Ernüchterung am Bau - kein Digitalisierungsschub durch Corona

News | Roland Riethmüller | 22.07.2021
Ernüchterung am Bau - kein Digitalisierungsschub durch Corona
Foto: Roland Riethmüller

In den letzten Jahren hat der Begriff “Bauwirtschaft 4.0” die Runde gemacht. Die Vorteile liegen auf der Hand. Doch wie sieht es wirklich in den Betrieben aus? Eine aktuelle Studie hat die Bauakteure befragt und dabei ernüchternde Ergebnisse erzielt. Denn eine große Rolle für die wachsende Bedeutung der Digitalisierung entfällt auf den Aufbau von Arbeitsplätzen im Home-Office. Nur diese grundlegende Veränderung bietet den gewünschten Digitalisierungsschub.

Die Bauwirtschaft gilt im Hinblick auf die Digitalisierung als eine der rückständigsten Branchen. Kaum ein Wirtschaftszweig ist weniger digitalisiert. Viele Prozesse von Genehmigungsverfahren und Planungsabläufen über Beschaffungsprozesse bis zum Bauablauf werden immer noch traditionell abgewickelt. Das liegt zum größten Teil sicher daran, dass die Baukonjunktur immer noch sehr stark und die Handlungsnotwendigkeit dadurch recht gering ist. Trotzdem zwingen der zunehmende Fachkräftemangel und die an Einfluss gewinnende Digitalisierung die Bauwirtschaft zum Umdenken.

Ernüchterndes Ergebnis zum Digitalisierungsschub in der Bauwirtschaft

So könnte man es zumindest vermuten. Denn wenn die Corona-Krise etwas Positives hatte, dann dass sie die Digitalisierung in der Gesellschaft angekurbelt hat. Das ist jedenfalls die landläufige Meinung, die sicher auch im Allgemeinen gilt. Doch trifft dies auch für die Bauwirtschaft zu? Das Düsseldorfer Marktforschungsinstitut BauInfoConsult ist dieser Frage nachgegangen und hat im Rahmen ihrer Jahresanalyse 2021/2022 rund 600 Architekten, Bauunternehmer, Dachdecker/Zimmerer, Maler/Trockenbauer und SHK-Installateure telefonisch nach ihrer Meinung befragt. Das Ergebnis ist ernüchternd, denn mit 61 Prozent sehen fast zwei Drittel der Befragten auch nach über einem Jahr der Corona-Pandemie noch immer keinen Digitalisierungsschub in der Bauwirtschaft.

Primär Architekten sind der Digitalisierung aufgeschlossen

Lediglich 38 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Pandemie nicht spurlos an der Bauwirtschaft vorbeigegangen ist. Sie sehen durchaus einen positiven Digitalisierungsschub. Ein Blick auf die Detailergebnisse lässt eine Vermutung zu: So verspüren im wesentlich die Architekten eine steigende Digitalisierung. Denn sie gehören im Gegensatz zu den Bauausführenden am ehesten zu der Berufsgruppe, die ihr Arbeit auch ins Home-Office verlegen konnte. Dort hatten sie demnach auch viel eher die Gelegenheit, ihre digitalen Arbeitskompetenzen auszubauen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Drittel der Architekten die eigene Verwendung von Building Information Modeling (BIM) bis zum Jahr 2025 erwartet.

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