Fachkräftemangel am Bau - trotz Boom am Ausbildungsmarkt

News | Frank Kessler | 08.06.2021
Fachkräftemangel am Bau - trotz Boom am Ausbildungsmarkt
Foto: Roland Riethmüller

Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbereichen entwickeln sich die Ausbildungszahlen in der Baubranche wesentlich besser als der Durchschnitt. So stieg im vergangenen Jahr trotz der Corona-Krise die Zahl der neuen Azubis am Bau deutlich an. Trotzdem wird sich der Fachkräftemangel weiter verstärken. Denn viele Betriebe, die auf der Suche nach Fachkräften sind, können ihre offenen Stellen derzeit nicht besetzen. Aus diesem Grund ist die Branche auf Quereinsteiger aus anderen Wirtschaftszweigen und Rückkehrer angewiesen.

Seit einigen Jahren entwickeln sich die Ausbildungszahlen im Baugewerbe deutlich besser als in anderen Branchen. So ist die Zahl der Neu-Azubis trotz der Corona-Pandemie um fünf Prozent gestiegen. Branchenübergreifend nahm sie dagegen aber um 9,5 Prozent ab. Eine von den Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) durchgeführte Umfrage ergab, dass der positive Trend auf dem Ausbildungsmarkt auch im Jahr 2021 anhalten wird.

150.000 Fachkräfte gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente

Trotzdem wird sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verstärken. Denn schon jetzt ist es für die Betriebe schwer, Ersatz für die Beschäftigten zu finden, die in den Ruhestand gehen. Bereits seit dem Jahr 2011 ist die Zahl der Neurentner höher als die Anzahl neuer Azubis. Bedingt ist dies auch durch die demografische Entwicklung. Bei leicht erhöhtem Rentenzugangsalter wird sich die Zahl der gewerblichen Neurentner um rund 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren erhöhen. Denn rund 150.000 gewerbliche Arbeitnehmer werden in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen.

Steigender Fachkräftemangel mit höheren Vakanzzeiten

Zukünftig ist die Branche daher noch stärker auf Quereinsteiger und Rückkehrer angewiesen. Außerdem wird die Besetzung der offenen Stellen noch länger dauern. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass offene Stellen im Hochbau durchschnittlich ein halbes Jahr unbesetzt bleiben. Das ist zwei Wochen länger als vor der Corona-Pandemie. Im Tiefbau und Ausbaugewerbe sieht es nicht besser aus. Die Vakanzzeit hat sich hier ebenfalls erhöht und liegt über dem Durchschnitt anderer Branchen.

Fachkräftemangel behindert die Bautätigkeit

In der Regel stehen die neuen Auszubildenden den Betrieben erst nach ein paar Jahren als Fachkräfte zur Verfügung. Die hohen Ausbildungszahlen stehen in direkten Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel. Die Betriebe geben zwar in der Umfrage des Ifo-Instituts an, dass eine Bautätigkeit durch mangelnde Aufträge behindert wird, dass aber in den vergangenen Jahren die Arbeitskräfte der Engpassfaktor waren, was allerdings an der gesunkenen Kapazitätsauslastung im Bauhauptgewerbe liegt. Auch in Zukunft wird dieses Thema die Branche weiterhin beschäftigen, denn viele gewerblichen Arbeitnehmer sind über 55 Jahre alt und so müssen in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte eingestellt werden.

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