 5€/h schlägt es "nur" mit 50€/qm zu Buche. Wenn der Tipp des Meisters dann ist, mit dieser Erhöhung überproportional zu Verdienen, dann reden wir natürlich schnell von 200€/qm.
Real betragen die Mehrkosten, bei gleichem Gewinn an der Baustelle keine 20 €/qm Wohnfläche. Ich kenn keine Baustelle wo es jedoch mit so vielen Hilfskräften zugeht. Zumal die Subunternehmer eh als "Selbständige", nach Leistungslohn und weiterhin mit deutlich unter 10€/qm qm bezahlt werden.

Es stimmt schon, gute Lobbyarbeit - wo können wir spenden??

  (Geschrieben von R. Fischer am 03.02.2022 )

Mit Abstand der unseriöseste Artikel seit langem!!!

Man macht eine Umfrage unter Arbeitgeber Verbänden, was erwartet man für eine Antwort?

"Die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ignoriert also bestehende tarifliche Regelungen" - der Bund nimmt hier seine Verantwortung wahr, die kann nicht bei Lobbyverbänden liegen.....

"Auch Handwerkskammern kritisieren die Erhöhung vom Mindestlohn" - Eine Handwerkskammer finanziert sich über Mitgliederbeiträge - also sind das doch Lobbyverbände oder?

"Die Politik hat der Mindestlohnkommission eine gesetzliche Aufgabe gegeben”, erinnert Handwerkskammerpräsident Hagen Mauer." - man könnte auch sagen, Aufgabe schlecht erfüllt. Es gibt einem Mindestlohn den man jedem zugestehen muss, damit er nicht in Altersarmut fällt. Das würde bedeuten der Stadt müsste einzelne Menschen im Alter subventionieren. Oder anders gefragt: Muss der Stadt Bauherren oder Baubetriebe subventionieren in dem er eine Unterbezahlung zulässt? Ich glaube nicht!

Betriebe werden "überfordert". "Nicht jeder Betrieb würde das verkraften." - ist das wirklich ernst gemeint Herr Kessler? Die Betriebe die ich kenne sind voll ausgelastet, schon seit Jahren. Wer im Moment keinen Baubetrieb unter diesen Bedingungen führen kann, sollte es meiner Meinung lieber lassen.

Ich wünschte sie würden mal probieren mit ca. 2000 € brutto ein paar Monate über die Runden zu kommen.....

 

  (Geschrieben von Martin Biermann am 09.02.2022 )

 

  1. bin ich Maurermeister u. Bauingenieur …
  1. Ich schreibe keine Studien/... weil, die mir nicht`s neues sagen! (sogar z.B: „In Anlehnung an die ‚Fail-Fast‘-Mentalität des Softwaresektors muss die gebaute Umgebung Lean-Construction-, Agile-, Scrum- und Kanban-Projektmanagementmethoden verstehen.“ https://constructionmanagement.co.uk/industry-4-0-five-key-construction-skill-sets/ bis *)
  2. Beweis - weil schon gebaut : Selbst in der traditionellen (Kontext zu MMC: nix mit MINI-Kran... /Modul Bauweise bis 3D-B-Drucker) Bauweise – braucht ES - nur 5h/m2 Wfl. (und nicht „20h/m2 Wfl. bzw. 1 Million € für den 3D-Drucker mit 100h Druckzeit = 4,x Tage + 200t € Zuschuss vom Land NRW versus 1 Tag mit und für Menschen/...) . => Es bräuchte keine Fördermittel für bezahlbares u. Klimagerechtes Bauen incl. doppelte Bauarbeiterlöhne / EBITA der BU`s ...!

 

Zum Brückenbau bis Mega-Bauprojekten - kann D. von China lernen - z.B.: Neue Seidenstraße / 42 km in 6 Jahren / neue Bahnhofsgleise in 9 Stunden / usw. (oder haben DIE – kl. Aus D. - nur ins Gr, skaliert ?)

 

Am Unverständlichsten ist mir – warum, akzeptieren die meisten deutschen Bürger: bessere Feldwege (mit Einbahnstraßen-Schild für Fahrräder) VERSUS die schlechten Straßen / Infrastruktur vor ihrer Haustür?

 

* von 1999

https://www.researchgate.net/publication/305059845_Labour_productivity_in_the_construction_industry

versus 2022

https://www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/auf-den-punkt-gebracht/produktivitaet-im-bauhauptgewerbe

Fazit – was gelernt?

u./o.

https://www.bayika.de/de/ingenieuretag/rueckblick-ingenieuretag-2022.php

https://www.oskarvonmillerforum.de/

Podcast mit Zukunft.Bauen (Teil 1)

https://podcasts.google.com/feed/aHR0cHM6Ly9mZWVkcy5zb3VuZGNsb3VkLmNvbS91c2Vycy9zb3VuZGNsb3VkOnVzZXJzOjg5Mjc5MjE4MC9zb3VuZHMucnNz/episode/dGFnOnNvdW5kY2xvdWQsMjAxMDp0cmFja3MvMTIwMjE2MTczOA?hl=de&ved=2ahUKEwi2wezh4fH1AhUhS_EDHTJgCxEQjrkEegQIAhAF&ep=6

Tipp:

Alles, was man nicht messen kann, kann man nicht verbessern

https://www.constructionleadershipcouncil.co.uk/news/how-smart-is-the-uk-housing-sector/

  (Geschrieben von Martin Biermann am 10.02.2022 )

"Die einzige Möglichkeit, die Löhne im Wohnungs-Bau (bzw. BAUWESEN) nachhaltig zu steigern, besteht darin, die Produktivität der Arbeitskräfte zu erhöhen", sagte Dietz. "Dies kann durch neue Arbeitsmethoden, höhere Ausbildungsniveaus und Investitionen in Kapital und Technologie erreicht werden. Höhere Löhne ermöglichen dann zusätzliche Neueinstellungen in der Branche".

https://nahbnow.com/2022/02/hbi-calls-on-home-builders-to-take-bold-action-to-address-workforce-crisis/

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